Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)
IV. Quellen und Quellenkunde - 42. Karl Eder (Graz): Bernhard Raupach (16821745). Ein Beitrag zur Historiographie der österreichischen Reformationsgeschichtc
716 Eder, Akten über die vom Rostocker Professor und Superintendenten D. Lukas Backmeister auf Betreiben der Landstände 1580 vorgenommene Kirchen visitation. Band vier: „Erläutertes Evangelisches Österreich oder dritte und letzte Fortsetzung der Historischen Nachricht“ (VerlagTh. Ch. Felginers Witwe und J. C. Bohn, Hamburg 1740), führt die Ereignisse von 1580 bis zur Gegenwart (d. i. 1738) fort. Band fünf: „Presbyteriologia Austriaca“ (Verlag wie oben, 1741), berichtet über die mehr als 400 lutherischen Prediger, die bis zu der „Großen Reformation A. 1624 und A. 1627“ im öffentlichen Lehramte standen, und schließt mit einer kleinen Nachlese. Der sechste Band: „Zwiefache Zugabe zu dem Evangelischen Österreich“ (Verlag J. C. Bohn, Hamburg 1744), besteht aus einem Supplementum zur Presbyteriologie und aus einer sechzehn Stücke umfassenden zweiten Nachlese. Uber die Reformationsgeschichte Innerösterreichs wissen wir nur durch Georg Raupach, der in seiner Biographie über das Fragment einiges berichtet. Der Verfasser hatte immerhin bereits einige Jahre daran gearbeitet. Es scheint, daß er eine Vorahnung hatte, ihm werde die Vollendung nicht mehr gegönnt sein, denn er schrieb auf den Umschlag des Entwurfes eigenhändig das Wort aus den vier Dialogen des Abbé de Dangeau: „Quand j’aurai fait mon devoir, quand je n’aurai rien a me reprocher, si je ne reüssis pas dans mes projets, je m’en consolerai fort aisement. Je croirai que Dieu le veut ainsi; q’il m’a voulu mener jusqu’a un certain point, pas plus loin: je me soumettrai a sa volonté. N’est-il pas le maitre, dans quel- que etat que je me trouve, n’est ce pas lui qui m’y aura mis ?“ Elfeinhalb Bogen in Klein- schrift waren bereits ausgearbeitet, als der Tod dem fleißigen Historiker die Feder aus der Hand nahm. Es waren die drei Kapitel über die Einführung des Christentums in Steiermark, Kärnten und Krain bis auf Luther, die Schicksale des Luthertums bis zum Tode Ferdinands I. (1564) und die Ereignisse unter der Regierung des Erzherzogs Karl von 1564 bis 1590. Der weitere Stoff war bereits in Kapitel, nicht aber in Abschnitte und Paragraphen geteilt. Doch lag auch über die restlichen vier Kapitel bereits die chronologische Rohskizze mit Angabe der benützten Quellen und Literatur vor. Kapitel vier behandelt die evangelische Religion unter den Administratoren Ernst und Maximilian (1591—1595), fünf unter Erzh. Ferdinand (1596—1603), sechs die Ereignisse von 1604 bis zum Westfälischen Frieden und sieben von 1648 bis zur Gegenwart. War auch das Interesse an der Kirchenfrage nicht mehr dasselbe wie vor hundert Jahren, so mußte ein solches Werk dennoch auch in der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts Aufsehen hervorrufen. Die „Hamburgerischen Berichte von gelehrten Sachen“ nennen in ihrer Nummer 33 von 1732 (S. 278—282) das Evangelische Österreich ein „mühsames, wichtiges, Lob verdienendes Werk, das viel merkwürdiges, ausgesuchtes und seltenes in allen Kapiteln zeigt.“ Das gleiche Organ bezeichnet in der Nummer 79 von 1738 in einer Besprechung des zweiten Bandes Raupach als einen neuen Seckendorf und zweiten Sleidanus. Die „Fortgesetzten Sammlungen von Altem und Neuem“ heben im Jahrgang 1733, S. 489, das „herrliche Judicium“ des Autors rühmend hervor, der auch manche historische Fehler der Schriftsteller angezeigt und manches von G. Arnold begangene Unrecht bemerkt habe. Die Fortsetzungen machten schließlich Raupach in ganz Deutschland bekannt, wie z. B. die Besprechungen der „Frankfurthischen gelehrten Zeitungen“ von 1736, S. 138, zum zweiten Teil, und der „Leipziger gelehrten Zeitungen“ von 1738, S. 389, zum dritten Teil beweisen. Für Österreich ist m. W. eine öffentliche Besprechung nicht nachweisbar und angesichts der Rechtslage des Protestantismus kaum zu erwarten. Doch wäre es interessant, die Existenz von Exemplaren des Werkes für die vorjosephinische Aera in Privatbibliotheken feststellen zu können. Zweiter Teil. Raupach als Reformationshistoriker. 1. Die kritische Überprüfung des Werkes „Evangelisches Österreich“ ergibt, daß offenbar zuerst nur ein Band geplant war, daß aber die überquellende Stoff masse der dem Verfasser von allen Seiten zugehenden Ergänzungen und Nachträge dem Autor fünf weitere