Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

III. Heraldik und Geneologie - 20. Carl Äusserer (Wien): Die „Gando de Porta Oriola“ von Trient

Gando de Porta Oriola. 341 mierung eines vorzeitig geborenen Sohnes Franz weisen darauf hin, daß die Frau Polla keinem Herrengeschlechte entstammte, die Ehe demnach keine standesgemäße gewesen ist. Diesem Umstande mag das auffallende Verhalten des Bruders Jordan zuzuschreiben sein, das nach dem kurz darauf erfolgten Tode Egans zu einem von ihm angestrengten Erbschaftsstreite geführt hat. Zwischen dem 24. Mai und 9. August 1317 muß Egan verstorben sein, da von letzterem Tage die Bestellungsurkunde des Notars Martin, genannt Ademecomando, zum Testamentsvollstrecker und Vertreter im Rechtsstreite gegen Jordan datiert ist1). Auch hören wir, daß Jordan der Witwe und dem Sohn den Eintritt in ihr Haus verweigert hat, weshalb sie derzeit kein vollständiges Inventar anfertigen könne ,,quod ad presens non potest omnia bona dicte hereditatis spectantis ad dictum Franciscum pupillum sereatim describi facere in hoc publico inventario ex eo, quod de facto impeditur et expulsa est cum dicto pupillo de domo predicti qd. dni. Egeni sui viri et patris dicti pupilli per dnm. Zordanum suum cognatum et patruum dicti pupilli“ 2). Aus den von der Frau Polla angelegten Inventaren ersehen wir Egans Häuserbesitz in Trient und seinen Grundbesitz in der näheren und weiteren Umgebung der Stadt. Er besaß die Hälfte eines Hauses mit Turm, Baulichkeiten und Garten in der contrata Dossi in Trient mit allem darin befindlichen Inventare, die Hälfte eines gemauerten großen Hauses in der contrata Mercati, der heutigen Via Lunga, die Hälfte einer Mühle außerhalb der Porta S. Francisci super Rozalle S. Francisci, die Hälfte einer Stupa, Badhauses in der contrata S. Mariae, der heutigen Via della Prepositura, und Güter, Zinse und Zehente zu Barbaniga, Mazzaniga, Orzano, Trient in Lidorno und post Castrumtridentum, Meano, Albiano, Pressano, Zambana, Cembra und Sevignano 3). Über den Ausgang des Pro­zesses selbst konnte ich nichts Näheres erkunden. Es ergibt sich aber aus den späteren Grund­verleihungen, daß die Erbschaftsrechte des durch die Ehe nachträglich legitimierten Sohnes Franz anerkannt worden sind. Franz ist zwar Bürger von Trient, hat aber seinen regelmäßigen Sitz in Pergine. Zahl­reiche Urkunden berichten uns über von ihm getätigte Verleihungen 4). Sie betrafen alle ererbten Güter und es kann daher kein Zweifel darüber obwalten, daß der prozessierende Bruder Egans, Jordan, den von ihm erstrebten Erfolg in der Erbschaftsfrage nicht erreicht hat. Franz stand in besonders gutem Verhältnisse zum damaligen Hauptmanne auf Schloß Pergine Rampret von Schenna, dem er ,,ob multa servitia habita“ einen ewigen Weißweinzins aus seinem ererbten Gute zu Ravina bei Trient gesichert hat 5). Seine letzte mir bekannte Verleihung vollzog er in Trient am 14. März 1356 6). Weder der Name einer Frau noch von Kindern sind uns von ihm überliefert. Megenard, der drittälteste Bruder, war treuer Vasall des Bischofs. Wegen geleisteter treuer Dienste ,,in equitando cum ipso domino episcopo cum armis et sine armis ad dominum patriarchum Aquilegensem et per episcopatum Tridentinum et cum eo existenti inCastelmanio, ubi idem dominus episcopus obsessus et captivatus fuit per ministeriales domini comitis Tyrolensis nunc ducis Carinthie et similiter cum ipso domino episcopo per Lombardiam ad dominum episcopum Portuensem tunc legatum sedis apostolice et per Alemaniam ad dominum R. Dei gratia illustrem regem Romanorum et ad Romanam curiam etc... “ wird er vom Bischöfe Heinrich II. (1274—1289) am 23. Februar 1289 in Rom mit dem Schlosse Sejano, wie es einst der verstorbene Thomasius von Sejano innehatte, und mit der Hälfte der Schlösser Gresta und Nomesino, wie diese einst Jacominus von Gardumo hatte, und mit einer Hufe zu Mais belehnt. Infolge besonderer Verdienste also, die sich Megenard erworben hatte, indem er den Bischof auf seinem Zuge zum Patriarchen von Aquileja und auf seinen 1) Ebenda, Urk.-Nr. II. 632. 2) Ebenda, Urk.-Nr. II. 738. 3) Innsbruck, Landesregierungsarchiv, Urk.-Nr. II. 632. 4) Ebenda, Urk.-Nr. P 853, P 421, P 1269, P 464, P 465, P 469, P 1268, P 330, P 1385, P 1273. 5) Ebenda, Urk.-Nr. II. 4037. 8) Ebenda, Urk.-Nr. P 1545.

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