Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/2. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1951)

VIII. Kunstgeschichte - 79. Walter Luger (Lambach): Joachim von Sandrart und seine Beziehungen zum Kloster Lambach. (Mit 4 Tafeln.)

504 Luger, Die erste Nachricht, die sich im Lambacher Klosterarchiv befindet, ist ein Spaltzettel vom 4. Oktober 1652 1). Er ist von der Hand eines Schreibers. Unterschrieben ist er vom Abt Plazidus Hieber und von Sandrart, über den beiden Unterschriften ist beider Siegel angebracht. Der Inhalt lautet: Zwischen dem Hochwürdig in Gott Edl vnnd Hochgelerten Herrn, Herrn Placido Abbten zu Lambach, der Rom: Kay: May: etc vnd der Hochfürstl. Durchlaucht: Leopoldi Wilhelmi, Erzherzogen zu Österreich Bischouvens zur Halberstattt vnd Passaw 2) etc Ratth etc an ainem: Dann dem Edlen vnd Gestrengen Herrn Joachimo Sanderath von Stochaw etc andertenthails, wegen machung Zwayer Blätter in dem Chor-Altar alhie zue Lambach, wie hernach begriffen. Erstlichen solle Er Herr Sanderath etc daß große vnd obere Blatt 3), nach dem gemachtn Modell mit allen Fleiß vnd aigener Hand selbsten mahlen Selbige ohne deß Gottshauß alhie cossten auf den Monat May deß kommenden sechszehenhundert fünfvndfünfzigisten iahrs alhero lifem 4). Herentwegen vnd fürsandere versprechen Hochgedacht Ir Hochw: vnd G: Vorermelten Herrn Sandrath etc vmb solchen seinen mühe vnd fleiß willen zuegeben zwelfhundert gulden; vnd wann beede blatter zue mehr hochermelt Ihrer Hochw: vnd G: contentio sein werden, wollen Selbige dessen frawen mit ainer discretion entgegen zuegehen nit zur wider sein lassen. Trevlich und ohne geuehrde Dessen zue wahren Urkhund ist dieser Spaltzettel von beeden Partheyen mit aigener Händen underschriben: Und Iren gewöhnlichen Pettschafften gefertigt worden. Actum Gottshaus Lambach den vierten Octobris Im aintausend und sechshundert Zwayundfünfzigsten Jahr5). Vom 2. Februar 1655 6) stammt der erste Brief von Sandrart. Der Künstler hat ihn selbst geschrieben und gesiegelt. Er befaßt sich darin mit dem Hochaltarbild. Adressiert ist er an Abt Plazidus. Aus diesem Brief erkennt man die Vielseitigkeit Sandrarts. Er beschäftigt sich darin mit Fragen der Landwirtschaft, was in den späteren Briefen auch noch öfter der Fall ist. Da in den vorangegangenen Jahren auch Meierhof und Viehbestand des Klosters Lambach zerrüttet worden waren, bemühte sich Abt Plazidus, beides neu aufzubauen. 1645 war ein Teil des Meierhofes neu errichtet worden 7). Sandrart schrieb dem Abt von Lambach folgendermaßen: Ewer Genaden wünsche ein glücksehliges Fridenreiches Neweß Jahr sambt der volgende viele dergleichen mit gesuntheyt. Amen. Mit Ewer Genaden Hohen Altar Plat bin Ich alle wiel Im werck volgens Schuldigkeit dieselbe äuserst vermegen nach wohl zu dienen gestalt Ich verhoffe daß zu seiner Zeit dieselbe In allem wohl Contentiret werten solln. Wegen der Corectr maß aber stehe ich ihmer etwaß im Zweyfel, dahero ich daß leinwahrt groser zum vordel behalte biß ich von derselben Erleuterung erhalte warumb ich sehr hoch bitte, wie auch verwichen monaht Jully an deroselben gehorsamt ersucht insgleichen an Hem Philiperto aber kein antwort erhalten. Ich hab zwahr deß altars maß, aber dabey kan ich den rechten Schurch vndjünger Schurch nicht allerdings versichert begreiffen, weil nicht nach noturft Exprimirt Worten. Den verstand welchen ich darauß x) Original im Lambacher Klosterarchiv. 2) Erzherzog Leopold Wühelm, gest. 1662, war der Sohn Kaiser Ferdinand II. 3) Hochaltarblatt, Maria Himmelfahrt darstellend. 4) Das Bild sollte noch vor der Einweihung der neuen Kirche (1656) fertiggestellt werden. 6) Somit gab Abt Plazidus Hieber von Greifenfels im selben Jahr an Sandrart den Auftrag, in dem mit dem Bau der Kirche begonnen wurde. ®) Original im Lambacher Klosterarchiv. 7) Vgl. Baumgartner Franz, Die betriebswirtschaftlichen Verhältnisse des Klostermeierhofes. Jahresbericht der Landwirtschaftsschule Kloster Lambach OÖ. 1946/47 bis 1947/48, Lambach 1948, S. 8 f. Spaltzettel. 1. s. Placido Abbt zu Lambach 1. s. Joachimo Sandrart von Stochaw Hochwürdiger Genädiger Herr.

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