Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/2. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1951)

V. Rechts-, Verfassungs- und Wirtschaftsgeschichte - 58. Josef Prader (Brixen): Die Gerichtsbarkeit des Brixner Domkapitels

188 Prader, den geistlichen Nachlaß gegen die Spoliation der Laien zu schützen, wurden schon seit dem 11. Jahrhundert in manchen Gegenden allgemeine Testierfreiheiten gegeben 1). b) Die Testierfreiheit des Domklerus von Brixen. Bischof Bruno verzichtete 1265 auf das Spolienrecht über das Mobiliarvermögen der Kanoniker: ,,... nos edocti evidenter sanctione decretorum et decretalium statuimus in perpetuum observari, ut decedentibus canonicis in facultatibus, quas reliquerint vel multis vel paucis nullus successorum nostrorum quicquam sibi iuris in parte vel in toto debeat vindicare, quia peculium est clericorum et cedere debet ad comunem usum canonicorum et licet hoc sanctione iuris canonici expressius habeatur, nihilominus nos confirmamus .. . “ 2) Der Bischof verzichtet also auf seine traditionellen Spolienrechte auf das Mobiliar­vermögen der Kanoniker 3) und führt die Bestimmungen des allgemeinen Rechtes durch 4). Wenn ursprünglich nach dem allgemeinen Rechte alles, was der Geistliche nach der Ordination aus dem Amte erworben hatte, der betreffenden Kirche vermacht werden mußte, so wurde später zugegeben, daß selbst aus den aus dem Amte erworbenen Gütern etwas ad pias causas vermacht werden könne5). Jedoch durch Privilegien und Gewohnheiten konnte selbst über diese Güter zu profanen Zwecken verfügt werden. Wenn besagte Urkunde des Bischofs Bruno nichts enthält von einer vollen Testier­freiheit der Kanoniker, so wurde sie vom DK doch stets so ausgelegt, als ob Bischof Bruno nicht bloß auf das Spolienrecht verzichtet, sondern auch volle Testierfreiheit gewährt hätte. Denn, wenn sich das DK im 18. Jahrhundert noch immer in seinen Dokumenten auf diese Urkunde beruft, so tat es das, um sein Privileg der vollen Verfügungsfreiheit selbst über das Einkommen aus dem Pfründenvermögen zu behaupten, und nicht, um sich vor dem Spolien­recht zu schützen, welches seit der Reformation nirgends mehr aktuell war. Im Jahre 1363 IV 13 ließ das DK diese Urkunde vindimieren 6), vermutlich um sie nach Rom einzu­schicken, weil sie 1363 VI 25 von Papst Urban V. bestätigt worden war 7). Bischof Friedrich bestätigt 1380 V 26 dem DK alle Privilegien, Gewohnheiten und Rechte. Darin wird ausdrücklich gesagt: ,,.. . quod idem Prepositus et Decanus et omnes alii singuli clerici nostre civitatis Brixinensis bona sua mobilia et immobilia ad ipsorum beneplacitum testare valeant et legare et huiusmodi testamenta suum debitum sorciantur effectum“ 8). Durch die nachfolgenden Bischöfe wird in dieses Recht der Testierfreiheit zuerkannt: Bischof Ulrich 1405 Item de peculio castrensi seu quasicastrensi canonicorum aut cappellanorum nec in vita nec post mortem eorum nobis nihil vendicabimus sed den Privilegienbestätigungen dem DK immer Bischof Georgius 1442 Item de peculio castrensi seu quasi­castrensi canonicorum et cappellanorum ac omnium beneficiatorum nostre Brixinensis Ecclesie x) Haring, KR, S. 703. 2) Santifaller, DK, S. 196; Derselbe, Documenti, p. 88. 3) Redlich O., Die Traditionsbücher, n. 194, 220, 389, 415, 417, 489, 506, 511, 513, 514. Daraus geht hervor, daß die Kanoniker über ihr Immobiliarvermögen schon von jeher freies Verfügungsrecht hatten, das meistens ,,pro remedio animae“ ausgeübt wurde. 4) c. 3, X, III, 25: „Unusquisque presbyter res, quas post diem consecrationis acquisierit, propriae ecclesiae relinquat.“ 5) Walter F., KR, S. 443. 6) Santifaller, Documenti, p. 88. 7) Die Urkunde Urb. V. konnte auch nicht im Vat. Arch, gefunden werden. 8) Santifaller, Documenti, p. 101.

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