Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

III. Heraldik und Geneologie - 20. Carl Äusserer (Wien): Die „Gando de Porta Oriola“ von Trient

342 Äusserer, Reisen durch das Bistum begleitete, daß er mit ihm das Los der Gefangenschaft auf Castelmani (1282), teilte — dem bischöflichen Schlosse von Banale in Judicarien, von dem heute nur mehr wenige Überreste stehen —, in dem Bischof Heinrich von den Ministerialen des Tiroler Grafen belagert und gefangengehalten wurde, daß er weiter mit ihm durch die Lombardei zum Bischof von Oporto, damaligen päpstlichen Nuntius, nach Deutschland zum Könige und schließlich an die römische Kurie gezogen ist, ist diese Belehnung in Rom erfolgt x). Sie muß aber nur eine vorübergehende gewesen sein, denn wir hören nichts mehr davon. 1292 vermählte sich Megenard mit Katharina, der Tochter des damals bereits verstor­benen Herrn Belaverius de Belenzanis, die dem durch den späteren Volkshelden Rudolf de Belenzanis * 2) berühmten Trientner Geschlechte der Belenzani entstammte. Die Belenzani zählten als altes angesehenes Richtergeschlecht zu den bedeutendsten Trientner Bürgerfamilien, erscheinen zu Beginn des 13. Jahrhunderts bereits als Herren de Belenzanis, gekennzeichnet und benannt nach einem Stammvater und Namengeber Belenzanus, der zum viel gebräuchlichen Vornamen des Geschlechtes und auch zum Familiennamen geworden ist. Schon im 13. Jahrhunderte verzweigte sich dieses hervorragende Geschlecht in zahlreiche Äste. Viel genannt ist ein dominus Belenzanus iudex Mitte des 13. Jahrhunderts, dann wieder ein dominus Belenzanus iudex in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Einen Einblick in den Besitzstand der Belenzani im 13. Jahrhundert vermittelt uns ein Güter- und Zinsverzeichnis des Bonaverius de Belenzanis und seiner Neffen Jacobin und Bonolin vom Jahre 1287 3). Meine beiliegende Stammtafel der älteren Belenzani ergänzt die Angaben Festis4) und zeigt die verwandtschaftlichen Zusammenhänge dieser mit den Gando. Megenard verstarb gegen 1310 kinderlos 5). In diesem Jahre glichen sich die beiden Familien der Gando und Belenzani wegen der seinerzeitigen Mitgiften aus. Die Witwe Katha­rina heiratete 1310 in zweiter Ehe den Dominus Tridentinus stazonerius, Sohn des ver­storbenen Tridentin Mediasoma stazonerius von Trient 6) und nicht, wie Burglechner und Festi schreiben, ihren Schwager Tridentin, Bruder ihres verstorbenen Mannes Megenard. Die Mediasoma waren eine alte angesehene Trientner Kaufmannsfamilie, die zur damaligen Zeit im Emporblühen war. Gandus, der viertälteste Sohn Trentins, war Trientner Kanoniker. Er besaß in Trient in der Stadt ein Haus mit Garten zu St. Peter, das nach Absterben des Petrus Bataya durch das Domkapitel als Zinslehen an Capelletus, Sohn des weil. Girard Capelletus verliehen worden ist 7). Der Kanoniker Gandus erscheint als solcher noch in vier weiteren Urkunden der Jahre 1286, 1289, 1290 und 1291 erwähnt8), immer als Handlungszeuge von Transaktionen des Kapitels. Um 1291 scheint er gestorben zu sein, da er in keiner späteren Urkunde auf­*) Innsbruck, Ferdinandeum, Dip. 612, S. 131, Nr. 98. Festi, Castel Sejano, p. 339; über die all­gemeinen Ereignisse vgl. Egger Jos.: Bischof Heinrich II. von Trient (1274—1289), insbesondere sein Streit mit Meinhard II., seit 1254 Grafen von Tirol und seit 1286 Herzog von Kärnten. Progr. Staats­gymnasium Innsbruck, 1884. 2) Vgl. Reich Desiderio: Rodolfo de Belenzani e le Revoluzioni Trentine (1407—1409) Trento, 1907. (Enthält auch Bemerkungen über das Geschlecht der Belenzani.) 3) Äusserer C.: Un elenco di beni e di affitti della famiglia Belenzani nel secolo XIII. Studi Tren- tini VII., Trento 1926. 4) Memorie genealogiche sulla Nobil famiglia Trentina De Belenzani. Verona 1896, S. 15 und Stammtafel. 5) In einer Urkunde vom 27. April 1318 (Innsbruck, Landesregierungsarchiv, Urk.-Nr. P 851) erscheint im Zusammenhänge einer Investierung des Jordan de Gando unter den Zeugen ein „Ottolinus fi. nat. dni. Megenardi de Tridento“. Wahrscheinlich ist dieser Ottolin ein außerehelicher Sohn Megenards de Gando gewesen. ®) Innsbruck, Landesregierungsarchiv, Urk.-Nr. P 52. 7) Äusserer, Regesto, Nr. 150. 8) Ebenda, Nr. 130, 142, 145 und 155.

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