Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

III. Heraldik und Geneologie - 20. Carl Äusserer (Wien): Die „Gando de Porta Oriola“ von Trient

328 Äusserer, Domini Gandolfini, Ulrich Maj und seiner Genossen bildete er eine laboreria — eine Arbeits­gemeinschaft —, ein Gewerk, das im Jahre 1213 in einem Werkstreite mit den Inhabern der Werke am Monte Vacino nördlich von Trient lag. Der Streit wurde durch ein erwähltes Schiedsrichterkollegium entschieden x). In den älteren Bergwerksakten heißt es ausdrücklich, daß die Inhaber von Silberbergwerken in der Stadt Trient zu wohnen haben und Bürger der Stadt sind. Gandus war demnach als Inhaber von Bergwerken Bürger von Trient, das Bergwerk aber der Quell seines wachsenden Reichtums und damit der Ausgangspunkt zur Hebung seiner wirtschaftlichen und damit auch sozialen Stellung. In dem vorerwähnten Schlichtungsinstrumente sind als Gastalden Albert von Sejano, Riprand, Sohn des weil. Ulrich, Sohnes des weil. Otto Richus, und Ulrich, Sohn des Rambald, genannt. Mit diesen den Herren von Sejano, Richi und Rambaldo stand Gandus zweifellos in engster Berührung und Beziehung. Sie waren auch Grubenbesitzer und Bürger von Trient. Die Herren von Sejano, deren Stammschloß einst am Eingänge des Sarcatales südwest­lich von Arco zwischen den kleinen Ortschaften Bologna und Vignola gestanden war, erscheinen urkundlich schon Mitte des 11. Jahrhunderts mit einem Ingenuin de castro Sejano, von dem uns die Namen zweier Söhne, Konrad und Ulrich, überliefert sind. Konrad pflanzte das Geschlecht mit einem Sohne Bartolomeus fort. Dieser hatte vier Söhne: Ducinantius, Ulrich, Heinrich und Albert. Ulrich war Kanoniker und die beiden anderen Brüder, Heinrich und Albert, werden zu Trägern der weiteren Stammesfolge des Geschlechtes. Der genannte Albert ist jener dominus Albertus de Sejano, der in obigerUrkunde genannt ist. Das Geschlecht war eines der ältesten, bedeutendsten und machtvollsten neben den Castelbarco, Arco, Flavon und Lodron im alten Fürstentume * 2). Weniger wissen wir von den Richi, die 1166 gleichzeitig mit dem ältesten uns bekannten dominus de Porta Oriola zum ersten Male mit einem Trentinus filius Ottonis Divitis begegnen. Ein späterer Sohn des Otto namens Riprand (Riprandinus) wird zum Stammhalter der weiteren Geschlechtsfolge. Seine Schwester Bona war mit einem Grafen Ulrich von Flavon vermählt, deren Verschwägerung mit den bedeutenden Grafen von Flavon uns das Ansehen der Richi verbürgt 3), das, wie der Name besagt, auf Reichtum begründet war. Wir werden sie noch einmal begegnen. Das dritte Geschlecht, das der Rambaldo, das 1147 in Trient 4) mit einem Rambaldus bonus homo de Tridento de Foro (de Mercato) auftaucht, teilte sich frühzeitig in zwei Äste, jene der Rambaldo und jene der Wicomar, auf die ich noch zurückkomme. Am wenigsten ist uns von den beiden anderen Geschlechtern, der Maj und Gandulfin, überliefert, die uns nur in einzelnen Namen aufscheinen. *) Kink, Cod. Wang. Nr. 241; zur Bergwerksgeschichte vgl. Sperges Josef v.: Tyrolische Berg­werksgeschichte (usw.), Wien, 1765, und Wolfstrigl-Wolfskron, Max Reichsr. v.: Die Tiroler Erzbergbaue 1301—1865. Innsbruck, 1903. J) Vgl. Festi, Cesare Conte de: Memorie genealogiche sugli antichi Signori di Castel Sejano nel Trentino. Giornale araldico-genealogico diplomatico (etc.), Anno XXIV., 1886, nuova serie tom. V., S. ff. 327 (mit einer Stammtafel). 3) Vgl. Ladurner Just.: Die Grafen von Flavon im Nonsberg. Archiv für die Geschichte und Alter­tumskunde Tirols. V. Jg., Innsbruck, 1869, S. 158. Stammtafel der Richi: Otto Dives 1166 Petarinus Pascalis Trintinus Riprandinus (Riprandus) 1208 1208 1166 1204—1213 4) TUB., I., 1., Nr. 230. Bona 1236 Ulrich Gr. v. Flavon

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