Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/2. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1951)

VIII. Kunstgeschichte - 78. † Hermann Egger (Graz): Das päpstliche Kanzleigebäude im 15. Jahrhundert

Das päpstliche Kanzleigebäude im 15. Jahrhundert. 493 Die zwischen den Säulen des Pignabaldachins eingefügten antiken Reliefplatten sind bereits entfernt, Dosios Aufnahme kann daher nicht vor 1574 erfolgt sein1). Am Erd­geschoß des Kanzleigebäudes fallen zwei kleine hochgelegene Fenster auf, zu beiden Seiten einer Ädicula. Im Hauptgeschoß ruhen über schmalem Gesimsband Steinkreuzfenster auf, verhältnismäßig niedrig im Vergleich z. B. mit den hohen am Palazzo di Venezia. Im obersten Geschoß folgen höhere Fenster mit einfacher Umrahmung. Ein schmuckloser, in das Atrium vorspringender Einbau reicht mit seinem Abschlußgesimse fast bis zur Fensterbank des Hauptgeschosses hinauf. An seiner gegen die Pigna zugekehrten Front ist ein Papstwappen mit einer Inschrifttafel darunter angebracht. c) Giovannantonio Dosio-Gio. Batt. de Cavalieri, Apertura della Porta Santa 1575 2). Für diesen dem Kardinal Lodovico Madruzzo gewidmeten Jubiläumsstich hat zweifellos eine Originalaufnahme Dosios als Vorlage gedient, vermutlich eine sorgfältigere als die schwächliche Zeichnung 2555, wie aus der Wiedergabe der Steinkreuzfenster hervorgeht. d) Domenico Fontanas technische Vorkehrungen für die Hebung („elevatione“) des Vatikanischen Obelisken. Stich des Natale Bonifazio da Sebenico 3). Vom Kanzleigebäude („Palazo del Papa“) sind lediglich die Südfläche des langgestreckten Satteldaches, der Rundbogenfries des Kranzgesimses und der Oberteil von 5 Fenstern des obersten Geschosses sichtbar. Im Gegensatz zu dem hervorragenden Werte dieses Stiches für die Topographie der Vorbauten von St. Peter erscheint die Wiedergabe des Kanzleigebäudes ziemlich bedeutungslos. e) Trasporto dell’Obelisco Vaticano. Fresko in der Vatikanischen Bibliothek 4). Der Hintergrund, mit Benutzung des Stiches des Natale Bonifazio gemalt, entbehrt daher jedes von E. Stevenson p. 21 angenommenen Quellen wertes. Aus diesen wenigen Ansichten der Südfront des Kanzleigebäudes ist die Anzahl ihrer Fensterachsen nicht zu entnehmen. Außer den 6, den Apsiden des Auditorium rotae ent­sprechenden Lichtöfifnungen 5) kommen zufolge des Grundrisses Uff. dis. arch. n. 287 noch 4 Fenster, schließlich ein Doppelfenster im westlichen Stiegenhause hinzu (vgl. Abb. 1), was eine Gesamtzahl von 11 Fensterachsen ergibt. f) Domenico Taselli, Originalzeichnung im Archivio Capitolare di S. Pietro mit Rand­bemerkungen Giacomo Grimaldis. Ansicht des Atriums, am unteren Rande bezeichnet: „Dominicus Tassellius de Lugo.“ 6) Im Vergleich zur Dosio-Skizze c sind folgende Details hervorzuheben: Zunächst fehlt der vorspringende Einbau, dagegen deuten 3 Strebepfeiler von ungleicher Höhe darauf hin, daß der baufällige Zustand des Kanzleigebäudes solche Sicherungsmaßnahmen erfordert hatte. Abgesehen von der schematischen Wiedergabe aller Steinkreuzfenster fallen 2 Reihen kleiner Lichtöffnungen auf, die zur Annahme von 5 Geschos­sen verführten. Schließlich sei noch die kleine Türe im Vordergrund erwähnt, durch Grimaldis eigenhändige Beischrift als „parvum ostium ducens in auditorium rotae“ gekennzeichnet 7). g) Domenico Taselli, Bibi. Vatic, cod. Barb. 2733, fol. 134. Wiederholung seiner Aufnahme für Giacomo Grimaldis Instrumenta authentica translationum, nach J. A. F. Orbaan kurz vor 1605 gezeichnet 8). *) Vgl. Hülsen Ch., Röm. Mitt., 1904, S. 93 f. 2) Ehrle F.-Egger H., 1. c., fase. II, tav. 12. 3) Ibid., fase. II, tav. 17. 4) Erste Veröffentlichung durch E. Stevenson im „Omaggio giubilare“, 1. c., tav. III. Eine größere Wiedergabe bei Ehrle F.-Egger H., fase. II, tav. 18. B) ,,Le sei finestre de marmo della rota et la inchancellata tutte duchati 8“ (siehe Gori F., Archivio stör, artist, etc. della cittä e provincia di Roma, vol. II, 1877, p. 223). 6) Vorzeichnung zu dem kläglichen Stich bei Ciampinus J., De aedificiis a Constantino Magno constructis (Romae 1693), tab. IX; Repród, von Grisar H., Analecta Remana, I, tab. XI—XII; Egger H., Röm. Ved., I2, Tafel 29 (S. 26). 7) Danach Ciampini, 1. c., p. 36. 8) Abgebildet bei Orbaan J. A. F., Abbruch Alt-St. Peters (Beiheft z. Jahrb. d. preuss. Kunstsamml., 39, 1919), S. 12, bzw. 30.

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