Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/2. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1951)

VIII. Kunstgeschichte - 78. † Hermann Egger (Graz): Das päpstliche Kanzleigebäude im 15. Jahrhundert

492 Egger, et stantie del Palazzo di San Pietro in Vaticano“1), verzeichnet z. B. im mittleren Geschosse des Kanzleigebäudes die beiden folgenden Wohnkomplexe2): „Contiguo un altro apparta- mento di cinque stantie e tre camerini a un piano di sopra sei mezanili; tiene Monsr. Illmo. Sasso Prodatario di N. Sre. Appresso a questo un altro appartamento di una sala e due camere a un piano con dói mezanili sopra ci habbita Monsr. Vestri Secrettario de Brevi.“ 3) Diese Unterteilungen — behufs Gewinnung von Kanzlei — und Wohnräumen — setzten die Schließung der Arkaden in den beiden oberen Stockwerken voraus. Ob die ebenerdigen Lauben gleichfalls geschlossen wraren, ließ sich zunächst nicht feststellen. Erst im Mai 1932 war ich in Florenz so glücklich, in einem bis dahin unbeachtet verbliebenen Grundriß (dis. arch. n. 715, siehe Abb. 2) das Erdgeschoß des Kanzleigebäudes zu erkennen. Abgesehen von den Apsiden des Auditorium rotae beseitigten die Beischriften „richistro“ und „piombo“ jeglichen Zweifel. Bei näherer Kritik dieser leider allzu flüchtigen Skizze ergaben sich jedoch die beiden folgenden Fragen: Weshalb unterließ es der Zeichner (Antonio da Sangallo d. J. ?) den Verlauf der angrenzenden Arkaden zu skizzieren und worauf beziehen sich seine seitlichen Beischriften wie „Cardinale de möti“ ? Zwei Stellen in dem bereits erwähnten „Rolo delli Appartamenti et stantie“ ermöglichen ihre Lösung. Die eine (fol. 58) bezeugt, daß der westliche Teil der Erdgeschoßarkaden noch 1594 offen war, also nicht wie die östlich folgenden eine Vermauerung erfahren hatte, so daß man die beiden Registra bull, et suppl. unmittelbar vom ersten Hof (Atrium Helvet.) aus betreten konnte 4). Die zweite (fol. 56 f.) besagt, daß sich jene seitlichen Beischriften auf die Unterteilung der geschlossenen Lauben des mittleren Geschosses beziehen, daß deren dritter Abteil vom Kardinal Giovanni Maria de Monte (nachmals Julius III.) bewohnt war, und daß die folgenden Räume zum Amtsbereich des Datario gehörten 5). Gehen wir nunmehr auf die im Laufe des 16. Jahrhunderts entstandenen Ansichten des Kanzleigebäudes über, so seien zunächst die seiner südlichen, gegen das Atrium S. Petri gerichteten Langseite vorgenommen: a) Marten van Heemskerck, Berlin, Kupferstichkab., II. Sammelband, fol. 51 6). Um 1533/34 entstanden, enthält diese in großer Eile skizzierte Gesamtansicht von Alt- und Neu-St. Peter die älteste Wiedergabe des Kanzleigebäudes. Mit Verzicht auf dessen oberste Fensterreihe ist das langgestreckte Hauptgesimse mit seinem Rundbogenfries 7) flüchtig angedeutet. b) Giovannantonio Dosio, Florenz, Uff. dis. arch. 2555, Ansicht des Atriums und der Südfront des Kanzleitraktes, als Vorbereitung für den Jubiläumsstich von 1575 8) gezeichnet. *) ASV. Fondo Borghese, ser. Ill, vol. 114, fol. 40 ff., zitiert nach einer für Kardinal F. Ehrle besorgten Abschrift, insofern sich der Abdruck von C. Colnabrini (Roma 1895) als unverläßlich erweist. 2) Ibid., fol. 56 f. 3) Zwei weitere Beischriften in jenem Konklaveplan vom 3. Februar 1550 bieten gleichfalls wert­vollen Aufschluß. So führt der große Saal im obersten Geschosse, von Johannes Burckard stets „aula vetus“ genannt, die Bezeichnung „Sala inaurata Julij Papae“, was auf eine bisher nicht bekannte Restaurierung dieses Raumes durch Julius II. schließen läßt; vermutlich erfuhren die ornamentalen Details seiner Decke eine Auffrischung ihrer Vergoldung. — Ferner steht neben der im obersten Geschoß der Benediktionsloggia befindlichen Türe die Bemerkung: „Porta quae ducit ad cubicula ubi fuit exceptus Carolus imperator 1535 veniens a Tuneso.“ Sieht man von der unrichtigen Jahreszahl ab — Karl V. hielt sich vom 8. bis 15. April 1536 in Rom auf —, so verbleibt doch der Hinweis auf einen unmittelbaren Zugang von der Loggia zu jenen Räumlichkeiten. 4) „A mano dirita sotto le loggie ui sono le stantie deU’officio del Piombo . . . Passato questo ui e il Registro delle supplicationi . . . Acanto ui e il Registro delle Bolle.“ 5) Dies war noch 1594 der Fall, wie die Bezeichnung „Corritore dei Datario“ (ibid., fol. 56—58) beweist. 6) Reproduktion bei Egger H., Rom. Veduten, l2, Tafel 33 (S. 27 f.); Hülsen Ch.-Egger H., Röm. Skizzenb. v. M. v. Heemskerck, II, Tafel 51 (S. 31). 7) Vgl. dessen gleichartige Konstruktion an dem mit dem Wappen Innozenz’VIII. geschmückten Kranzgesimse des Belvederes (abgeb. bei Hofmann Th., a. a. O., IV, Tafel XX, Fig. 4). 8) Seine wichtigsten Reproduktionen bei Egger H., 1. c., I2, Tafel 28 (S. 26) verzeichnet.

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