Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

III. Heraldik und Geneologie - 20. Carl Äusserer (Wien): Die „Gando de Porta Oriola“ von Trient

Gando de Porta Oriola. 327 spätere Gegenbischof Ulrich de Porta angehört hat, und dann, da es Familien mit der Bezeichnung de Porta — auch Domini de Porta — auch anderwärts im Trentino, wie beispiels­weise in Cembra, gegeben hat. Der Name de Porta kommt wiederholt vor. Mehr erfahren wir über die de Porta Oriola aus einem Versöhnungsinstrumente des Bischofs Friedrich von Wangen (1207—1218) mit rebellischen Stifts Vasallen. Die Urkunde bildet den Abschluß eines ganz gewaltigen Kampfes rebellischer Vasallen gegen den Bischof, an dem auch die Grafen von Tirol und die Stadt Trient beteiligt waren. Die Rebellen hatten das nahe, nördlich von Trient gelegene Schloß Kron-Mez eingenommen, geplündert, hatten sich bei Arco gelagert, die Einwohner von Vigolo beraubt, Schloß Cedra bestiegen und das alte Schloß Povo ober Trient eingenommen. Mit Achterklärung und mit eigenem Heere mußte der Bischof ausziehen. Der Friedensschluß fand unter Glockenschlag in der Voll­versammlung der Bürger von Trient im bischöflichen Palaste zu Trient am 30. Mai 1210 statt. Unter den angeführten Zeugen, hervorragenden Stifts Vasallen, ist ein Gandus de Porta Auriola1) angeführt. Dieser Gandus de Porta Oriola, der unter den Getreuen des Bischofs aufscheint, ist der Stammvater und Namengeber unseres Geschlechtes der Gandus de Porta Oriola — zweifellos eines Astes der de Porta Oriola, der durch ihn begründet wurde, da nicht angenommen werden kann, daß in dem kleinen eng begrenzten Stadtteile der porta Oriola ein zweites Herrengeschlecht gleichen Namens dort gelebt hat. Das tragische, das uns gleichzeitig in dieser Urkunde überliefert wird, ist der Umstand, daß unter den Zeugen der namentlich angeführten Rebellen auch der bereits erwähnte Henricus filius quondam Adelpreti de Porta Oriola sich findet — ein Sohn des Kanonikers Adelpret! Dieser hatte sich also auf Seite der Gegner des Bischofs gestellt und noch dazu jenes Bischofs von Wangen, der als kräftiger zielbewußter Nachfolger des schwachen Konrad von Beseno (1198—1205) nicht nur mit eiserner Hand den Aufstand der unbotmäßigen Vasallen niedergeschlagen hat, sondern auch das Bistum zu neuerlichem Glanze emporgehoben hat. Allbekannt ist seine Persönlichkeit nicht nur in der engeren Lokalgeschichte, sondern auch in der allgemeinen Geschichte als jener Persönlichkeit, die außer seiner hervorragenden politischen Tätigkeit auch jene Urkundensammlung begründete, die die Rechte des Bistums vereinte. Sie wurde von ihm angelegt im konsequenten Verfolgen seiner Pläne und Absichten. Die unglückselige Teilnahme des Heinrich de Porta Oriola am Aufruhre aber mag der Grund gewesen sein, warum wir von ihm, obwohl der Bischof allen Rebellen vergeben hatte, nur mehr wenig hören. Sein Vater Adelpret hatte 1191 testiert. Das Testament ist vom 27. Juni datiert2). Zum Erben hatte er seinen Sohn Heinrich eingesetzt und zur Verwalterin seines Hauses und seiner Güter seine Frau Nigra bestellt, der im Falle der Aufgabe ihrer Stellung vom Erben und Sohne Heinrich 400 Pf. B. auszuzahlen waren. Seiner Tochter Matilde hatte er ein Legat von 500 Pf. B. und 100 Pf. B. für ihren Lebensunterhalt ausgesetzt. Bei kinderlosem Tode des Erben folgte ihm in der Erbschaft seine Schwester Matilde. Da im Testament keine weiteren Nachkommen erwähnt sind, so ist wohl anzunehmen, daß der in einer Urkunde vom 31. März 1196 3) unter den Zeugen angeführte dns. Adelpretus Longus fii. dni. Adelpreti de Porta Oriola bereits zur Zeit der Testamentserrichtung verstorben war oder daß dieser Adelpret einem anderen Zweige der de Porta Oriola angehört hat. Für letzteres würde das Aufscheinen eines gleichnamigen Adelpretus Longus in einer Zeugenreihe einer Urkunde von 1205 sprechen 4). Drei Jahre später erfahren wir schon mehr. Wir lernen Gandus als Grubenbesitzer, als mitbeteiligten Inhaber von Bergwerken, als Gewerken, kennen. Gemeinsam mit den q Kink, Cod. Wang., Nr. 85. qSantifaller Leo: Urkunden und Forschungen zur Geschichte des Trientner Domkapitels im Mittel- alter, I. Bd. Urkunden zur Geschichte des Trientner Domkapitels. Veröffentlichungen des Institutes für österreichische Geschichtsforschung, Bd. 6, Graz, 1948, Nr. 13. 3) Innsbruck, Landesregierungsarchiv, Urk.-Nr. 438. 4) Santifaller Leo: Trientner Domkapitel, Urk.-Nr. 14.

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