Friedrich Würthle: Ergänzungsband 9. Dokumente zum Sarajevoprozeß. Ein Quellenbericht (1978)

Umstrittene Dokumente

121 König Peter mit Jeftanovic in unmittelbarer Verbindung stand, über seine Tätigkeit voll im Bild war, selbst Wünsche aussprach und Versprechungen gab.“ Die zweite Veröffentlichungsreihe des Wiener Archivs trug, wie bereits ange­deutet, den Titel Serbische Außenpolitik 1908-1918. Von dieser Reihe war zu Kriegsende der 3. Band (26. Mai - 8. August 1914) bei der Wiener Drucke­rei Adolf Holzhausens Nfg. in Arbeit. Angeblich war dieser Band „ausge­setzt“, jedoch nicht gedruckt. Der Satz wurde unmittelbar nach Kriegsende eingeschmolzen109). Die Korrekturabzüge verschwanden, das heißt, sie wur­den von Personen, die sich auf die amerikanische Besatzungsmacht beriefen, beschlagnahmt. Noch im Februar 1945 — am 13. dieses Monats hatte die Rote Armee Buda­pest erobert - entschlossen sich die Herausgeber, diesem 3. Band die wichtig­sten Dokumente zu entnehmen und als „Erste Lieferung“ der Öffentlichkeit zu übergeben. Es handelt sich um 38 Aktenstücke, die für die Kriegsschuld­frage von erheblicher Bedeutung sind. Die Bearbeiter vermerkten ausdrück­lich: „Die vorliegende erste Lieferung stellt eine Auslese aus dem bereits in Druck befindli­chen, die Zeit vom 26. Mai bis 6. August 1914 umfassenden dritten Band der zweiten Reihe der Veröffentlichungen des Reichsarchivs Wien dar, der in mehreren hundert Nummern serbische diplomatische Akten aus der eben bezeichneten Zeitspanne brin­gen wird110)“. Wie wir wissen, kam es nicht mehr dazu. Von der „Ersten Lieferung“111) (Umfang 40 Druckseiten) sind nur wenige Exemplare im Umlauf, einige der darin abgedruckten 38 Dokumente beziehen sich auf das Attentat von Sara­jevo, andere sind für die Kriegsschuldfrage von Bedeutung. Zu der At­tentatsgruppe gehören die Nummern 2 a (Pasiczettel) und 2 b (Aufzeichnun­gen des serbischen Innenministeriums), 7 (Drohung des Majors Tankosic), 8 (Koffer des Öabrinovic), 9 und 10 (Eintragung im Geschäftstagebuch der Po­litischen Abteilung des serbischen Ministeriums des Äußern über die nicht erfolgte Warnung der serbischen Regierung in Wien), 11, 12, 13 und 14 (Tele­gramme des serbischen Gesandten Gavrilovic in Cetinje nach Belgrad über den aus Sarajevo geflüchteten Attentäter Mehmedbasic), ferner 18, 22, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 32, 33, 34, 35, 36, 37, 38 (Telegramme des serbischen Gesand­ten Spalajkovic aus St. Petersburg vom 21,—29. Juli 1914). Im April 1944 führte der Direktor des Reichsarchivs Wien mit dem Auswärtigen Amt in Berlin über die Aktenstücke vom 24. und 25. Juli 1914 einen Schriftwechsel, der hier gekürzt wiedergegeben ist: 109) Mündliche Auskunft der Druckereileitung an den Autor. 110) SAP Vorwort 1. 111) Vollständiger Titel: Veröffentlichungen des Reichsarchivs Wien/Herausgegeben im Auftrag des Auswärtigen Amtes, Reihe II/Serbiens Außenpolitik 1908-1918/Diplo- matische Aktenstücke des serbischen Ministeriums des Äußern in deutscher Überset- zung/ÜI. Band (26. Mai bis 6. August 1914). Ausgewählt von Hans Uebersberger, bearbeitet von Ludwig Bittner, Alois Hajek und Hans Uebersberger. Wien, Ver­lag Adolf Holzhausens Nachfolger 1945.

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