Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

IV. Quellen und Quellenkunde - 40. Angelus Walz (Roma): Descriptio Teutoniae. Ein Verwaltungsbericht von 1644 über die Dominikaner und Dominikanerinnen in deutschen Landen

Descriptio Teutoniae. 691 (f 1898) gemachte Vermerk nennt als mutmaßliches Abfassungsjahr 1650 circiter. Doch muß bei näherem Erwägen der Ereignisse der Zeitpunkt der Niederschrift um einige Jahre früher angesetzt werden. Wie aus den Geschehnissen und Angaben, die die Klöster zu Marienheide, Hochheim und Liebenau betreffen, hervorgeht, ist der Bericht im Jahre 1644 verfaßt worden. Es darf vermutet werden, daß die Descriptio durch den mit zwei Definitoren zum Generalkapitel des Jahres 1644 nach Rom kommenden Teutonia-Provinzial P. Fridt mitgebracht worden ist. Im Gästeverzeichnis der Ordenskurie vom Jahre 1644 steht auf einem Einlageblatt der Eintrag verzeichnet: ,,Adi 3 Maij Vennero li Mto Rdl Padri, il Pre Mro fra Gio. Filippo Fridt Proale di Teutonia, F. Leonardo Hansen Mro e primo Diffinitore di Teutonia, F. Giorgio de Herberstein, Priori di Vienna, e secondo Diffinitore di Teutonia“1). Am Pfingstfest, den 14. Mai, begann das Generalkapitel. In den Akten der unter P. Turco abgehaltenen Ordensversammlung erscheinen getreulich die Namen der drei Genannten Teutoniamitglieder 2). Es könnte auch sein, daß die Descriptio im Geist der auf dem römischen Generalkapitel von 1644 getanen ordensgeschichtlichen Verordnung 3) noch im Laufe jenes Jahres eingeliefert worden ist. Die Nachrichten der Descriptio sind geographisch angeordnet und bieten außer den Mitteilungen über den Personalstand der einzelnen Häuser gelegentlich Hinweise geschicht­licher und wirtschaftlicher Art, Die Teutonia erscheint in acht Vikarien eingeteilt. In den Akten des Generalkapitels von 1642 werden drei Vikare, der in Franken, der in Elsaß und der in der Schweiz namentlich aufgeführt 4). Aus dem Bericht ergibt sich das Bild großer Bedrängnis im deutschen Raum. Schweden und Franzosen, Kalviner aus Holland und besitzgierige Landesfürsten waren in fremde Gebiete eingebrochen. Der Westgrenze des Reiches entlang hörten die Feinde nicht auf mit Erobern, Erpressen und Verwüsten. Konfessionelle Obrigkeiten mit ihrem Wechsel an einem und demselben Orte waren eine weitere Ursache vielen Elends. Die Descriptio spricht vom Stand der Ordenszucht, der Hingabe an Studium und Predigt, von den Leiden — es gab Märtyrer in Wesel und Landshut — und von den stillen Hoffnungen. Da der Bericht genügend für sich selber zeugt, sind nur kurze Hinweise als Anmerkungen dem Texte beigegeben. Es sind Nachweise zur Feststellung der Klostergemeinden, die im Bericht Vorkommen, und Anhaltspunkte zur Nachprüfung in der Geschichtsliteratur. Der Kürze halber werden die Stellen, die aus Sammelwerken oder Zeitschriften zitiert werden — wie aus den Monumenta Ordinis Praedicatorum Historica (Rom 1896 ff.), den Quellen und Forschungen zur Geschichte des Dominikanerordens in Deutschland (Leipzig 1907 ff.), den Analecta Ordinis Praedicatorum (Rom 1893 ff.) — mit MOPH, QF, AOP angeführt, ohne Angabe der Bearbeiter oder des Titels des Gegenstandes. Was die Schreibweise betrifft, huldigt das Original dem barocken Brauch vieler Majuskeln, deren Häufung indes im Schriftbild der Wiedergabe eingeschränkt ist. Das nichtvokale u wurde stets in v umgeschrieben. Andere Eigenheiten der Schreibung — wie diocaesis statt dioecesis — wurden unverändert übernommen, ebenso die altmodische Fassung der Ortsnamen; hingegen wurde zweimal das bellum suevicum-gallicum verbessert in bellum suecicum-gallicum. * * * [996] Descriptio omnium conventuum provinciae Teutoniae ordinis Praedicatorum. Provincia Teutoniae dividitur in octo vicariatus: 1. est vicariatus Rheni ac Mosellae, 2. Franconiae, 3. Sueviae et Bavariae, 4. Alsatiae, 5. Helvetiae, 6. Austriae, 7. Tyroliae, 8. Westphaliae. *) Ordensarchiv IV 80. 2) MOPH XII 99—100. 3) MOPH XII 109. 4) MOPH XII 87.

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