Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/2. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1951)

VIII. Kunstgeschichte - 78. † Hermann Egger (Graz): Das päpstliche Kanzleigebäude im 15. Jahrhundert

498 Egger, Verbindung bringen, die besagt, daß ein bereits bestehender Prunksaal infolge seiner Bau­fälligkeit gestützt werden mußte und dabei verlängert (!) wurde 1). Sonst findet sich vor dem 14. Jahrhundert kein einziger Beleg, der über einen größeren Saal im unteren Palaste und seine Verwendung Aufschluß gäbe. Erst eine Kammerrechnung vom 19. Januar 1368 berechtigt zu der Annahme, daß ein solcher Raum bereits zu einem früheren Zeitpunkte dem Kollegium der „auditores sacri palacii“ überwiesen worden war, vermutlich schon vor dem Avignonesischen Exil. Nach Beendigung desselben war eine durchgreifende Renovierung dieses Saales notwendig geworden. Von den vier von J. P. Kirsch ver­öffentlichten Kammerrechnungen 2), in denen eine „audientia“ erwähnt wird, bezieht sich die erste offenbar auf die Kosten, die mit einer provisorischen Unterbringung derselben in der im Borgo gelegenen Kirche S. Michaele de Portica S. Petri verbunden waren. Von den drei übrigen Rechnungen vom 19. 3) und 24. Jänner, bzw. vom 7. März 1368 4) läßt im besonderen der Wortlaut der letzten, an den „procurator audientie Anthonius de Gaieto“ gerichteten Zahlungsanweisung „pro reparatione in palatio inferiori“ keinen Zweifel auf- kommen, daß es sich um die Instandsetzung jenes Saales handelt, in dem die auditores rotae noch durch 240 Jahre ihre Tätigkeit ausüben sollten. Seine Mauern, bzw. Fundamente verblieben ja bis zu ihrem Abbruch. Wertvolle Aufklärung über die Raumanordnung in dem darüber gelegenen Haupt­geschoß bieten uns die Berichte über die Beherbergung fremder Fürstlichkeiten. Bezüglich der beiden Besuche des Königs Ladislaus von Neapel, 1404 und 1408, bietet der Bericht des Antonio di Pietro dello Schiavo über den Einzug am 25. April 1408 den ältesten sicheren Beleg für die Unterbringung eines Gastes in den Räumen der „habitatio domini camerarii“. Er lautet: „et intravit [dominus rex] palatium domini Pape, et incepit facere residentiam in dicto palatio, videlicet in loco, ubi moratur camerarius domini Pape.“ 5) Ein Zahlungsbeleg vom 18. Mai 1422 knüpft an den Aufenthalt Ludwigs von Anjou an, für den eine über der „camera bullatorum“ gelegene Aula vorbereitet worden war 6). Diese, ebenfalls zur Wohnung des Camerarius gehörig, dürfte dieselbe sein, die Kaiser Friedrich III. bereits während seines ersten römischen Aufenthaltes 1452 und ebenso während seines zweiten 1468/69 zur Verfügung gestellt wurde 7). In der Folge beherbergte diese Aula samt den entsprechenden Nebenräumen sowohl Roberto de Sanseverino 1485 8) und Ercole Gonzaga 1487 9) als auch den türkischen Prinzen Djem 1489 10) und Francesco Gonzaga n) 1496. Eine Ausnahme bildete der Aufenthalt Karls VIII. von Frankreich, für den die „camerae novae“ im obersten Geschoß auf das prächtigste ausgestattet 1) A. a. O.: „Aulam autem confirmari praecepit ac refici longiam.“ 2) Die Rückkehr der Päpste Urban V. und Gregor XI. von Avignon nach Rom. Auszüge aus den Kameralregistem des Vatikanischen Archivs (1898), S. 113, 115 und 119. 3) A. a. 0., S. 115 („pro faciendo audientiam dominorum auditorum sacri palacii“). 4) Ibid., S. 119. B) Rer. Ital. SS., vol. XXIV, p. 52 ed. F. Isoldi, p. 29. ®) ASV., Intr. et Exit. 1418 bis 1423, fol. 189v: „pro certis reparationibus propter adventum d. regis Ludovici in aula sita super cameram bullatorum in palatio apostolico“ (siehe Müntz E., Mél. d’arch. et d’hist., 1884, p. 10). 7) Vgl. Aug. Patritius, Descriptio adventus Friderici III. imp. (Muratori XXIII, p. 209): „ad praeparatum illi cubiculum in parte Palatii, ubi [Imperator] coronationis suae tempore olim diverterat.“ 8) BLN. I, p. 125: „Ubi in cameris camere apostolice, in quibus principes recipi solent, hospitatus est.“ 9) BLN. I, p. 201: „Quod .. . cardinales ipsum ducem usque ad cameram sibi in palatio paratam, que esse solet, r. d. camerarii, associarent. Omnes aule palatii ac ambe aule ante cameram apostolicam et camera ipsa cum aliis sequentibus tribus perpulchre parate fuerunt.“ 10) BLN. I, p. 255: „Venimus hoc ordine ad palatium apostolicum apud Sanctum Petrum, in quo, in cameris apostolicis in quibus imperator ac reges et alii magni principes recipi consueverunt, hospitatus est.“ u) BLN. I, p. 599: „[marchio] fuit usque ad cameras camerales sive camere apostolice, in quibus olim imperator et reges hispani hospitari consueverunt, pro suo hospitio ordinatas, associatus.“

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