Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

III. Heraldik und Geneologie - 18. Wolfgang Kotz (Wien): Das Schweizer Wappenbuch

304 Das Schweizer Wappenbuch. Von Wolfgang Kotz (Wien). I. In der im Österreichischen Staatsarchiv, Abteilung Allgemeines Verwaltungsarchiv, befindlichen Bibliothek des ehemaligen Adelsarchivs ist unter Katalognummer 214 eine Handschrift enthalten, die im Katalog als „Schweizer Wappenbuch“ bezeichnet ist. Diese Handschrift besteht, wenngleich ihre Seiten fortlaufend numeriert sind und sie nur ein Register enthält, im Grunde genommen aus zwei disparaten Teilen; der erste Teil rechtfertigt die im Katalog enthaltene Bezeichnung der Handschrift, da er sich tatsächlich als eine Sammlung von Schweizer Wappen darstellt, während der zweite Teil die Namen und Wappen der Edlen und Herren enthält, welche mit Erzherzog Leopold III. in der Schlacht bei Sempach am 9. Juli 1386 den Tod gefunden haben. Die Handschrift ist nicht datiert. Was ihre vermutliche Entstehungszeit betrifft, so ist zu bemerken, daß von den zahlreichen Zeitzitaten die Jahreszahl 1653 auf Seite 214 als die jüngste aufscheint; da überdies auf Seite 21 in einem Vermerk im Zusammenhang mit der Angabe „adhuc supersunt“ die Jahreszahl 1645 vorkommt, dürfte man in der Ansicht nicht fehl gehen, die Zeit unmittelbar nach 1653 als ihre Entstehungszeit anzusetzen; sie ist also bedeutend später als die ähnliche im Haus-, Hof- und Staatsarchiv befindliche Handschrift über die bei Sempach Gefallenen (Supplementum 1237 W 1030) entstanden. Da im ersten Teil nahezu 2000 Wappen von Familien und juristischen Personen, die mit der Schweiz in irgendeiner Beziehung gestanden sind, dargestellt sind und fast jedem Wappen außer dem Namen des Wappenträgers eine kurze mit Daten versehene Legende beigesetzt ist, ist eine nähere Besprechung dieses Wappenbuches nicht nur von biblio­graphischem Wert, sondern befriedigt auch in weitgehendem Maße anderweitige Interessen, so vor allem auf dem Gebiete der Heraldik; ist doch die Schweiz als jenes Land anzusehen, in dem die Pflege der Heraldik auch jetzt noch am lebendigsten ist; man braucht sich nur vor Augen zu halten, daß man es in der Schweiz als ganz selbstverständlich ansieht, daß jeder Kraftwagen mit zwei Darstellungen der Jahrhunderte alten Wappen versehen ist. Daß nicht zuletzt auch andere Wissensgebiete auf ihre Rechnung kommen, davon wird im Verlaufe der Abhandlung noch die Rede sein. Was die äußere Form des Wappenbuches betrifft, so handelt es sich um ein in schwarzes, bereits etwas abgeschabtes Leder gebundenes Buch im Format 32 : 21cm mit hölzernen (nunmehr gebrochenen) Deckeln; es zeigt reichgemusterten Goldschnitt. Auf der Innenseite des ersten Deckels sind — wohl entweder als Widmung oder als Eigentumszeichen — die Worte: „ä Mr. le Comte W. de ...........(folgt ein ausradiertes Wort, offenbar der Name dieses G rafen) No. 5 ........... (folgen einige unleserliche Zeichen)“ geschrieben. Das Buch trägt die Stampiglien sowohl der k. k. vereinigten Hofkanzlei als auch des Adelsarchivs des K. k. Ministeriums des Innern, woraus zu schließen ist, daß es bereits vor 1848 zugewachsen ist. Die Suche nach einem allfälligen Übernahmsakt ist vergeblich gebheben. Die einzelnen Seiten weisen je vier durch senkrechte und waagrechte Bleistiftlinien abgeteilte rechteckige Felder im Ausmaße von 12 : 8 cm auf u. zw. ohne Rücksicht darauf, ob es sich um leere oder um ausgefüllte Seiten handelt und ob diese Einteilung zu der Aus­stattung der Seiten paßt.

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