W. Wagner: Ergänzungsband 6. Die obersten Behörden der k.u.k. Kriegsmarine 1856-1918 (1961)
6. Die Neuorganisation der Marinesektion durch Tegetthoff
.6. Die Neuorganisation der Marinesektion dureh Tegetthoff. Knapp nach der Rückkehr des Vizeadmirals Tegetthoff von seiner Mission nach Mexiko zur Rückführung der Leiche des Kaisers Maximilian, seines einstigen Marineoberkommandanten, ersuchte der Kriegsminister Feldmarschall-Leutnant Freiherr von Kuhn Mitte Jänner 1868 den Admiral mündlich, seine Anschauungen über die zweckmäßigste Organisation der obersten Marinebehörde — ohne Rücksichtnahme auf das Bestehende — zu Papier zu bringen und vorzulegen. Kuhn fügte hinzu, der Kaiser hege die Absicht, Tegetthoff „eine auf die obere Leitung der k. k. Kriegs Marine Einfluß nehmende Dienstverwendung“ zuzuweisen1). Bereits am 18. Jänner war übrigens der Admiral zur Begutachtung mehrerer Vorträge der Marinesektion über organisatorische Fragen und andere Belange aufgefordert worden 2). Mehr noch als die Mission nach Mexiko bezeugt diese Vollmacht, sich seine leitende Stellung in der Marine nach eigenem Wunsch einzurichten, daß Tegetthoff das Vertrauen seines obersten Kriegsherrn in ganz besonderem Maße genoß. Anderseits ist es auch gar nicht so sicher, ob der Admiral die Leitung einer Behörde, deren Form er für verfehlt hielt, überhaupt angenommen hätte. Ob abgesehen von der Vertrauensstellung und dem Ansehen des Siegers von Lissa auch gewisse Reibungen zwischen dem Kriegsministerium und Erzherzog Leopold als auslösendes Moment für die Neuorganisation eine Rolle gespielt haben, läßt sich schwer mit Sicherheit feststellen, doch läßt der Text des Exposes Tegetthoffs dies immerhin vermuten. Bereits am 3. Februar 1868 sandte der Admiral dem Kriegsminister seine Antwort 3). Zum Beweis dafür, daß ihn bei seinen Vorschlägen keinerlei persönliche Motive bewegten, legte er einfach eine Abschrift seiner 1864 dargelegten Ansichten4) bei und wies in der Einbegleitung nochmals auf die Erfahrungen von 1864 mit der Unterstellung der Nordsee-Eskadre direkt unter das Marineministerium sowie auf die 1866 während des Krieges erfolgte Auflösung des Marine-Truppen- und Flotteninspektorates hin. Auch heute noch habe er dieselben Ansichten wie 1864. Am zweckmäßigsten wäre eine unabhängige Zentralbehörde in Wien, deren Chef — sei es ein Marineminister oder ein Marinekommandant — dem Kaiser gegenüber für die Schlagfertigkeit der Flotte und den Delegationen gegenüber für die zweckentsprechende Gebarung mit den bewilligten Geldmitteln verantwortlich sei. Unter nochmaliger Vorlage des Entwurfes von 1864 ließ Tegetthoff am 15. Februar 1868 ein ausführliches Elaborat folgen 5). Einleitend bezeichnete er es als unlösbare Aufgabe, den Wirkungskreis zweier nebeneinander aufgestellter Behörden wie der Marinesektion und der Truppen- und Flotteninspek-