Fritz Reinöhl: Ergänzungsband 7. Geschichte der k.u.k. Kabinettskanzlei (1963)

VII. Kurzbiographien der Leiter der Kabinette, der Kabinettsdirektoren und der Sektionschefs - 1. Die Leiter der Kabinette und die Kabinettsdirektoren

364 um einen Rat befragte, wem er die Leitung der Kabinettskanzlei an­vertrauen solle, Polzer aber einen solchen Rat zu geben ablehnte, weil ihm die Verantwortung zu groß erschien, und daß der Kaiser damals als Bedingung nannte, der Betreffende dürfe „nicht am alten Zopfe hängen und sich wie Sie nicht von der Regierung beeinflussen lassen“ m). Viel­leicht glaubte er in Hawerda diesen Mann gefunden zu haben. Polzer teilt in seinem Buch „Kaiser Karl“ mit, daß ihm der Chef der Militär­kanzlei und Generaladjutant Ferdinand Freiherr von Marterer kurze Zeit nach seiner Beurlaubung erzählt habe, „der Kaiser habe ihm geklagt, daß seit er nicht mehr im Amte sei, die Angelegenheiten der Kabinettskanz­lei mit einer Umständlichkeit behandelt werden, die ihm die Arbeit er­schwere“ 172). Hawerdas Führung der Kabinettskanzlei dauerte immer­hin achteinhalb Monate. Als Dr. Seidler am 12. August 1918 das Amt übernahm, wurde Hawerda enthoben und widmete sich nun wieder ganz seinem Amt als Generaldirektor der a. h. Privat- und Familienfonde 17i)). Er versah dieses bis zum 1. März 1920; an diesem Tage trat er in den Ruhestand. Am 13. November 1931 ist Hawerda in Wien gestorben 174). Er­wähnt sei noch, daß Kaiser Franz Joseph ihm am 8. Jänner 1886 die Würde eines Truchsessen verliehen175) und ihn am 8. Juli 1901 zum Stellvertreter des Wappenkönigs des Ordens vom Goldenen Vlies er­nannt hatte 176). Dr. Ernst (seit 7. 2. 1916 R i 11 e r von) Seidler (s e i t 28. 4. 1916 Prädikat von Feuchtenegg). Seidler wurde am 5. Juni 1862 in Schwechat geboren, studierte an der Universität Wien Rechts- und Staatswissenschaften und promovierte 1887 zum Doktor beider Rech­te 177). 18 8 7 in den Staatsdienst getreten, wurde er 1888 zum Gerichtsaus­kultanten ernannt, war sodann aber — vom Justizministerium hiezu beurlaubt — von 1890 bis 1895 als Juristenpräfekt an der Theresiani­schen Akademie in Wien tätig. Mit 1. Jänner 1895 verließ er den Staats­dienst und trat als definitiver Sekretär in den Dienst der Handels- und Gewerbekammer in Leoben. Während seiner dortigen sechsjährigen Dienstzeit war er zugleich Honorardozent für Volkswirtschaftslehre mit besonderer Berücksichtigung des Berg- und Hüttenwesens an der Berg­akademie in Leoben. Weiters wirkte er in dieser Zeit als Instruktor der m) Polzer-Hoditz, Kaiser Karl, S. 517 f. '72) s. 523. 178) Direktionsakt 24/1918. >74) ich danke Herrn Staatsarchivar Privatdozent Dr. Hans Wagner für die bezüglichen Erhebungen. '75) Direktionsakt 9/1886. 176) Sep. Akt 145/1901. •77) Knauer, Österreichs Männer des öffentlichen Lebens von 1848 bis heute, Wien 1960, S. 84, Universitätsarchiv, Nationalia der jur. Fakultät.

Next

/
Oldalképek
Tartalom