Friedrich Würthle: Ergänzungsband 9. Dokumente zum Sarajevoprozeß. Ein Quellenbericht (1978)

Das Attentat von Sarajevo

46 Ausdruck gab: 1926 im SHS-Staat oder 1941 im ,freien Kroatien“, das er be­jahte: . . nun, da die Freiheit erreicht wurde, kann ich“, so meinte er in einem Agramer Blatt49), ,das sagen, was mir das wichtigste ist, nämlich, daß das Attentat mit Wissen und der Beihilfe des damaligen serbischen Prinzen Alexander, des späteren jugoslawi­schen Königs, vorbereitet wurde, was man vor Pasié, beziehungsweise der Regierung, geheim hielt.“ Pfeffer kam dann auf den Saloniki-Prozeß im Jahre 1917 zu sprechen und behauptete, dieser bilde die „Fortsetzung seiner Untersuchung im Sarajevo- Prozeß“. Schließlich zieht er folgendes Resümee: ,Das Entsetzliche ist, daß Alexander das Urteil von Saloniki bestätigte und jene Per­sonen beseitigen ließ, mit deren Einverständnis er das Attentat von Sarajevo vorberei­tete. Um die Sache zu verschleiern, ließ man in Saloniki Milan Ciganovic50), den Hauptbeteiligten beim Sarajevoer Attentat, als Zeugen [gegen Oberst Apis-Dimitrije- vic] auftreten, der später als Belohnung ein Gut bei Skoplje erhielt, wo er 1926 starb.“ Pfeifers Erklärungen aus dem Jahre 1941 stimmen ungefähr mit dem über­ein, was er in seinem Buch 1938 ausgeführt hatte, nur fehlte dort das Resü­mee und die Beschuldigung Alexanders. Was Pfeffer 1926 gegenüber der Zeitschrift Die Kriegsschuldfrage (Berliner Monatshefte) richtiggestellt hatte, entsprach, wie aus den Protokollen hervorgeht, durchaus den Tatsachen: Princip hatte nie gestanden, er sei Alexander vorgestellt worden. Abschlie­ßend nochmals die Feststellung Vladimir Dedijers: „Die Aussagen der Angeklagten wurden ins Deutsche übersetzt und nach Wien ge­schickt. Ein Teil dieses Materials und auch andere Unterlagen werden im Nachlaß Erzherzog Franz Ferdinand aufbewahrt und stellen eine Dokumentation von großem historischen Wert dar“. Dem ist durchaus zuzustimmen. Pfeifers Untersuchungs-Protokolle, die De- dijer meint, bilden eine seriöse und äußerst wichtige Unterlage für die For­schung. Im einzelnen sind jedoch einige kritische Bemerkungen zu Dedijers Ausführungen angebracht (Die Zeitbombe 893 Anm. 1): Dedijer: „Die Untersuchung gegen Princip und seine Freunde wurde einige Tage nach dem 28. Juni eingeleitet ...“ Die strafgerichtliche Untersuchung gegen Princip und Cabrinovic wurde unmittelbar nach der Tat eingeleitet, Trifko Grabez, der Sarajevo verlassen hatte und an ei­nem anderen Ort festgenommen wurde, befand sich eine zeitlang in den Händen der Polizei. Dedijer: „ ... und zwar sowohl von der Polizei als auch vom Untersuchungsrichter Leo Pfeffer, obwohl nur dieser zuständig war ...“ Dafür gibt es keine Anhaltspunkte. 49) Hrvatski narod 1941 Juni 28. Die Überschrift (in deutscher Übersetzung) laute­te: .Alexander Karageorgjevic Mitschuldiger am Attentat von Sarajevo - Der Prozeß von Saloniki ist eine Fortsetzung des Prozesses für die Teilnehmer am Sarajevoer At­tentat, die sich noch in Serbien befanden. Wichtige Enthüllungen des Untersuchungs­richters des Sarajevoer Prozesses L. Pfeffer“. 50) 1917 betätigte sich Ciganovic als Spitzel der Regierung Pasié.

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