Fritz Reinöhl: Ergänzungsband 7. Geschichte der k.u.k. Kabinettskanzlei (1963)

VII. Kurzbiographien der Leiter der Kabinette, der Kabinettsdirektoren und der Sektionschefs - 1. Die Leiter der Kabinette und die Kabinettsdirektoren

365 gewerblichen Genossenschaften im Handelskammerbezirk Leoben 178). 19 0 0 ergab sich die Notwendigkeit, angesichts bevorstehender großer Arbeiten auf handeis- und zollpolitischem Gebiet im Ackerbauministerium ein neues Departement zu errichten. Es wurde eine neue Ministerialsekretärsstelle geschaffen und Seidler am 21. Dezember zum Ministerialsekretär extra statum ernannt178). Am 4. Dezember 1903 mit dem Titel und Charakter eines Sektionsrates ausgestattet, wurde Seidler am 3. Oktober 1904 zum Sektionsrat ad personam ernannt und am 15. September des folgenden Jahres in eine systemisierte Sektionsratsstelle eingerückt 18°). Seidler be­treute alle in den Bereich der Handelspolitik fallenden Agenden des Ackerbauministeriums, was sich im Rahmen eines Departements allmäh­lich als unhaltbar erwies. Es wurde daher 1908 eine eigene handelspoliti­sche Sektion errichtet, Seidler am 10. November 1908 zum Ministerialrat ernannt und mit deren Leitung betraut181). Rund ein Jahr später, am 14. Dezember 1909, wurde er zum Sektionschef ad personam ernannt182). Seidler, der sich bei den letzten Ausgleichsverhandlungen mit Ungarn besonders bewährt hatte, tat dies auch in der Folge, besonders in der Kriegszeit, die an seine souveräne Beherrschung der Probleme der Volks­wirtschaft höchste Anforderungen stellte. Kaiser Franz Joseph zollte Seidler seinen Dank durch die am 7. Februar 1916 erfolgte Verleihung des Ritterstandes, der am 28. April jenes Jahres noch die Zuerkennung des Prädikates von Feuchtenegg folgte 183). Es ist erstaunlich, daß Seidler neben seiner amtlichen Tätigkeit auch noch seiner Neigung zur Lehr­tätigkeit, die sich schon in seiner Leobner Zeit gezeigt hatte, nachgeben konnte. Kaum nach Wien zurückgekehrt habilitierte er sich 1901 an der Universität für Verwaltungslehre und österreichisches Verwaltungsrecht; am 21. Juni 1914 verlieh ihm der Kaiser den Titel eines ordentlichen Universitätsprofessors 184). Daneben wirkte er seit 1905 als außerordent­licher Professor für Verfassungs- und Verwaltungsrecht an der Export­akademie des österreichischen Handelsministeriums. Am 14. November 1906 war er überdies zum ordentlichen Professor für Verwaltungslehre und österreichisches Verfassungsrecht an der Hochschule für Bodenkultur bestellt und mit dem Titel und Charakter eines Hofrates ausgestattet worden 185). Mit 15. Mai 1915 holte Kaiser Franz Joseph den Thronfolger Erzherzog Karl nach Wien, um ihn in die Regierungsgeschäfte einzufüh­178) vgl. K. Z. 3329/1900, die Angabe im Vortrag des Ackerbauministeriums vom 7. 2. 1916 (K. Z. 144), daß Seidler 1887 bis 1889 im niederösterreichischen Finanzdienst gestanden sei, ist irrig. i™) K. Z. 3329. is») K. Z. 3068/1903, 2785/1904, 2614/1905. i»7) K. Z. 3289. 182) K. Z. 4012. 783) K. Z. 144, Frank-Döffering, Altösterr. Adelslexikon, S. 287, Nr. 8640. 184) K. Z. 1531. 183) K. Z. 3363/1906.

Next

/
Oldalképek
Tartalom