Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/2. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1951)

V. Rechts-, Verfassungs- und Wirtschaftsgeschichte - 53. Josef Karl Homma (Eisenstadt): Die Wüstungen des nördlichen Burgenlandes

70 Hómmá, Paul für den Prozeß Peters, des Sohnes Johannes de genere Osl, und Davids, des Sohnes Klemens de Porpoch (Purbach), gegen Bede de Tord, da letzterer die Hälfte der Besitzung Tord, obwohl sie dem oben genannten Peter gehört, an sich genommen hat, einen neuen Termin fest x). In diesem Prozeß weist der Beschuldigte nach, daß sein Großvater Lampertus, Sohn des Chepon, 1261 von König Bela den Besitz, der von alters her öde und verlassen war, erhalten habe. 1383 ist die Besitzung Tord um 90 Pfund Dinar Emerich, dem Sohn Jakobs de Loos, auf Johann, Sohn des Thomas de Pathly, käuflich übergegangen 2). Nach dem Tode des Leonard de Pathly überträgt König Sigismund 1410 den Besitz nebst anderen Ort­schaften dem Erzbischof Johann Kanizsai und dessen Geschwistern 3). In der Urkunde aus dem Jahre 1262 4) geht hervor, daß Vitézfölde, das heutige Apetlon, zwischen den Siedlungen Keych (Götsch) und Tord liegt. Nachdem sich nun Götsch östlich von Apetlon am Götschsee befunden hat, wäre Törd westlich von Apetlon zu suchen. Nach 1410 wird der Ort nicht mehr genannt. Man dürfte in der Annahme nicht fehlgehen, daß beim erneuten Ansteigen des Wasserstandes des Neusiedler Sees nach 1410 die Siedlung aufgelassen werden mußte. Winkler 5) gibt an, daß um das Jahr 1410 die Ortschaften Vitez- földe und Urkony einer Überschwemmung des Sees zum Opfer fielen, so daß die Bewohner des ersteren Ortes weiter östlich eine neue Gemeinde Apetlon gründeten. In der Urkunde aus 1318 bei Nagy ist für eine Verlegung des Ortes Vitézfölde mit gleichzeitiger Namens­änderung allerdings kein Anhaltspunkt zu finden, da es dort lediglich heißt: „Vytezfelde, quam Stephanus condam banus, frater Nicolai bani de Mayad, potentialiter aufferendo occupaverat, et eandem alio nomine Bánfáivá nominaverat“ 6). Es geht aus dieser Urkunde im Gegenteil hervor, daß die Namensänderung 1318 bereits vollzogen war. Urkon: Im Jahre 1358 verkauft vor dem Raaber Domkapitel Laurenz de Nyek (Necken­markt) die Besitzung Urkun an Peter, Sohn des Fridul de Kal, unter Vorbehalt des Rück­kaufrechtes für sich und seine Witwe 7). Im gleichen Ort hat aber noch ein Kleinadeliger Johann, Sohn des Jakob de Gyoro (Kroatisch Geresdorf) einen Besitzanteil (in Urkun juxta fluvium Fertew), den er 1360 mit Johann, dem Sohn Johanns, und Nikolaus, Sohn des Kernen de Tyak, tauscht 8). 1393 übernehmen Nikolaus und Stephan Kanizsai um 100 Pfund Wiener Denare den Besitz Urk am Fertew (Neusiedler See) mit einer „steinernen Kirche zum hl. Jakob“ von Stefan, Sohn des Paul de Dees, käuflich 9). In der Urkunde von 1425 scheint Urkon (juxta stagnum Fertew) schon als eine Wüstung im Besitze der Athinai (Neckenmarkt—Landsee) auf10) und 1429 wird es (Wrkwnd) letzmalig genannt n). Die Siedlung soll nach Winkler 12) ebenfalls in der Südostecke des Neusiedler Sees gelegen haben. Auch sie dürfte durch das Ansteigen des Wasserspiegels abge­kommen sein. Doch nicht bloß die angeführten ehemaligen Siedlungen des Lackengebietes haben ihren Untergang wenigstens teilweise dem Einfluß des Sees zuzuschreiben, es waren noch eine Reihe von Ortschaften, über deren Existenz wir nur andeutungsweise erfahren, deren Schick­sal mit der Hebung und Senkung des Seespiegels im Zusammenhang zu bringen sind. q Nagy, I., Nr. 135, S. 167. 2) Nagy, I., Nr. 328, S. 477. 3) Nagy, I., Nr. 437, S. 633; vgl. Anm. 73. 4) Nagy, I., Nr. 68., S. 81. 5) Winkler, Die Zisterzienser am Neusiedler See, S. 218. 6) Nagy, I., Nr. 68, S. 81. 7) Nagy, I., Nr. 205, S. 289. 8) Nagy, I., Nr. 223, S. 325. 9) Nagy, I., Nr. 361, S. 517. 10) Nagy, II., Nr. 60, S. 87. “) Nagy, II., Nr. 77, S. 132. 12) Winkler, Die Zisterzienser, S. 218.

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