Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)
IV. Quellen und Quellenkunde - 42. Karl Eder (Graz): Bernhard Raupach (16821745). Ein Beitrag zur Historiographie der österreichischen Reformationsgeschichtc
714 Bernhard Raupach (1682—1745). Ein Beitrag zur Historiographie der österreichischen Reformationsgeschichte. Von Karl Eder (Graz). Aus der älteren Literatur hatte ich für die „Studien zur Reformationsgeschichte Oberösterreichs“ (2 Bde., Linz 1932 und 1936) in erster Linie die Werke Prevenhuebers, Raupachs und Khevenhüllers heranzuziehen. Valentin Prevenhueberx) behandelt in seinen Annales Styrenses die Geschicke der alten Eisenstadt Steyr, Raupach begründet mit seinem „Evangelischen Oesterreich“ (4 Bde. 1732/40, 1 Bd. „Presbyteriologia Austriaca“ 1741 und 1 Bd. „Zwiefache Zugabe“ 1744) die Reformationsgeschichte des Erzherzogtums Österreich mit seinen zwei Ländern Österreich unter und ob der Enns, Franz Christoph Graf von Kheven- hüller schreibt in seinen „Annales Ferdinandei“ die Geschichte Ferdinands II. 1578/1637. Vor allem überliefert Raupach in seiner Materialiensammlung wertvolle, im Original heute nicht mehr vorhandene Dokumente und Akten. Es drängte sich die Frage auf: Warum befaßte sich dieser Hamburger Pastor mit der österreichischen Reformationsgeschichte und zwar so eingehend, daß er als ihr Begründer angesprochen werden darf. Das Ergebnis der Nachforschungen war eine längere Studie, die 1939 ausgearbeitet wurde und deren Hauptergebnisse hier niedergelegt sind* 2). Erster Teil. Die Persönlichkeit Raupachs. 1. Bernhard Raupach3) wurde am 20. April 1682 zu Tondern im Herzogtum Schleswig geboren. Sein Vater Georg war der Organist der Stadt, seine Mutter Gesche entstammte einer angesehenen Kaufmannsfamilie. Bernhard hatte drei Brüder. Die Familie lebte in dürftigen Verhältnissen. Während des Besuches der Stadtschule von Tondern pflegte Bernhard eifrig das Studium der Musik. Als er 1701 die Universität Rostock bezog, waren die Eltern schon verstorben. Er belegte Sprachen, Philosophie und Theologie und oblag ungefähr drei Jahre fleißig den Studien. Wie seine Dissertation — „Von unbilliger Verachtung der Plat-Teutschen Sprache“ (1704) — zeigt, gehörte sein Herz eigentlich der Germanistik. 1705/10 wirkte er als Lehrer der adeligen Jugend in den Gebieten von Pommern, Stift Bremen und Mecklenburg. Als er 1711 seine Studien in Kiel fortsetzte, gab ihm die Philosophische Fakultät die Leseerlaubnis in Historie, Philologie und Homiletik. Ende 1711 ging er unvermutet nach Kopenhagen, wo sein Bruder Caspar Kantor an der Deutschen Gemeinde war. Vergeblich erwartete er sich von seiner Schrift „Von dem Amte des Predigers nach dem Urteile der Apostolischen Väter“ (1714) eine Predigerstelle. Seine Gegner erklärten, Leute, x) K. Eder, Ein Reformationshistoriker — Valentin Prevenhuber, Zeitschr. f. Deutsche Geistesgeschichte 3 (1937) 95—112. 2) Besonders verpflichtet bin ich dem Archiv der Hansestadt Hamburg, das mir in dem Brief vom 22. Oktober 1938 wertvolle Literaturhinweise gab. Mein Dank gilt ferner dem oö. Landesarchiv zu Linz, der Bayrischen Staatsbibliothek München und der Hamburger Stadtbibliothek. 3) Das Hauptwerk über Raupach schrieb sein Brudersohn Georg Ehrenfried Paul Raupach: Kurze historische Nachricht von dem Leben und Schriften Bernhard Raupachs, 96 S. Quart. Mit einem Kupfer von C. Fritzsch aus dem Jahre 1741. Hamburg 1746. Dazu außer dem Artikel in der Allgemeinen Deutschen Biographie, 27 (1888) 429 f.: H. Schröder, Bernhard Raupach, Lexikon der hamburgischen Schriftsteller bis zur Gegenwart 6 (1873) 163—167. Mit ausführlichen Literaturangaben; J. O. Thiess, Versuch einer Gelehrtengeschichte von Hamburg 2. Bd. (1780) 116; Petersen, Geschichte der Hamburger Stadtbibliothek (1838) 79.