Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/2. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1951)

VII. Allgemeine und österreichische Geschichte. - 73. Theophila Wassilko (Wien): Rudolph Graf Wrbna als landesfürstlicher Hofkommissär für Niederösterreich während der Besetzung Wiens im Jahre 1805

Rudolph Graf Wrbna als landesfürstlicher Hofkommissär für Niederösterreich. 429 Heyssler1) erwähnt werden. Letzterer war Wrbna besonders warm durch Bartenstein empfohlen worden. Er wurde ebenso wie Hartmann und Schloissnigg beim Konzept der deutschen Expedition verwendet, Hartmann war außerdem mit der Leitung eines Teiles der deutschen Registraturs- und Expeditionsgeschäfte betraut. Die Approvisionierungsangelegenheiten bearbeitete der nö. Regierungsrat Andreas Pichler2), der die Leitung dieser Angelegenheiten schon bei der nö. Regierung innehatte. Josef Freiherr von Kielmansegge, Regierungsrat bei der nö. Regierung, erledigte nebst den verschiedensten Agenden vorzüglich jene, die mit dem Etappengeschäft zusammenhingen. Nach Auflösung des Landeshofkommissariates hatte er die Etappenauslagen zu verrechnen, eine Angelegenheit, die er bis ins Jahr 1809 hinauszog und die eine Reihe von Urgenzen und Beschwerden des Grafen Wrbna sogar beim Kaiser zur Folge hatten. Weiters waren von der nö. Regierung noch der nö. Regierungskonzipist Karl Kübeck3) und der Konzepts­praktikant Alois von Portenschlag beim Landeshofkommissariat tätig. Kübeck machte bis zur Wiederaufrichtung der nö. Regierung im Präsidialbüro bei Wrbna Dienst. In einem Zeugnis, das ihm dieser ausstellte, hebt er die besondere Geschicklichkeit Kübecks im Konzept hervor 4). Neben der deutschen Expedition gab es auch eine französische Expedition. Am 12. November 1805, einen Tag vor der Besetzung Wiens durch die Franzosen, regte Graf Chorinsky, Vizepräsident der nö. Regierung 5), die Einstellung von sprachkundigen und geschulten Beamten beim Landeshofkommissariate sowie die Errichtung eines aus diesen zu bildenden Departements an 6). In dieser Abteilung wurden Chevalier de Fleury und Vesque von Püttlingen, ehemaliger niederländischer Staats-und Kriegssekretär, verwendet. Wrbna stellt letzterem das Zeugnis aus, daß er „die wichtige binnen zwei Monaten auf über 600 Nummern angewachsene französische Korrespondenz mit den französischen Machthabern allein geführt“ habe 7). Entsprechend diesen zwei Abteilungen der französischen und der deutschen Expedition scheiden sich auch die Akten des Landeshofkommissariates in eine französische und in eine deutsche Korrespondenz 8). Besonders wichtige Aufgaben waren den Hofräten beim Generalrechnungsdirektorium Josef von Ellinger und Ignaz Jäger zugedacht. Ellinger war Direktor der im Dezember 1805 aufgestellten ständischen Zwangsdarlehenskasse (zur Aufbringung der Kontribution); ihm wurden alle beim Landeshof kommissariat einlangenden Vorschußansuchen der Inspektoren und der Gebäudeverwalter zur gutächtlichen Äußerung übermittelt. Ebenso ergingen an ihn die Aufträge zur Einzahlung der Kontribution an die französische Armeekasse. Jäger war während der Invasion laut mündlichem Auftrag Bartensteins mit der Ver­rechnung der magistratischen Naturalienlieferung betraut, weiters über schriftlichen Auftrag Wrbnas mit der Geschäftsleitung und Revision der mit Eikam Reutlinger eingeleiteten Ver­q LHK, Nr. 1159. 2) Gatte der Karoline Pichler; siehe auch Kübeck, „Tagebücher“, 1. Bd., S. 129. 3) Der spätere Hofkammerpräsident Freiherr von Kübeck; siehe auch seine „Tagebücher“, I. Bd., S. 161 ff. und 167. 4) LHK, Nr. 1460; Dekret an Kübeck. 5) Über die Persönlichkeit Chorinskys siehe Kübeck, „Tagebücher“, I. Bd., S. 129 und 162. 6) LHK, Nr. 207. 7) LHK, Nr. 1228. 8) Von der ersteren sind nur mehr die Akten, angefangen von Nr. 600, erhalten. Die besonders für die ersten Tage und Wochen der Besetzung interessante und aufschlußreiche Korrespondenz ist nicht mehr vorhanden, da sie im Brand des Justizpalastes vom Jahre 1927 zugrunde gegangen ist. Einen teilweisen Ersatz bietet der in Abschrift bei den Kaiser-Franz-Akten (HHuStA) erliegende Schriftwechsel Daru-Wrbna über die Zahlung der Kontribution. Die deutsche Korrespondenz (Nr. 1 bis 2000) ist, wenn auch nicht lückenlos, erhalten.

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