Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/2. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1951)

VIII. Kunstgeschichte - 78. † Hermann Egger (Graz): Das päpstliche Kanzleigebäude im 15. Jahrhundert

Das päpstliche Kanzleigebäude im 15. Jahrhundert. 489 Feststellung ändert auch nichts die durch M. Cerratix) erfolgte Publikation einer 1571 datierten Vorzeichnung1 2), die gleichfalls für unsere Detailfragen nicht in Verwendung gezogen werden kann. Bei einem eingehenden Vergleich dieses angeblichen Originalplanes mit dem 18 Jahre später entstandenen Stich ergibt sich, daß sich der sonst gewissenhafte Stecher gerade bei den Vorbauten von St. Peter einzelne Ungenauigkeiten zu Schulden kommen ließ 3). Im besonderen fällt dies bei den Arkaden der Curia Palatii (Atrium Helvetiorum) auf, von denen bisher nur 15 im Südflügel und 5 an der Westseite bekannt waren. Im Gegensatz zu ihrer schematischen Wiedergabe im Stich bilden in der Vorlage kräftige Eckpfeiler beiderseits ihren Abschluß. An den südöstlichen schlossen sich drei weitere, von Bonifazio gänzlich ausgelassene Arkaden an, die fast bis zur Eingangshalle reichten. Damit erscheint die Lage jener seit 1471 vielfach erwähnten „logia della chorte“ (sc. „logia del andito“) gesichert, für die bisher keine Erklärung erbracht werden konnte. Abb. 1. Grundriß des obersten Geschosses. (Ausschnitt aus Uff. dis. arch. n. 287.) Um eine Vorstellung von der Lage des Kanzleigebäudes als des südlichen Abschlusses des Atrium Helvetiorum zu gewinnen, schien es gegeben, von dem aus mehreren Blättern zusammengesetzten Plan des vatikanischen Palastgebietes in den Uffizien (dis. arch. n. 287) auszugehen, den bereits Carlo Pini mit Antonio da Sangallo d. J. in Zusammenhang gebracht hatte. Anläßlich meiner Untersuchung über Carlo Madernas Projekt für den Vorplatz von St. Peter ließ ich den die südöstlichen Vorbauten wiedergebenden Teil reproduzieren 4), um die ursprüngliche Gestalt des Atrium Helvetiorum sowie des Cortile di Maresciallo zu erläutern. Dabei hielt ich bereits mit einer Kritik dieses, leider nicht mehr in der Original­aufnahme, sondern nur in einer mangelhaften Wiederholung erhaltenen Planes nicht zurück. Denn ein näherer Vergleich mit den beiden, gleichfalls vor dem Umbau Pauls III. her­gestellten Detailaufnahmen jenes Cortiles (dis. arch. n. 1333 und 3989) 5) belehrt sogleich, daß sich die Wiedergabe der mittleren Teile des Palastes durch keine besondere Genauigkeit und Verläßlichkeit auszeichnet. Dies trifft in erhöhtem Maße bei den geradezu neben­sächlich behandelten südöstlichen Vorbauten zu. Vor allem fehlt die daselbst gelegene Hauptstiege, besitzt der Hauptbau Pauls II. eine viel zu geringe Trakttiefe, sind die Arkaden der Loggia Paolina nicht ersichtlich u. v. a. Im Grundriß des anstoßenden Kanzlei­gebäudes — es ist sein oberstes Geschoß gezeichnet (siehe Abb. 1) — sind zwar alle gegen das Atrium S. Petri gerichteten Räume eingetragen, doch ist ihr Zusammenhang mit dem begleitenden, vielfach unterteilten Korridor nicht erkennbar. 1) Vgl. Cerrati M., Tiberii Alpharani de Basilicae Vaticanae antiquissima et nova structura, Roma 1914, táv. I. 2) Ibid., táv. II. 3) So sind z. B. in der Zeichnung die fünf kräftigen Pfeiler der ebenerdigen Halle der Benediktions­loggia richtig eingetragen, während im Stich nur vier Säulen sie ersetzen. 4) Röm. Forschungen der Bibliotheca Hertziana, VT (Festschrift für Christian Hülsen 1928), Tafel II. 6) Ibid., Tafel HI/IV.

Next

/
Oldalképek
Tartalom