Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/2. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1951)
V. Rechts-, Verfassungs- und Wirtschaftsgeschichte - 53. Josef Karl Homma (Eisenstadt): Die Wüstungen des nördlichen Burgenlandes
Die Wüstungen des nördlichen Burgenlandes. 77 2. Im Leithagebiet. Röjtökör (Rahtukeuri, Ruhtukewrr, Rettekewr): Wie das benachbarte Pöttsching (Besenew) wurde auch Röjtökör von Stephan dem Heiligen als Petschenegensiedlung wahrscheinlich nach 1031 gegründet. 1223 umfaßte der Hotter von Röjtökör nach der Schenkungsurkunde Andreas II. an den Grafen Simon v. Arragonien1) das Gebiet des heutigen Neudörfl, den Sauerbrunner und den südlichen Teil des Pöttschinger Hotters sowie den heutigen Wiesener Hotter bis zum Edlesbach und den Zillingdorfer Wald. Hie Grenzlinie verlief von der heutigen burgenländischen österreichischen Grenze im Tal des Edlesbaches bis Gadisnasret (in der Gegend von Sigleß), wandte sich dann gegen Westen zur heutigen Landesgrenze, dann nach Südwesten, den Zillingdorfer Wald einschließend gegen die Leitha, leithaaufwärts bis zur Stelle, wo die Landesgrenze zum Rosaliengebirge abzweigt und auf dem Kamm des Gebirges weiter bis zum Ausgangspunkt 2). In der Urkunde von 1346 3) wird der Ort Ruhtukewr als mit einer von altersher ausgestatteten Maut bezeichnet 4). Wenngleich der Hotter des alten Ruhtikewr sich mit dem Hotter des heutigen Pöttsching teilweise deckte, kann eine Gleichsetzung der beiden Ortschaften, wie sie Csánki vertritt 5), nicht angenommen werden, da in den Urkunden von 1346 und 1434 6) Röjtökör und Besenew (Pöttsching) als zwei verschiedene Orte genannt werden. Wohl aber ist es wahrscheinlich, daß sich die Ortschaft in der Nähe des heutigen Neudörfl befand, zumal seine Maut ,,in der Wart“ ursprünglich dem Handel der Neustädter Bürger mit Ödenburg diente 7), ehe er laut Privileg Herzog Albrechts ex 1289 mautfrei über Alrams nach Ungarn 8) führte 9). Wart (Wort, in der Wart): Nach Löger 10) lag das kleine Dorf ,,in der Wart“, das nach dem Urbar von Forchtenstein ex 1589 n) nur 24 Häuser zählte, beim Wurtkreuz (Wartkreuz) am Hang des Wurtberges, dort, wo heute noch die Zehenthütten ,,in der Wart“ nördlich der Straße von Sauerbrunn nach Neudörfl zu sehen sind. Diese Zollstelle wird in den Urkunden von 1346 und 1434 im Zusammenhang mit der Wüstung Ruhtukewr als „cum tributo in via exigi tempore antiquo consveto“ genannt 12). Aber schon 1317 13) ist sie Gegenstand einer Beschwerde Rudolphs de Potendorfs, des Grafen von Ödenburg, bei Graf Johann, Sohn des Heinrich von Güssing, da sich die Brüder Paul und Bartholomäus von Mattersdorf diese Maut „tributum Wort vocatum“ angeeignet hatten. x) Löger, ebenda, S. 303. 2) Löger, ebenda, S. 51 und Stessel, Fraknömultja (Die Vergangenheit von Forchtenstein) in Százádok 23/4. 3) Nagy, I., Nr. 149, S. 187. 4) Siehe unter Wart. 5) Csánki, III., S. 627. 6) Nagy, I., Nr. 149, S. 186 und II., Nr. 128, S. 212. 7) Vgl. Löger, ebenda, S. 16. 8) Siehe unter Alrams. 9) Neudörfl selbst ist eine Gründung des Grafen Ladislaus Esterházy im Jahre 1641. Der Ort wurde als ,,St. Nikolaus a. d. Leitha“ bezeichnet. Seine ersten Bewohner waren Holzfäller und Schmuggler im Wald bei Sauerbrunn. Vgl. Löger, ebenda, S. 303. 10) Löger, ebenda, S. 16, 127, 308. Über Warth berichtet das Urbar der Grafschaft Forchtenstein ex 1589 unter Pettscham (Pöttsching), S. 162-r-166: Graslehen in der Warth: „Allda selbstens hat es 24 öde Lehen, so vorhin ein gestifftes Dorf gewesen, jetzt aber lauter Wies- und Holzgründ sind. Von diesen 24 Lehen haben hernach benannte Parteien 15 Lehen inne, dienen von jedem des Jahrs 38 Kreuzer, Was die übrigen neun Lehen belangt, seind alle darzugehörige Wiesgründ wie solche neben andere in der Warth liegende Grundstücke verdient werden, denen Untertanen hin und wider verlassen.“ n) Im Hofkammerarchiv, Auszug im Bgld. Landesarchiv. 12) Nagy, I., Nr. 149, S. 186 und II., Nr. 128, S. 212. 13) Nagy, I., Nr. 67, S. 79.