Friedrich Würthle: Ergänzungsband 9. Dokumente zum Sarajevoprozeß. Ein Quellenbericht (1978)
Umstrittene Dokumente
UMSTRITTENE DOKUMENTE BEKANNTE UND UNBEKANNTE VERÖFFENTLICHUNGEN AUS SERBISCHEN AKTENBESTÄNDEN Der ,Kriminalfall Princip und Konsorten* erschließt sich aus Polizei-, Unter- suchungs- und Hauptverhandlungsprotokollen. Doch die Erforschung politischer Perspektiven setzt das Studium weiterer Unterlagen voraus, und zwar von Unterlagen aus dem Bereich der Diplomatie und Verwaltung. Dies wirft aber eine Reihe von Fragen auf: Welche der einschlägigen Bestände sind erhalten gebheben? Welche sind ganz oder teilweise in Druck erschienen? Wie entstanden einzelne Publikationen, seien sie nun amtlicher, offiziöser oder privater Natur? Welcher Authentizitätsgrad kann ihnen zugesprochen werden? Und: werden noch immer wichtige Bestände der Öffentlichkeit vorenthalten? österreichischerseits sind die 11.204 diplomatischen Aktenstücke1) des k. u. k. Ministeriums des Äußern hervorzuheben, die aus der Zeit vom 18. März 1908 bis zum 1. August 1914 stammen und die in das große österreichische Aktenwerk2) aufgenommen wurden. Vollständig ist natürlich auch dieses achtbändige Aktenwerk nicht3), doch besteht ja seit dem Jahre 1945 für jedermann die Möglichkeit, in diese Aktenbestände Einsicht zu nehmen, natürlich auch in jene, die nicht veröffentlicht wurden: Man findet sie im Politischen Archiv (PA) und in den Gesandtschaftsarchiven des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs. Vertretern mancher Nachfolgestaaten wurde schon 1919 freier Zutritt zu den Archiven des Wiener Auswärtigen Amtes und damit die freie und unbehinderte Einsicht in die Akten- und Fundbehelfe sowie das Entlehnungsrecht erteüt, und von diesem Zugeständnis wurde ausgiebig Gebrauch gemacht4). b Telegramme, Erlässe und Privatschreiben an die k. u. k. Vertretungen im Ausland, Berichte und Unterredungen mit Vertretern fremder Staaten, ferner Noten und Privatschreiben an sie, Handschreiben des Kaisers, Telegramme der österreichisch-ungarischen Vertreter an die Zentrale. 2) Österreich-Ungams Außenpolitik von der Bosnischen Krise 1908 bis zum Kriegsausbruch 1914 (Wien - Leipzig 1930), 8 Bde und 1 Bd. Personenregister (= ÖUA). 3) „Für die Zeit von der Mordtat von Sarajevo bis zum Kriegsausbruch ... wurde sozusagen alles aufgenommen, was an politischen Schriftstücken vorhanden war“ (Vorwort XH). 4) ÖUA 1 Vorwort VII. — Nicht behandelt werden in dieser Arbeit die sogenannten Rotbücher, deren Material in das große Aktenwerk wiederum aufgenommen wurde: Diplomatische Aktenstücke zur Vorgeschichte des Krieges 1914 (Wien 1915),