Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)
III. Heraldik und Geneologie - 18. Wolfgang Kotz (Wien): Das Schweizer Wappenbuch
Das Schweizer Wappenbuch. 305 Die Überschrift im ersten Teil lautet: „Namen Vnd Wappen Aller Graffen vnd Freyherren, sambt Allen Adelspersohnen, Welche vor Etlich Hundert Jahren, In der Eidt- gnoschafft, sich Auffgehalten, Mit angehenckhten Namen, Wappen, Ihro Schlösßeren, Vestinen, Meyerheüsseren vnd Burgen, so Sye Zu Österreichischen Zeythen, besäsßen haben, Auch darbey Ville, von Jhnen, an die Eidtgnosßen, Verkaufften Herrschafften, sambt Etlichen Clösteren, Stiftungen vnd Anlösen, Wo, vmb wie vil gelts, vnd Jn welchem Jahr selbige beschehen: Ist mit allem fleiß, dem Alphabet nach, Verzeichnet, vnd in die Farben gebracht worden, Mit angehenckhtem Register, wie Zufinden.“ Die Aufschrift ist mit einem mehrfarbigen Groteskrahmen umgeben, der zu beiden Seiten in eine weibliche unbekleidete Halbfigur mit langem mehrfach gedrehtem Hals ausläuft. Auf dieses Blatt folgen sogleich die Blätter, auf denen die Wappen abgebildet sind, die auf Namen mit dem Anfangsbuchstaben A lauten. Die weiteren Buchstabengruppen werden jedesmal von einem Blatt eingeleitet, das auf der Rückseite den von einem Zierrahmen umgebenen Anfangsbuchstaben — zum Teil mit der Aufschrift „Littera secunda (usw.)“ — zeigt. Die durch die oben besprochenen rechtwinkeligen Bleistiftlinien auf jeder Seite entstandenen vier rechteckigen Felder sind zur Aufnahme je eines Wappens nebst Legende bestimmt; in Ausnahmsfällen füllt das Wappen zwei nebeneinander befindliche Felder aus. Die in der linken Hälfte der Seiten erscheinenden Wappen sind im Spiegelbild dargestellt, wobei der Autor es allerdings übersieht, in den Wappenschilden vorkommende Buchstaben spiegelbildlich wiederzugeben. Die Schilde sind, sofern es sich um Wappen mit einem Helm handelt, schiefgestellt, u. zw. in der Weise, daß die Schilde in den linken Teilen der Seiten nach (heraldisch) links, in den rechten Teilen der Seiten nach (heraldisch) rechts gewendet sind und die Helme auf dem Obereck ruhen. Die Wappenbilder sind anscheinend sämtlich von einer Hand gemalt u. zw. mit Benützung von Schablonen für Schild, Helm und Helmdecken. Der Text der Legenden ist zum überwiegenden Teil von einer Hand geschrieben, vereinzelt sind Zusätze hiezu von einer anderen Hand gemacht, von der auch bei einzelnen Buchstabengruppen die Legenden zu den letzten Wappenbildern stammen. Da zum Schlüsse einer jeden Buchstabengruppe noch mehrere Seiten nicht ausgefüllt sind, hat es den Anschein, daß diese Sammlung nicht als abgeschlossen angesehen wurde, sondern dazu bestimmt war, durch nachträgliche weitere Eintragungen ergänzt zu werden. Ganz vereinzelt — u. zw. nur viermal — finden sich Wappenbilder, bei denen übersehen ist, eine Legende beizusetzen. Was die Art der Wappen betrifft, so handelt es sich in der überwiegenden Mehrheit um Familienwappen. Eine kleine Minderheit bilden die Territorialwappen, von denen einige überraschenderweise Helm, Helmdecken und Helmzier aufweisen. Ganz vereinzelt finden sich Amtswappen vor. Bei den Familienwappen ist der Mangel der Helmzier als Ausnahmsfall anzusehen; das Fehlen des ganzen Oberwappens ist als besondere Seltenheit zu verzeichnen. Die Wappen sind in den heraldischen Tinkturen gehalten. Die Verwendung von Naturfarben für die Darstellungen natürlicher Figuren kommt nur ganz vereinzelt vor. Bei Wiedergabe menschlicher Gestalten wird — abgesehen von Mohren — die Fleischfarbe durch die weiße Tingierung ersetzt. Ein Fehlen der Tingierung und eine Wiedergabe der Figuren bloß in den Konturen ist als Ausnahmserscheinung anzusehen. Wenn es sich um die bildliche Darstellung von Wappen von Familien handelt, bei denen die einzelnen Zweige wohl den gleichen Schild, jedoch eine andere Helmzier führten, vereinfacht der Verfasser in manchen Fällen die Ausführung dadurch, daß er die Darstellung des Schildes nicht wiederholt, sondern bloß das Oberwappen in das Rechteckfeld stellte 20