Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/2. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1951)

V. Rechts-, Verfassungs- und Wirtschaftsgeschichte - 58. Josef Prader (Brixen): Die Gerichtsbarkeit des Brixner Domkapitels

Die Gerichtsbarkeit des Brixner Domkapitels. 193 EXKURS. Die Immunitätsgerichtsbarkeit. Da die Immunitätsgerichtsbarkeit mit der Grundherrschaft im engsten Zusammen­hang steht und eine Abhandlung darüber nicht streng genommen innerhalb des Rahmens der geistlichen Gerichtsbarkeit hegt, soll abschließend nur noch in kurzen Grundzügen dargelegt werden, welche Rechte das DK auf Grund seiner Immunität hatte. Der Dompropst hatte gemäß Statuten die ganze Verwaltung der Güter des DK, welche sehr ausgedehnt waren*). Wenn in den Kapitelprotokollen oft eine „iurisdictio“ des Propstes erwähnt wird, so werden darunter meistens jene Rechte verstanden, die er als Ver­waltungsorgan hatte 1 2). Innerhalb der Stadt Brixen übte der Propst über die Laien, welche im Dienste des DK standen, eine Gerichtsbarkeit aus. In den Statuten von 1622, cap. 2, lesen wir die Be­stimmung : „Habet quoque Summus Praepositus superioritatem et respective iurisdictionem in familiam canonicorum et capellanorum, item in officiales et feudatarios (quantum ad eorum officia et obli­gationes) ac famulum Capituli et Organistam, si laicus sit: quam tenetur exercere et administrare ex aequo et iusto.“ Der Probst hatte also eine gewisse Jurisdiktion a) über die Laien, welche zum Hausgesinde („família“) der Kanoniker und Bene- fiziaten gehörten, b) über den Kapitelamtmann („officialis capituli“) 3), c) über die 6 Lehenträger („feudatarii“) 4), d) über den Organisten des Domes und den Kapiteldiener. Welcher Natur diese Jurisdiktion war, läßt sich näher determinieren aus den vor­handenen Quellen der früheren Zeit: Im Jahre 1365 ist in einem Teilstatut von einer Ge­richtsbarkeit des Propstes die Rede. Nach Austragung eines Streites zwischen dem Dom­probst einerseits und dem Kapitel anderseits wurden auch Bestimmungen jurisdiktioneller Natur getroffen, deren Einhaltung jeder künftige Dompropst beschwören mußte 5 *). Unter anderem heißt es darin: „Prepositus debet presidere iudicio seculari et facere iustitiam de omnibus officialibus chori ecclesie Brixinensis“ ®). Näher erklärt wird die Kompetenz dieses ,Judicium seculare“ des Propstes durch eine Bestimmung des Brixner Stadtgerichtsbuches vom Jahre 1379, wonach die DHH ihre Gerichtsbarkeit ausübten über alle angestellten Laien des Domchores, d. h. des DK; von dieser Gerichtskompetenz waren aber die schweren Vergehen, wie Gewalt, Frevel, Unzucht, für deren strafrechtliche Verfolgung das Stadtgericht zuständig war, ausgenommen: „Die Chorherren habent ze richten umb gälte über ir maier in den Runkaden, ir chöche, ir pfister lind über iren unterpräst und amtleut und zwen poten und ir diner, die si selber habent in irem prot; wolten si aber nicht richten, so soll ez der herre tuen, oder wen er dazuo schaft; aber gewalt und frevel und alle Unzucht hat ain statrichter ze richten, wa daz in dem gericht beschicht.“ 7) 1) Statuten von 1422, n. 1; 1485, n. 1; 1622, cap. 2. 2) Prot. Cap. IV, 118, 181; VII, 308; VIII, 232, 370, 393; XXIV, 127. 3) Der Kapitelamtmann hieß auch „subpraepositus“ und hatte unter der Oberaufsicht des Propstes die Güterverwaltung des DK. 4) Solange das DK ein gemeinsames Leben führte, hießen die sechs Lehensträger, welche ebenfalls Hilfsbeamte des Dompropstes in der Güter Verwaltung waren, „officiales“. — Vgl. Statuten von 1622, cap. 28. 5) Santifaller, DK, S. 230. 8) Santifaller, Statuti, p. 20. 7) Zingerle J., Die Tirolischen Weistümer, IV, 381. 13 Festschrift. II. Band.

Next

/
Oldalképek
Tartalom