Friedrich Würthle: Ergänzungsband 9. Dokumente zum Sarajevoprozeß. Ein Quellenbericht (1978)

Das Attentat von Sarajevo

73 Setzung einer Überprüfung durch ein Sprachseminar der Universität, wäre ebenso wie die Drucklegung des Untersuchungsprotokolls (UP) eine kostspie­lige, aber im Interesse der österreichischen Sarajevo-Forschung verdienst­volle Tat. DAS URTEIL VOM 28. OKTOBER 1914 Das von Prof. Voj. Bogicevic 1954 publizierte Verhandlungsprotokoll (VP) bringt das Urteil des Kreisgerichtes Sarajevo vom 28. Oktober 1914 in ge­kürzter Form, wie es im Staatsarchiv*) in Sarajevo aufbewahrt wird. Danach wurden fünf Angeklagte zum Tode verurteilt* 2), einer zu lebenslänglichem Kerker3), drei zu zwanzig4), einer zu sechzehn5), einer zu dreizehn6), zwei zu zehn7), einer zu sieben8), zwei zu drei Jahren9) und fünf Angeklagte wurden freigesprochen. Der vollständige Text des Urteils liegt in einer amtlichen deutschen Überset­zung vor, die auch im Druck, und zwar unter dem Titel Der Sarajevo-Pro­zeß10 *), erschienen ist. Die Herausgabe erfolgte durch den Geheimen Hofrat Dr. Erich Brandenburg, ord. Professor der Geschichte an der Universität Leipzig. Er vermerkte im Vorwort: „An der zu Sarajevo hergestellten amtlichen deutschen Übersetzung des Urteils wur­den, obwohl sie sprachliche Mängel aufweist, nur in der Orthographie der Eigennamen einige Korrekturen vorgenommen, um die Einheitlichkeit der Schreibweise herzustel­len “)". Zum Unterschied von der Urteilsveröffentlichung bei Bogicevic enthält die Berliner Veröffentlichung die Urteilsbegründung (S. 60-168) mit der Anfüh­rung des Tatbestandes, der Entstehung und Vorbereitung des Mordplanes in Belgrad, der Beförderung der Mordwaffen von Belgrad an den Tatort, der Vorbereitung des Attentates in Sarajevo, Feststellungen über die Auswirkun­gen der großserbischen Bewegung auf die Mordtat, die Tätigkeit der serbi­schen Irridenta, die Mitwirkung aktiver serbischer Offiziere und Zivilbeam­*) ABH IV 4 4 Kreisgericht Sarajevo ZI. 7471/K/1914. 2) Danilo Ilié, Veljko Cubrilovic, Nedjo Kerovic, Misko Jovanovié und Jakov Miiovié. 3) Mitar Kerovié. 4) Gavrilo Princip, Nedeljko Cabrinovic und Trifko Grabez. s) Vaso Gubrilovic. 6) Cvetko Popovié. ’j Lazar Djukié und Ivo Kranjéevié. ®) Oviján Stjepanovié. 9) Branko Zagorac und Marko Perin. 10) Vollständiger Titel oben S. 48 Anm. 2. u) Ebenda IX.

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