Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)
IV. Quellen und Quellenkunde - 23. Hanns Leo Mikoletzky (Wien): Zur Charakteristik Bruns von Querfurt
380 Mikoletzky, getreten. Ende 997 zog er mit dem jungen Kaiser nach dem Süden, gibt hier seine vielverheißende Stellung bald auf und tritt vielleicht im Frühjahr 998 *) als Mönch in das Kloster von St. Bonifazius und Alexius auf dem Aventin ein, das auch Bischof Adalbert von Prag einst aufgenommen hatte. Unter dem Einfluß Romualds, von dessen Alter noch Gregorovius infolge der Angaben Damianis* 2) ausschweifende Vorstellungen hegte3), wurde Brun von Querfurt Eremit in dessen irgendwie auch coenobitisch gefärbter Umgebung4), wo er, den schon das Beispiel von Adalberts Martertod zutiefst erregt hatte5), seinen Freund Benedikt mit dem gleichzeitigen Versprechen, ihm bald zu folgen, anstachelte, nebst einem Gefährten, Johannes, als Missionär nach Polen zu gehen. Da starb Otto III. und nun waren alle Hoffnungen dahin, die man auf seinen Einfluß in dem östlichen Herzogtum sowie auf seine persönlichen Beziehungen zu Boleslaw I. gesetzt hatte. Silvester II. ernannte Brun zwar zum Erzbischof der Heiden und verlieh ihm das Pallium6), während Heinrich II., zu dem er nun reiste, um die Konsekration zu empfangen, ihn, nachdem er noch von Frühling 1003 bis Frühling 1004 bei den sogenannten schwarzen Ungarn, den heidnischen Székiem gewirkt hatte, zu Merseburg im gleichen Jahr 1004 durch Erzbischof Tagino von Magdeburg weihen ließ. Seiner Zusage, nach Polen zu gehen, aber legten die unablässig auf flackernden Kriege des Reiches gegen den kühnen Herzog ein scheinbar unüberwindliches Hindernis in den Weg. Um diese Zeit entstand wohl auch die Frucht unfreiwilliger Muße, seine Lebensbeschreibung des heiligen Adalbert7), wie er in den darauffolgenden Jahren gleichsam als Vorbereitung auf sein Hauptziel und bloß nebenher neuerlich nach Ungarn und dann weiter nach Kiew zog, um den Petschenegen am unteren Dnjepr fünf Monate lang das Christentum zu predigen. Inzwischen aber waren Benedikt und Johannes samt drei Genossen von Leuten des polnischen Herzogs, die bei ihnen Geld witterten, erschlagen worden8), eine Untat, die Bruns Sehnsucht nach der eigenen Vollendung erst recht befeuert haben wird. Schließlich, wohl im Hochsommer 1008, gelangte der Mönch nach Polen, von wo er eine Sondermission nach Schweden entsandte und wo er die zweite Fassung seiner Adalbertsbiographie und eine Leidensgeschichte der fünf ermordeten Brüder verfaßte. Am Hof des Herzogs schreibt er noch einen Brief an König Heinrich II., um ihm von seinen Plänen zu berichten, vor allem jedoch, um ihn zum Frieden mit Boleslaw zu bewegen. Zu Beginn des Jahres 1009 begibt er sich nach Preußen und erduldet hier, vielleicht schon am 9. März, im Grenzland zwischen Preußen, Litauen und Rußland mit achtzehn Begleitern das Martyrium9). Es ist also ein seltsam bewegter Werdegang, der hier ein augenscheinlich heißersehntes Ende gefunden hat. Ein Unbefriedigter, Rastloser, dessen Leidenschaften nur von wenigen ausgleichenden Zügen zusammengehalten wurden, so von seiner unbedingten Hingabe an *) Thietm. VI. 58 (MG. SS. n. s. 9, 345). Vgl. auch Damiani vita s. Romualdi c. 27 (Migne 144, 977). 2) Vita s. Romualdi c. 69 (Migne 144, 1006). 3) Ferdinand Gregorovius: Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter. Dresden 1926. Bd. 1, S. 822 und 1462. Vgl. dazu Walter Franke: Romuald von Camaldoli und seine Reformtätigkeit zur Zeit Ottos III. (in: Historische Studien veröffentl. von E. Ebering, H. 107, 1913), S. 46ff. 4) Zwischen dem 15. Februar und dem 25. März 1001, vgl. DD. O. III.: 391—394. 6) Vgl. bes. Brun. Passio sanctorum Benedicti et Johannis ac sociorum eorundem c. 2, 5, 11, 13, 25 (MG. SS. XV/2. 720, 722, 727, 730, 736) und Brun. Passio sancti Adalberti episcopi et martyris c. 24, 27, 31 (MG. SS. IV. 607, 609, 611). Vgl. auch H. G. Voigt: Eine neuerdings wiederentdeckte mittelalterliche Lebensbeschreibung des Preußenmissionars Brun von Querfurt (in: Sachsen und Anhalt, 3, 1927), S. 101. Auch Ludwig Zoepf: Das Heiligenleben im 10. Jahrhundert (in: Beitr. zur Kulturgeschichte des Mittelalters und der Renaissance. H. 1, 1908), S. 125, auch 103f. 5). Vgl. H. Zeissberg: Über die Zusammenkunft Kaiser Ottos III. mit Herzog Boleslaw I. von Polen zu Gnesen (in: Zeitschrift für die österreichischen Gymnasien 1867. H. 5), bes. S. 327. *) Vgl. Gesta epp. Haiberst. (MG. SS. XXIII. 89). Auch Vita s. Romualdi c. 27 (Migne 144. 977). 7) Vgl. Voigt, S. 96f. und bes. S. 271/A. 406. 8) Brun. Passio c. 13 (MG. SS. XV/2. 730ff.). 9) Über das Datum vgl. Voigt, S. 290/A. 523, über den Ort S. 126f. und S. 292/A. 524. Über die Bestattung s. Voigt, Eine neuerdings wiederentdeckte mittelalterliche Lebensbeschreibung, S. 105f.