Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/2. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1951)

VIII. Kunstgeschichte - 79. Walter Luger (Lambach): Joachim von Sandrart und seine Beziehungen zum Kloster Lambach. (Mit 4 Tafeln.)

502 Luger, gebracht. Eine seiner bedeutendsten Taten war aber der Neubau der Klosterkirche. Die gotische, zweischiffige Kirche ließ er abbrechen und erbaute in den Jahren 1652 bis 1656 eine neue, einschiffige Frühbarock-Kirche, die uns vollkommen erhalten ist1). Der Grundriß ist den römischen Jesuitenkirchen nachgebildet. Das mit einer einfachen Tonne gewölbte Langhaus umfaßt drei durch Doppelgurten voneinander geschiedene Traveen, das etwas schmälere Chorschiff deren zwei. Toskanische Doppelpilaster gliedern den Aufriß und flankieren die Altarnischen. Die Sakristei und der darüberliegende Betchor der Mönche sowie 1664 der lange Südtrakt mit dem abschließenden Turm wurden ebenfalls unter Abt Plazidus errichtet. Zur Ausschmückung der Kirche berief der Abt eine Reihe von bedeutenden Künstlern nach Lambach. Zu einem wertvollen Schmuck gehören die 9 Altarbilder von Joachim von Sandrart. Sie sind teilweise in einer Komposition und Farbenpracht gehalten, die an Rubens erinnert, teilweise in Hell-Dunkel, wobei eine einzige Lichtquelle die Gestalten beleuchtet, die an Rembrandt gemahnt. Leider sind die Bilder stark nachgedunkelt, so daß sie von ihrer ehemaligen Leuchtkraft viel verloren haben. Die Bilder stellen uns von Westen kommend an der Nordwand folgende Szenen dar: Das Martyrium des hl. Sebastian, die Marter des hl. Plazidus, das Rosenkranzfest und die Kreuzigung. An der Südwand: Der Tod des hl. Josepf, die Erweckung eines toten Knaben durch den hl. Benedikt, die Übergabe der Reliquien des hl. Julian an die Erzherzogin Claudia und die Herabkunft des Heiligen Geistes. Das Hochaltarbild stellt die Himmelfahrt Marias dar 2). Joachim von Sandrart wurde 1606 als Sohn wohlhabender Eltern in Frankfurt am Main geboren 3). Er erkannte früh seine Berufung als Künstler. In der glücklichen Lage, in jungen Jahren schon weite Reisen unternehmen zu können, lernte er die bedeutenden Künstler seiner Zeit kennen und vervollkommnete seine umfassende Bildung. Nachdem er sich dem Rate des Prager Kupferstechers Aegidius Sadler folgend der Malerei zugewandt hatte 4), zog er nach Utrecht, wo er bei Gerrit van Honthorst 5) lernte. Dort trat er auch Rubens nahe, von dessen Malkunst er stark beeinflußt wurde. Aber auch Rembrandts Kunst in ihrer Hell-Dunkel-Manier blieb nicht ohne Einfluß auf ihn. Bezeichnend für die damalige Kunstrichtung ist es, daß Sandrart die Kunst Rubens’ 6) weit höher ein­schätzte als die Rembrandts 7). Wenn er auch Rembrandts Begabung anerkannte, kritisiert er doch, daß Rembrandt sich nicht scheute, ,,wider die Perspectiva und den Nutzen der anticken Statuen, wider Raphaels Zeichenkunst und vernünftige Ausbildung auch wider die unserer Profession höchstnöthigen Academien zu streiten und denenselben zu wider­sprechen, vorgebend, daß man sich einig und allein an die Natur und keine andere Regel binden solle“ 8). Sandrart, in der Konvention der Malschulen ausgebildet, hatte kein rechtes Verständnis für das revolutionäre Genie eines Rembrandt. Honthorst, den Karl I. nach England berufen hatte, nahm Sandrart dorthin mit. Ihm erschlossen sich dort die bedeutenden Kunstschätze des königlichen Hofes. Sandrarts *) 1939 wurde diese Kar che ganz renoviert. 2) Eine genaue Beschreibung siehe bei Joachim von Sandrarts Academie der Bau-, Bild- und Mahlerey-Künste von 1675. Hrsg, von A. R. Peltzer. München 1925, S. 40—42. — Kreuzigung und Pfingstfest sind nicht beschrieben. Beschreibung dieser beiden Bilder S. 384, Nr. 86. 3) Vgl. über Sandrart Kutter Paul, Joachim Sandrart als Künstler, Straßburg 1907. — Thieme Ulrich und Becker Felix, Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler. Hrsg, von H. Vollmer. Bd. 29, Leipzig 1935. — Wurzbach Alfred, Niederländisches Künstler Lexikon. Wien—Leipzig 1906—1911. — Schmidt Justus, Werke J. v. Sandrarts in Oberösterreich im O. ö. Kulturbericht vom 16. Jänner 1948. 4) Sandrarts Academie. Hrsg, von Peltzer. S. 21 f. 5) Vgl. dazu Thieme, Lexikon (Kapitel über Sandrart). 8) Academie. Hrsg, von Peltzer. S. 155—160. 7) Sandrarts Academie. Hrsg, von Peltzer. S. 202 und 203. 8) Sandrarts Academie. Hrsg, von Peltzer. S. 202.

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