Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/2. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1951)

V. Rechts-, Verfassungs- und Wirtschaftsgeschichte - 54. Paul Roth (Basel): Baslerisch-Vorderösterreichische Schiffahrtsstreitigkeiten im Lichte geheimer Korrespondenzen (1760-1765)

84 Roth ( Basel), Repräsentationsräten1). Die Regimentsräte waren Baron von Sommerau, Freiherr von Zweyer, Freiherr von Wittenbach, die Herren von Blümigen, von Borié, von Stapff, von Bender, von Fröhlich und von Löwenberg; die Repräsentationsräte der Stadthauptmann von Konstanz, Freiherr von Landser, der Feldkriegskommissär Eysselin und die Räte von Mayer und von Zweiger. Regierung und Repräsentation bildeten indessen nur einen einzigen Verwaltungskörper, an dessen Spitze Baron von Sommerau stand; seine Stellung kam in seinem Titel „vorderösterreichischer Repräsentations- und Regierungs-Präsident“ zum Ausdruck. Unter den genannten Regimentsräten in Freiburg war es der aus der Reichs­stadt Gengenbach gebürtige k. k. Kriegs- und Regierungsrat Joseph Severin von Bender, der in den Streitfällen Basels mit seiner österreichischen Nachbarschaft die Rolle des Vertrauensmannes und geheimen Unterhändlers spielte und als solcher in einer regen Korrespondenz mit dem Basler Registrator der Staatskanzlei und Archivar J. U. Lie. Daniel Bruckner stand. Wir wissen von Bender, daß er sich 1724 bis 1725 unter dem Rektorate von Johann Karl Bueb als „praenobilis dominus Severinus de Bender, Gengen- bacensis, Brisgoius, Juris utriusque“ immatrikulierte und 1727 das Examen ex jure utroque bestand. Bei der Taufe seines ersten Sohnes Dominicus Thadäus Severinus 1738 erscheint er als juris utriusque candidatus examinatus und approbatus, regiminis Anteriores Austriae secretarius, später (1744) bei der Taufe seiner Zwillinge Maria Anna Victoria und Johann Baptist Caspar als consiliarius, d. h. als Regierungsrat. Seine Gattin war Anna Maria Sulger 2). Joseph Severin von Bender war vermutlich ein Verwandter des Feldmarschall- Leutnants Blasius Columbanus Bender, des Inhabers des berühmt gewordenen Regiments Bender, und des Abtes Blasius Bender von St. Blasien, die beide ebenfalls aus Gengenbach stammten. Der Basler Daniel Bruckner (geb. 1707, gest. 1781) verwaltete als Ingrossist (seit 1744) und als Registrator (seit 1755) unter dem Ratschreiber Isaak Iselin das städtische Archiv, dessen reiche Bestände er systematisch neu gruppierte und zweckmäßiger auf­stellte. Als befähigter und kenntnisreicher Mann war er mit der Herausgabe einer „Beschreibung der Merkwürdigkeiten der Landschaft Basel“ beschäftigt. Politisch hatte er sich als Sechser (Großrat) zum „Schlüssel“ ausgewiesen. Bender adressierte seine Schreiben „ä Monsieur Daniel Bruckner, licentié aux droits et archivaire du louable Canton de Bäle“. Bruckner seinerseits antwortete „ä Mr. de Bender, conseiller de la régence de Fribourg, pour sa majesté la reine de Hongrie“. Als Verbindungsmann zwischen Basel und Freiburg leistete ferner der Basler Bankier Joseph Ochs (geb. 1727, gest. 1796) seiner Vaterstadt wiederholt nützliche Dienste3). Er war ein Sohn des 1752 in Wien verstorbenen Wechselherrn Johann Caspar Ochs, geb. 1701 in Basel, der mit seinem älteren Bruder Carl Wilhelm (geb. 1700 in Basel, gest. 1753 in Wien) unter dem Namen „Gebrüder Ochs“ ein Handelsgeschäft, später Bankhaus in Basel führte und internationale Geldgeschäfte tätigte. Das Ochssche Geschäftshaus leistete z. B. während des österreichischen Erbfolgekrieges Kaiser^ Franzj; I. und der kaiserlichen Hofkammer größere Geldsubsidien. Der für Österreich ungünstige Ausgang des zweiten schlesischen Krieges (1745) sowie der Abschluß des kostspieligen österreichischen Erbfolgekrieges (1748) hatten eine schwere Erschütterung der Firma zur Folge. Zur Sicher­stellung ihrer Forderungen begaben sich die Gebrüder Ochs nach Wien, wo sie, vor der Erledigung ihrer Aufgabe, wenige Jahre darauf starben. Nach dem Tode der beiden Leiter ließ sich Joseph Ochs 1757 als alleiniger Inhaber der Geschäftsfirma „Joseph Ochs“ in Basel eintragen. Dank seiner österreichischen Beziehungen war Ochs der gegebene Mann, um x) Unsere Darstellung stützt sich im folgenden vor allem auf der bisher unbeachtet gebliebenen Abteilung „Österreich A 3“ des Basler Staatsarchivs, die bezeichnet ist unter dem Titel „Geheime Korre­spondenz mit Herrn von Bender“. Missi ven und Ratsprotokolle sowie Akten des Universitätsarchivs lieferten weiteres Material. 2) Schaub Friedrich, Freiburger Universitätsmatrikel, a. a. O. 3) His Ed., Chronik der Familie Ochs genannt His. Basel 1943.

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