Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/2. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1951)

V. Rechts-, Verfassungs- und Wirtschaftsgeschichte - 54. Paul Roth (Basel): Baslerisch-Vorderösterreichische Schiffahrtsstreitigkeiten im Lichte geheimer Korrespondenzen (1760-1765)

Baslcrisch-Vorderösterreichische Schiffahrtsstreiligkeiten im Lichte geheimer Korrespondenzen. 83 österreichischen Herrschaft, den stärksten militärischen Stützpunkt Habsburgs im oberen Rhein viertel; zu diesem zählten außer Rheinfelden die Städte Säckingen, Laufenburg und Waldshut*)• In Rheinfelden ist die Erinnerung an die öster­reichische Herrschaft noch heute lebendig: In manchen Häusern herrschaftlicher Familien hängen noch die Bildnisse österreichischer Kaiser und Erzherzoge, oder es glänzen in den Fenstern farbige Scheiben habsburgischer Herkunft. Zur Herrschaft Rheinfelden gehörten die „Landschaften“ Frick, Möhlibach und Rheintal; die letztere lag auf dem rechten Ufer des Rheins; sie fiel 1805 mit dem Breisgau an das Groß­herzogtum Baden. Rheinfelden war eine sogenannte k. k. österreichische Kameral- herrschaft, die dem Landesherrn unmittelbar unterstand und von dessen eigenen Beamten verwaltet wurde. Die Kleinstadt Rheinfelden war das Zentrum eines eigenen Wirtschaftsraumes, der stromabwärts ungefähr bei Augst durch Basel abgeriegelt wurde. Die Stadt war noch im 12. Jahrhundert von den Herzogen von Zähringen als Rheinübergangsstelle gegründet worden und im Jahre 1330 an Habsburg-Österreich gefallen. Ihren Kern bildete die Burg, der „Stein“ auf der Felseninsel mitten im Rhein, der später die Verwaltung der Herrschaft aufnahm. Als Rheinfelden entstand, war Basel schon die größte Stadt am Oberrhein und der bedeutendste Brückenort. Es war mindestens zehnmal größer als jenes (100 ha : 10 ha) und hatte sicher ebensovielmal mehr Einwohner (20.000 : 2000). Neben der linksrheinischen Landstraße bildete der Strom die wichtigste Verkehrsrinne. Er hatte noch im 18. Jahr­hundert diese Bedeutung. Auf dem Rhein vollzogen sich vom Bodensee her und aus dem schweizerischen Mittellande Güter- und Personentransporte in bunter Menge. Aus dem Salzkammergute wurde das wichtige Salz zu Tal gefördert, aus dem Schwarzwald Holz verfrachtet und aus Laufenburg Eisenerz verschifft. Wer als Kaufmann zur Frankfurter Messe oder als Pilger den rheinischen Bischofstädten zustrebte, benützte gerne den raschen und bequemen Wasserweg. Im Wirtschaftsleben Rheinfeldens spielte die Fischerei eine beträchtliche Rolle. Die Stadt versorgte sich nicht nur selber mit Fischen sondern auch ihre nähere Umgebung. Wie in Augst und Beuggen sah man auch zu Rheinfelden an den Ufern des Rheins große Salmenwagen. Demgegenüber kam der eigenen Schiffahrt im Leben der Stadt keine Bedeutung zu. Die Rheinfelder hatten keine zünftigen, d. h. gelernte Schiffleute und nahmen an der Schiffahrt kaum Anteil. Der lebhafte Schiffsverkehr auf dem Rhein floß fast gänzlich an der Stadt vorbei. Politisch unterstand das Oberamt Rheinfelden, das von einem Oberamtmann, einem Rentmeister und einem Landschreiber verwaltet wurde, der vorderösterreichischen Regierung in Freiburg. Diese war im Jahre 1651, nach dem Verluste des Elsasses, von Ensisheim dorthin verlegt worden 2). Neben der Regierung in Freiburg wurde im Jahre 1752 vorübergehend in Konstanz noch eine sogenannte „Repräsentation“ für die gesamten Vorlande eingesetzt. Aber diese „vorderösterreichische Regierung und Kammer“ zu Frei­burg, wie sie sich ab 1759 bezeichnete, war wohl eine einheitliche oberste Behörde, aber keine souveräne Obrigkeit; sie hing vielmehr von den Weisungen der oberösterreichischen Regierung zu Innsbruck und diese wiederum von den Zentralbehörden in Wien ab. Im Jahre 1760 bestand die Freiburger Regierung aus neun Regimentsräten und vier *) Burkart Sebastian, Geschichte der Stadt Rheinfelden bis zu ihrer Vereinigung mit dem Kanton Aargau. Aarau 1909. — Ammann Hektor, Wirtschaft und Lebensraum der mittelalterlichen Kleinstadt Rheinfelden. „Vom Jura zum Schwarzwald“, N. F., Blätter für Heimatkunde und Heimatschutz, hrsg. von der Fricktalisch-badischen Vereinigung, 1947. — Stalder Paul, Vorderösterreichisches Schicksal und Ende (Das Fricktal 1792 bis 1803). Rheinfelden 1932. 2) Stolz Otto, Geschichtliche Beschreibung der ober- und vorder österreichischen Lande. Karls­ruhe 1943, sowie die ältere umfassende „Geschichte der K. K. vorderösterreichischen Staaten“, 2 Bde., von Franz Kreutter, O. S. B., St. Blasien 1790.

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