Andrea Sommer-Mathis: Ergänzungsband 11. Die Tänzer am Wiener Hofe im Spiegel der Obersthofmeisteramtsakten und Hofparteienprotokolle bis 1740 (1992)
Die Tänzer am Wiener Hofe Leopolds wurden in ihren Funktionen mit den bisherigen finanziellen Konditionen bestätigt: Hoftanzmeister blieb Francesco Torti, Vizetanzmeister Claudius Appelshofer; daneben gab es fünf Hoftänzer (Simon Pietro Levassori della Motta, Franz Lang, Johann Peter Riegler, Franz Joseph Selliers, Tobias Gumpenhuber) und einen Tänzerscholaren (Carl Emanuel Selliers). 1710 wurden dazu noch zwei weitere Tänzer (Andreas Bruno und Alexander Philebois d. Ä.) engagiert. Nach dem Tod Kaiser Josefs I. am 17. April 1711 wurden die Tänzer mit dem übrigen Hofstaat entlassen, allerdings noch bis Ende September 1711 weiter besoldet. 1712 baten „die zu denen Theatris, operen und Comoedien gehörig geweste Per- sohnen“19) und mit ihnen auch die Hoftänzer um Wiederaufnahme und legten eine Übersicht des Personalstandes mit den jeweiligen Gehältern vor. Francesco Torti war in der Zwischenzeit gestorben; sein Nachfolger wurde der bisherige Vizetanzmeister Claudius Appelshofer. Daneben scheinen sieben Hoftänzer (Simon Pietro Levassori della Motta, Franz Lang, Johann Peter Riegler, Tobias Gumpenhuber, Franz Joseph Selliers, Andreas Bruno, Alexander Philebois d. Ä.) und ein Hoftänzerscholar (Carl Emanuel Selliers) auf. 1713 wurden sämtliche genannte Tänzer von Kaiser Karl VI. „confir- miert“ und erhielten ihre Besoldung rückwirkend ab 1. Oktober 1711, wobei sich bei den Gehältern nur wenige Veränderungen ergaben. Carl Emanuel Selliers wurde nicht mehr als Scholar, sondern als wirklicher Hoftänzer geführt, allerdings unter Beibehaltung seiner bisherigen 360 Gulden im Jahr. In den ersten Regierungsjahren Karls VI. gab es kaum Neuaufnahmen von Tänzern am Wiener Hof. Erst 1717 wurde mit Joseph Carl Selliers ein neuer Hofscholar aufgenommen. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte ist eine deutliche Steigerung der Anzahl der Tänzer und damit auch der Ausgaben für ihre Gehälter zu bemerken, wobei die Mitglieder der beiden Familien Philebois und Selliers besonders zahlreich vertreten waren. Die Anfänge der Organisation des Theaterbetriebes gehen noch auf Leopold I. zurück. Während seiner Regierungszeit spielte sich bei der Aufnahme in den Hofdienst eine weitgehend gleichbleibende bürokratische Vorgangsweise ein. Die Supplik des Interessenten wurde an die übergeordnete Dienststelle - im Falle der Tänzer an das Obersthofmeisteramt - geschickt, das bei dem jeweiligen Vorgesetzten - im Falle der Tänzer beim Hoftanzmeister - ein Gutachten über die Qualifikation des Bittstel19) HHStA OMeA Prot. 7 fol. 531r (1712 Oktober 24, Referat). 13