Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/2. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1951)
VIII. Kunstgeschichte - 79. Walter Luger (Lambach): Joachim von Sandrart und seine Beziehungen zum Kloster Lambach. (Mit 4 Tafeln.)
Joachim von Sandrart und seine Beziehungen zum Kloster Lambach. 503 Ziel war aber Italien. 1629 reiste er über Venedig nach Rom, wo er sechs Jahre blieb und die bedeutendsten Kunststätten besuchte. Der Verkehr mit bedeutenden Männern wie Poussin, Galilei und vielen anderen weiteten sein Gesichtsfeld, er entwickelte sich dort zum großen Maler. Nach Deutschland zurückgekehrt, heiratete er am 21. Februar 1637 Johanna von Mickau auf Stockau. Infolge der unsicheren Verhältnisse und der ständigen Kriege in Deutschland zog Sandrart mit den Seinen nach Amsterdam, wo er sich als erfolgreicher Maler und Kunstsammler einen Namen machte. Nachdem seine Frau das Gut Stockau geerbt hatte, kehrte er nach Deutschland zurück. Als 1646 im Kriege gegen den bayrischen Kurfürsten Maximilian Schweden und Franzosen in Bayern eingefallen waren, verwüsteten 1647 französische Truppen das Gut Stockau mit allen Gebäuden. Bald nach Friedensschluß, am 24. Oktober 1648, baute Sandrart das Gut wieder auf. Eines seiner bekanntesten Werke ist die Darstellung des Friedensbankettes zur Feier des Westfälischen Friedens im großen Rathaussaal zu Nürnberg (1649) x). 1660 ließ er sich nach Verkauf seines Gutes in Augsburg nieder. 1672 war seine Frau gestorben, er heiratete noch ein zweites Mal. Auch diese Ehe mit Esther Barbara Blomberg, der Tochter eines Nürnberger Rates, blieb kinderlos. 1674 übersiedelte Sandrart nach Nürnberg, wo er 1688 starb und auf dem Johannisfriedhof beigesetzt wurde. Sandrart hat sich auch als Kunstschriftsteller bedeutenden Ruhm erworben. 1675 war in Nürnberg seine ,,Teutsche Academie der Edlen Bau-, Bild- und Mahlerey-künste“ erschienen. Die allgemein günstige Aufnahme veranlaßte Sandrart, 1679 einen „Zweiten Haupttheil“ zu veröffentlichen. 1683 kam eine gekürzte lateinische Ausgabe heraus, die für das Ausland bestimmt war. Mit Sandrart beginnt eigentlich die deutsche Kunstgeschichtsschreibung. Der Italiener Giorgio Vasari gilt mit seinen Lebensbeschreibungen der Renaissancekünstler, die 1550 in Druck erschienen sind, als Ahnherr der modernen Kunstgeschichte schlechtweg. Ebenso wie dieser die Künstler seiner Heimat darin verewigte, ist es das Verdienst Sandrarts, in seiner Academie die Lebensgeschichte bedeutender Künstler, vor allem der deutschen Meister, für die Nachwelt gerettet zu haben. Die Bedeutung seines Werkes liegt aber auch darin, daß er infolge seiner Bekanntschaft mit den Künstlern seiner Zeit authentische Berichte über deren Leben und Schaffen seinen Zeitgenossen und der Nachwelt übermittelt hat. Durch ihn erfuhren die Deutschen auch über das Kunstschaffen in den Niederlanden und über das Leben und Treiben in den großen Ateliers wie z. B. bei Rubens. Sandrart war es auch, der Grünewald wieder entdeckte, dessen Werke er zum Teil erst wieder bestimmen mußte. Er schreibt über ihn, „daß er in Wahrheit den fürtreflichsten und bästen, wo nicht mehrer, doch gleich zu schätzen sei. Es ist aber zu bedauren, daß dieser ausbündige Mann dermassen mit seinen Werken in Vergessenheit gerahten, daß ich nicht einen Menschen mehr bey Leben weiß, der von seinem Thun nur eine geringe Schrift oder mündliche Nachricht geben könte“ * 2). Zum Verständnis für einen Künstler ist sein Briefverkehr von großer Bedeutung. Das Klosterarchiv Lambach besitzt 13 Briefe von Sandrart, von denen der Künstler 11 dem Abt Plazidus Hieber von Greifenfels und 2 dem damaligen Prior Johannes Schmitzberger 3) geschrieben hat. Alle Briefe sind von Sandrart selbst geschrieben. Sie umfassen die Jahre 1655 bis 1672. Außerdem sind noch 7 Spaltzetteln und Rechnungen vorhanden, die Aufschluß über die Bezahlung der Bilder geben. Sie umfassen die Jahre 1652 bis 1665 und sind teilweise vom Künstler selbst, teilweise von einem Schreiber geschrieben. Für das Verständnis der Briefe sei gesagt, daß nach Art der damaligen Zeit die Interpunktionen willkürlich gesetzt sind, wodurch das Lesen einigermaßen erschwert wird. x) Genaue Beschreibung in Sandrarts Academie. Hrsg, von Peltzer. S. 37 ff. 2) Sandrarts Academie. Hrsg, von Peltzer. S. 81. 3) Eilenstein, a, a. O., S. 51 (Nr.. 238).