Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/2. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1951)

V. Rechts-, Verfassungs- und Wirtschaftsgeschichte - 53. Josef Karl Homma (Eisenstadt): Die Wüstungen des nördlichen Burgenlandes

Die Wüstungen des nördlichen Burgenlandes. 71 Schmidx) behandelt die verschiedenen urkundlichen Bezeichnungen des Neusiedler Sees im Mittelalter: lacus — stagnum — fluvius, die nicht wahllos gebraucht werden, sondern mit dem Stand des Wasserspiegels in Verbindung zu bringen sind. Jedenfalls ist es auffallend, daß gerade im 14. Jahrhundert, in dem die Ortschaften, die wahrscheinlich einer späteren Über­flutung zum Opfer gefallen sind, aufscheinen, meist der Ausdruck „fluvius“ oder „stagnum“ gebraucht wird. Anders im 13. Jahrhundert, in dem die Urkunden meist vom „lacus“ (also Hochstand des Wasserspiegels) berichten. So erfahren wir aus der Schrift: Antiquitatum et historiae Sabariensis ab origine usque ad praesens tempus libri novemstudio et opera Stephani Schoenvisner,Pestini (typ.Trattner) 1791,lib. VII.Cap. 5.,p.251, folgendes: . . . ,,Sub Gregorio (1124—38) . . . contigit in Dioecesi Jauriensi exundatio Lacus Peisonis, de qua in Regesto Urbarii Fraknensis haec notantur: In illo tractu, ubi nunc lacus Peisonis est, anno 1230 sequentia loca submersa et aquis hausta sunt: Fekete tó (alias Schwarzlacken), Jakobfalva, alias St. Jakob, Ferthö (alias See), Sárvölgye (aliasKrottenthal), Köndervölgye (alias Hannifihal)“2). Einen Anhaltspunkt für die Lage der Siedlung Fekete tó (Schwarzlacken) könnte die heutige Bezeichnung „Schwarzer See“ oder „Schwarz Lacke“ in der Nordwestecke des Gemeindehotters von Wallern sein3). Jakobfalva alias St. Jakob, kann mit Urkon identifiziert werden, da in der Urkunde von 1393 anläßlich der käuflichen Übernahme des Ortes Urk durch die Kanizsai ausdrücklich erwähnt wird, daß sich daselbst eine aus Stein gebaute Kirche zum hl. Jakob befindet 4) und die Siedlung 1425 bereits als öde bezeichnet wird 5). Die Lokalisierung der anderen in dem obzitierten Berichte angegebenen Ortschaften bedarf noch eines eingehenden Quellenstudiums. Hingegen ist das in der Urkunde von 1362 6) genannte Gut Pósatelek, dessen Lage zwischen den heute bestehenden Orten Pamhagen und Sarrod (Ungarn) angegeben wird, in der Nähe des heutigen Mexiko-puszta (Ungarn) zu suchen, zumal als nördlicher Grenznachbar des Gutes der Hotter von Keych (Götsch) genannt wird 7). An die Siedlung „Hannifihal“ klingt der noch heute bestehende Riedname nördlich des Sees Hanfthal und Hanfthalwald an 8). Banlaka: Im Jahre 1395 protestieren die Söhne des Paul de Buthka und Genossen gegen die Besitznahme von Mayad (St. Margarethen), Zazlop (Oslip), Zabomartun (Eisen­stadt) und Megyes (Mörbisch), Banlaka und Örporda-Ewrporda (Leithaprodersdorf) durch Johann Kanizsai und Geschwister zusammen mit Domicus Temmel condam banus 9). Ein weiterer urkundlicher Hinweis auf diese Siedlung ist nicht bekannt. Csánki10) sucht den Ort am rechten Ufer des Neusiedler Sees. Banlaka würde sich dann mit Vytezfelde decken, über das die Urkunde von 1318 11) berichtet, daß es Stephan, der Bruder des Ban Nikolaus de Mayad (St. Margarethen) unter Gewaltanwendung besetzt und ihm den Namen Bánfáivá gegeben 12). q Schmid Dr. Theodor, Der Neusiedler See im Altertum und Mittelalter und das Rätsel des Lacus Peiso, ßgld. Hbl., 1. Jhrg., F. 4, S. 85. 2) Vgl. Schmid, ebenda, S. 89. Das Steigen des Wasserspiegels des Neusiedler Sees muß für das ganze Lackengebiet eine Katastrophe bedeutet haben. So erscheint auch in einer Urkunde von 1363 der Ort Illmitz (Ilmeuch, u. zw. der dem Eisenburger Domkapitel zugehörige Ort zum Unterschied von Klein Illmitz al. mon. Seleeg(d), der in Kleinadelsbesitz war, als „habitatoribus destituta“ und selbst St. Andrä, das in dem Türkenzug von 1529 wieder in Asche sank und Jahrzehnte wüst blieb, wird 1405 als „deserta“ bezeichnet. Vgl. Nagy, I., Nr. 236, S. 338 und Nagy, I., Nr. 414, S. 593. 3) Vgl. Sp. K. Sekt. 4958/1. 4) Nagy, I., Nr. 361, S. 517. 5) Nagy, II., Nr. 60, S. 87. 6) Fejér, Cod. Diplm., IX., 3, 323—331.é 7) Vgl. Schmid, ebenda, S. 90. 8) Vgl. K. Bl. 1; 25.000, Sekt. 4857/2. 9) Nagy, I., Nr. 364, S. 520. 10) Csánki, III., S. 599. u) Nagy, I., Nr. 101, S. 84. 12) Bánfáivá = heute Apetlon.

Next

/
Oldalképek
Tartalom