Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

III. Heraldik und Geneologie - 17. Anna Coreth (Wien): Ein Wappenbuch Kaiser Maximilians I.

291 Ein Wappenbuch Kaiser Maximilians I. Von Anna Coreth (Wien). Einleitung. Die Fülle an Ideen, die im Gelehrten- und Künstlerkreis um Kaiser Max I. und in dessen eigenem genialen wie sprunghaften Geiste auf blitzten und sich kreuzten, ehe sie Gestalt annahmen, oder verschwanden, ehe sie zu fassen sind, scheint fast unerschöpflich: der Reichtum spätmittelalterlicher Formen wurde damals vom Geist der Renaissance berührt und neu durchpulst, dem alt-habsburgischen, österreichischen, deutschen Erbe strömte Neues aus Burgund und Italien zu, mittelalterliche Symbolik paarte sich mit Renaissance- allegorik; Heraldik und Genealogie waren zugleich Symbol und Apotheose wie auch schon Grundlage neuartiger Geschichtsforschung. Auch das hier vorliegende, unscheinbare, 25 Folien starke Heft, das, als ,,Wappenbuch“ betitelt, bisher von der Maximilian-Forschung völlig unbeachtet unter den habsburgischen Familienakten x) des Haus-, Hof- und Staatsarchivs ruhte, enthält eine solche Buntheit an Historie und Legende, Genealogie und Politik und wirft so wertvolle neue Lichter in den maximilianischen Ideenkreis, daß es sich lohnt, den ganzen Text mit einer vorangehenden kurzen Besprechung hier wiederzugeben, den sehr schwierigen, eingehenden Kommentar aber zu anderer Zeit nachfolgen zu lassen. Das „Wappenbuch“ ist außen von etwas späterer Hand auf 1507 datiert, der Inhalt bestätigt vollkommen diese Jahreszahl: Maximilian ist noch nicht als Kaiser bezeichnet, also ist die Schrift vor 1508 entstanden, und doch ist schon die Verabredung zur Doppel­hochzeit der königlichen Enkel, die am 20. März 1506 stattfand, vorausgesetzt* 2). Wie der Text im ganzen und in Einzelheiten in die Situation des Jahres 1507 hineinpaßt, davon wird noch zu reden sein. Trotz der Bezeichnung in der Titelüberschrift handelt es sich hier leider nicht um das Wappenbuch selbst, sondern das Heft enthält nur Legenden, die wohl erst später in ein Buch gemalt werden sollten. Unsere Papierhandschrift, deren nahe Beziehung zu Maxi­milian allein schon die Aufbewahrung unter den Familienakten verrät, ist wohl ein für ihn selbst angefertigter und reingeschriebener Textentwurf. Die Länder und Herrschaften, deren Titel Maximilian sich in seiner erweiterten „inoffiziellen“ Titulatur zu führen berechtigt glaubte, obwohl ihm nicht alle tatsächlich zugehörten, sind darin, beiläufig nach Rang ge­ordnet, mit Rücksicht auf ihre historische und rechtliche Zugehörigkeit oder ihre alte Bezie­hung zum Haus Habsburg besprochen. Der Plan einer augenfälligen Darstellung seiner Rechte und Ansprüche in einem prächtigen Wappenbuch, das dann etwa wie seine anderen künstlerischen Propagandawerke durch Holzschnitt vervielfältigt werden konnte, paßt genau in den maximilianischen Ideenkreis und ist gewiß auf Maximilian selbst zurückzuführen. Und so will ich schon jetzt meine Vermutung vorwegnehmen, daß es sich hier um das Pro­gramm zu dem bisher unauffindbaren Wappenbuch handelt, das der Kaiser unter den Büchern aufschrieb, die er „selbst macht“ oder vielmehr machen ließ 3). *) Kart. 4, Titel und Wappen. 2) Vgl. S. 298, Abschnitt Beheim: verwandt auch durch „neus Österreichs weiplichs geblut“. 3) Nat.-Bibl. Wien HS. 2835, fol. 39v. Die Eintragungen sind 1512 von Treitzsaurwein auf Diktat Maximilians geschrieben. Dieselbe Notiz im Gedenkbuch aus den Jahren 1509, 1510, 1512, 1513, Nat.-Bibl.

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