Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/2. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1951)
VIII. Kunstgeschichte - 78. † Hermann Egger (Graz): Das päpstliche Kanzleigebäude im 15. Jahrhundert
496 Egger, derselben Zahlungsanweisung x). Eugene Müntz half sich darüber durch eine chronologische Wiedergabe derselben hinweg, ohne eine engere Scheidung vorzunehmen. Hätte er versucht, die in einzelnen Eintragungen genannten Persönlichkeiten zu ermitteln, so würde er festgestellt haben, daß es sich dabei mehrfach um Beamte der Camera apostolica handelt, daß sich also die betreffende Anweisung auf den Umbau des Kanzleigebäudes beziehen müsse, wie dies aus den beiden folgenden Beispielen hervorgeht. Schon wenige Wochen nach der Thronbesteigung Sixtus IV. wurde Giovannino de Dolci am 3. September 1471 in seiner Eigenschaft als „suprastans fabricae palatii apostoliéi“ bestätigt und mit der Fortführung der unter Paul II. begonnenen Arbeiten am vatikanischen Palaste betraut. Daß er neben seinen übrigen Verpflichtungen im besonderen die Oberaufsicht über den bereits im Umbau begriffenen Kanzleitrakt beibehielt, geht vor allem aus dem Wortlaut jenes Auftrages vom 3. Oktober 1471 und den darin erwähnten Vertretern der Camera apostolica hervor * 2): Demzufolge wurde Giovannino gemeinsam mit dem „fratri Colae plumbatori litterarum apostolicarum“ aufgefordert, binnen drei Tagen sämtliche bis dahin aufgelaufenen Einnahmen und Ausgaben behufs Überprüfung vorzulegen, u. zw. den „venerabilibus doctoribus dominis Antonio de Forlivio et Nicolao de Bonaparte, Camerae apostolicae clericis“. Bei den genannten drei kúriaién Beamten handelt es sich in erster Linie um den bullator Frater 3) Nicolaus Jacobelli de Core, dessen Bestellung P. M. Baumgarten ,,in der Hauptsache auf den Bau des Palazzo di Venezia“ zu beziehen glaubte 4). Als weitere Experten wurden Antonius de Forlivio 5) und der mag. reg. litt. Nicolaus de Bonaparte 6) beigezogen. Es ist begreiflich, daß angesichts der vielseitigen Bedürfnisse der einzelnen Zweige der kúriaién Verwaltung dem leitenden Architekten erfahrene und mit den räumli hen Erfordernissen jeder Abteilung vertraute Mitglieder der Camera apostolica beigegeben wurden. Als weiteres Beispiel sei die folgende, unmittelbar auf das Kanzleigebäude bezugnehmende Anweisung vom 24. Mai 1477 7) hervorgehoben: „Florenos trigintanovem ... magistro Laurentio de Petrasancta et sotiis carpentariis et muratoribus pro reparatione loci registri Camerae apostolicae, numeratos Henrico Bruno.“ Bruni war seit 3. Juli 1476 als not. cam., seit 30. August desselben Jahres als not. thesaurarii generalis bestellt 8). Was die Inneneinrichtung dieser älteren Räume anlangt, so seien als Belege zwei Stellen aus den Mand. von 1471 und 1474 herangezogen, die zwar bereits von E. Müntz und P. Fabre veröffentlicht 9), von ihnen jedoch irrtümlicherweise auf die Ausstattung der Bibliothek Sixtus IV. bezogen worden sind. 1471 November 3: „Honorabili viro magistro Egidio Andree Tocchi10) muratori pro eius mercede certi operis per eum faciendi in maiori registro bullarum“ (Mand. 1471 bis 1473, fol. 41v). Ferner 1474 April 14: „pro opere armariorum in camera apostolica pro conservatione librorum dicte camere“ (Mand. 1472 bis 1476, fol. 66). J. A. F. Orbaan hat in seiner grundlegenden Abhandlung über den „Abbruch Alt- St. Peters“ in anschaulicher Weise zu schildern gewrußt, wie gerade 1609 die Demolierung der mittelalterlichen Bauteile und die Herstellung der Fundamente zur Front des Neubaues unmittelbar ineinandergriffen, wie Hunderte von Arbeitern von der Bauhütte herangeholt wurden, um gemäß dem Willen des päpstlichen Bauherrn die größtmögliche Beschleunigung !) Vgl. z. B. Müntz E., ACP., II, S. 43. 2) ASV., Div. Cam. 1471 bis 1478, arm. 29, tom. 36, fol. 45. Vgl. Müntz E., ACP., Ill, S. 68, n. 1. 3) Er war conversus ord. Cisterc. monast. Fossae Novae. 4) Aus Kanzlei und Kammer (1907), S. 33 f. 5) Hofmann W. v., a. a. O., II, S. 92. 8) Ibid., II, S. 82 und 92. 7) ASV., Intr. et Ex. Cam. 1476 bis 1477, fol. 246v. Vgl. Müntz E., ACP., Ill, S. 114 f. 8) Hofmann S. v., a. a. O., II, S. 89 f. 9) La Bibliothéque du Vatican au XV0 siécle (1887), p. 146 f. 10) Betr. Egidius Andreae de Toccho siehe Müntz E., ACP., I, S. 239 und III, S. 30 f.