Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)
IV. Quellen und Quellenkunde - 42. Karl Eder (Graz): Bernhard Raupach (16821745). Ein Beitrag zur Historiographie der österreichischen Reformationsgeschichtc
Bernhard Raupach (1682—1745). 715 die sich auf das Studium der alten Kirchenväter verlegten, vertieften sich leicht in diese und versäumten darüber die ihnen anvertraute Gemeinde. Schon gab sich Raupach dem Gedanken hin, Gott habe ihn nicht zum Predigtamte berufen und er werde sein Leben auf den Akademien verbringen, als er 1717 die Adelspfarre Damshagen bei Wismar erhielt. Im gleichen Jahre vermählte er sich mit Agnes Margaretha, geb. v. Höpken, Witwe des Henrich von Hagen. Um diese Zeit erhielt er die Magisterwürde von Tübingen, doch bediente er sich niemals dieses Titels. In der Freizeit seines Amtes kehrte er sein Interesse der Reformationsgeschichte zu. Besonders fesselten ihn die Schicksale der verlorengegangenen lutherischen Kirchen. Daher traten zuerst die österreichischen Erblande in sein Blickfeld. In dem entlegenen Dorf Welzien in seiner Gemeinde gründete er mit Hilfe von Hamburgern eine Schule. Mitten in dieser Arbeit ereilte ihn eine Berufung nach Hamburg. Mit einer Gastpredigt in der Petrikirche blieb er zunächst erfolglos. Doch wurde er am 17. September 1724 fast einstimmig auf die Diakonstelle der Nikolai-Kirche gewählt. Mit ganzer Kraft warf er sich nun auf die Reformationsgeschichte. Es scheint, daß er deshalb keinen höheren kirchlichen Posten anstrebte oder von seiner Kirchenbehörde dafür nicht in Betracht gezogen wurde. Die andauernde geistige Arbeit zehrte an seinen körperlichen Kräften. Schon im zweiten Jahre seiner Hamburger Tätigkeit erkrankte er schwer. 1731 suchte er in Bad Ems, 1735 in Pyrmont Linderung in seinem Nierenleiden. Ein Schwächeanfall nach einer Predigt im Jahre 1742 zeigte den Verfall der Kräfte bedrohlich an. Raupach verschied am 21. Juni 1745 im Alter von 63 Jahren, 2 Monaten, aufrichtig betrauert von der Gemeinde, an der er wirkte, und von dem großen Kreis seiner wissenschaftlichen Freunde. Die Hamburger Berichte schildern ihn in der Nr. 48, S. 384, von 1745 zutreffend als ebenso berühmten wie gründlichen Gelehrten, als höchst beliebten Pastor und als ein Muster der Tugend und Gottesfurcht. Die Ehe Raupachs war kinderlos geblieben. Seine Frau starb im Jahre 1755. Das geistige Porträt Raupachs — das physische zeigt eine feine Erscheinung mit klarem, scharfem Blick — wird auf das vorteilhafteste durch sein Testament ergänzt. Es setzte Legate für das Zuchthaus, das Waisenhaus und den Pesthof aus. Seine große Bibliothek wurde gedrittelt: 75 Werke mit 370 Nummern kamen an die Hamburger Stadtbibliothek, einen Teil erhielt der Neffe Georg Ehrenfried, der größte Teil wurde jedoch zugunsten der Prediger-Witwenkasse, deren Errichtung Raupach schon zu Lebzeiten eifrig betrieben hatte, 1746 versteigert. . Es handelt sich um4488Nummern, deren Erlös — 1350 Pf. — als Grundkapital an die genannte Kasse kam. Auch dieser soziale Zug hebt Raupach vorteilhaft aus der Masse seiner Zeitgenossen hervor. 2. Das Schrifttum Raupachs umfaßt außer drei selbständigen theologischen Abhandlungen und zwei Arbeiten über seine Reise nach Dänemark nur Werke zur österreichischen Reformationsgeschichte. Gedruckt liegt das Werk über die Reformation im Erzherzogtum Österreich vor, während das geplante zweite große Werk über die Reformation in den Ländern Innerösterreichs nicht mehr das Licht der Öffentlichkeit erblickte. Das Hauptwerk zerfällt in sechs Bände. Der erste Band: „Evangelisches Österreich, das ist, Historische Nachricht von den vornehmsten Schicksalen der Evangelischen Kirchen in dem Erz-Herzogtum Oesterreich unter und ob der Enns“ (Verlag Felginers Witwe und J. C. Bohn, Hamburg, erste Aufl. 1732, zweite Aufl. 1741 *), bringt hauptsächlich Urkunden und Akten von 1520—1648, während der zweite Band: „Erläutertes Evangelisches Österreich“ (Verlag Theodor Christoph Felginers Witwe, Hamburg 1736), Ergänzungen über den Zeitraum 1520—1580 vorlegt. Band drei: „Erläutertes Evangelisches Österreich oder Zweite Fortsetzung der Historischen Nachricht“ (Verlag wie vorher, 1738), enthält die x x) Das Titelbild der zweiten Auflage zeigt Raupach im 59. Jahre seines Lebens und im 24. seines Ministeriums und trägt die Signatur: „Gravé pour C. Fritz’schs anno 1741“. Bd. 2 zeigt als Titelblatt Johann Sebastian Pfauser, Hofprediger Maximilians II. von 1554 bis 1559, Bd. 3 D. Lukas Backmeister, Bd. 4 Bischof und Kardinal Melchior Khlesl. Sämtliche Bilder von Fritzsch.