Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

I. Archiv-Wissenschaften - 5. Karl Lechner (Wien): Das Archiv der ehemaligen Propstei Gloggnitz, seine Geschichte und seine Bestände, nebst Regesten

80 Lechner, verzeichnet sind; ferner viele Ablaßbriefe: von Papst Innozenz XII. (1693), von Kardinalen und päpstlichen Legaten, darunter ein solcher von Aeneas Silvius, dem späteren Papst Pius II. (1453), vor allem aber die Gebetsverbrüderung durch Fr. Johannes Capistranus von 1451. Die Urkunden sind fast alle sehr gut erhalten und tragen zum weitaus größten Teil noch die Siegel, die sich gleichfalls in gutem Zustand befinden. Wie man sieht, handelt es sich um einen ziemlich einheitlichen Bestand. Er deckt sich mit dem im Archivindex von 1790 verzeichneten; auf fehlende Urkunden werden wir gleich zu sprechen kommen. Doch sind auch eine Reihe von Urkunden vorhanden, die nicht in dem genannten Archivindex stehen. Es sind zunächst jene schon erwähnten fünf Urkunden, die in dorso einen grünen Zettel mit einem aus dem 19. Jahrhundert stammenden Regest und einer Nummer tragen, die, zwar aus der näheren Umgebung stammend, dennoch fremder Provenienz sind und auf nicht erklärliche Weise im 19. Jahrhundert nach Gloggnitz gekommen sind. Es sind die Nummern: 6, 72, 110, 120, 176 4). Dazu kommen sechs Stücke (Nr. 9, 22, 86, 134, 135, 137), die sich auf das Formbacher Gut in Baumgarten bei Wien beziehen. Sie sind wohl in Baum­garten oder in Herzogenburg gelegen (1791 werden z. B. Bücher, die sich auf Baumgarten beziehen, an den Verwalter nach Herzogenburg geschickt) und vielleicht erst nach der Auf­hebung des Klosters Formbach nach Gloggnitz gebracht worden. Eine Ausnahme macht das Stück Nr. 145, das schon 1790 in Gloggnitz erlag und dort als Nr. 46 verzeichnet wurde. Nicht verzeichnet ist auch die Urkunde Johannes Capistrans, betreffend die Gebetsverbrüde­rung der Propstei Gloggnitz (Urkunde Nr. 131), endlich noch die Nn. 185 und 195. Eine genaue Überprüfung der Dors ual ver merke läßt auf verschiedene Inventarisie­rungen im Laufe der Jahrhunderte schließen. Dabei tragen die älteren Vermerke aus dem 14. und 15. Jahrhundert noch kein Registraturzeichen oder eine Signatur. Den ältesten Dorsualvermerk, noch aus dem 14. Jahrhundert, trägt die Urkunde Nr. 2 (vom Jahre 1146), wozu ähnliche aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts kommen. Dann folgen solche von ver­schiedenen Händen des 15. Jahrhunderts, meist dazu auch die Jahreszahl. Aus dem 16. Jahr­hundert findet sich dann ein Registraturzeichen, bzw. eine Lagersignatur, meist aus einem Buchstaben und einer Ziffer bestehend, wobei gewisse Gruppen zu erkennen sind. Diese Sig­nierung hängt wohl mit den Inventaren aus der Mitte des 16. Jahrhunderts zusammen. Im 17. Jahrhundert fand dann eine ausführliche Regestierung statt, wobei oft die ältere Jahreszahl belassen und dazu ein lateinisches Tagesdatum gesetzt wurde. Gleichfalls in dieser Zeit fand eine gewisse Signierung statt, die einzelne Gruppen festlegt: so tragen z. B. die Urkunden über den Hof in Danegg („Tanich“) die Bezeichnung: K Nr. 4. Vielleicht noch aus dem 17. oder aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts stammt dann eine Numerierung. Erst damals scheint der Hauptstock der heute vorhandenen Urkunden vereinigt worden zu sein. Als dann um 1790 die letzte und genaueste Inventarisierung und Registrierung statt­fand, da wurden die älteren Nummern meist ausgestrichen und durch neue ersetzt. Aber auch nachher tragen einzelne Gruppen besondere Kennzeichen; so mit Schrift in roter Tinte aus den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts zwölf Urkunden, die laut Anmerkung in dem oft genannten Archivindex im Jahre 1804 (Februar 27) an die Staatsgüteradministration eingeschickt wurden. Es handelt sich durchgehends um Jahrtags- und Messenstiftungen aus der Zeit von 1306 bis 1439. Drei Urkunden sind laut Vermerk im Archivindex erst im Jahre 1812 (April 6) an die Staatsgüteradministration geschickt worden, ,,für das Hof- und Haus­archiv“, von dort aber, wie sich zeigt, wieder zurückgekommen. Es handelt sich um unsere Urkunden Nr. 3 (Herzog Leopold VI. vom Jahre 1210), 11 (Bischof Wernhard von Passau *) *) Bei Ablösung der grünen Zettel zeigt sich mit Schrift aus dem 16. Jahrhundert ein kurzes Regest, mit Schrift aus dem 17. Jahrhundert verschiedene Zahlen als Registraturzeichen, wobei jene für die Urkunden vom Jahre 1390, 1430 und 1437 von der gleichen Hand stammen dürften. Endlich findet sich bei diesen und bei der Urkunde von 1592 ein Registraturzeichen aus dem 19. Jahrhundert, römische Ziffern dar­stellend. Zumindest damals also waren diese Urkunden schon vereinigt.

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