Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)
III. Heraldik und Geneologie - 17. Anna Coreth (Wien): Ein Wappenbuch Kaiser Maximilians I.
292 Coreth, Nun ist es zwar gelungen, mit weitgehender Sicherheit den Künstler festzustellen, dem die Wappenmalerei aufgetragen wurde, nicht aber den Verfasser des Textes. Die sehr schematische Kanzleischrift ließ sich nicht identifizieren. Doch will ich die Beziehung des Wappenbuches zur offiziellen habsburgischen Heraldik und Genealogie etwas näher beleuchten, vielleicht läßt sich dann die Verfasserfrage doch später einmal klären. Hatte Kaiser Friedrich III. seine Länderwappen mit Vorhebe auf Münzen prägen und neben den phantastischen Wappen nach der Chronik Stainreutters in ein Wappenbuch malen und an die Wand der Georgskirche in Wiener Neustadt meißeln lassen, so hatte auch Kaiser Max schon in verschiedener Art seine Länderwappen der Welt vorgeführt, am monumentalsten am Innsbrucker Wappenturm, der 1499 von Jörg Kölderer gemalt worden war x). Auch Wappenbücher hat es schon vor 1507 in seinem Besitz gegeben: so hatte er nach einem Inventar vom 7. Februar 1507 in einer Truhe zu Wiener Neustadt unter vielen anderen Schriften einen pergamentenen ,,Brief“ mit Wappen und Herkunft der Ahnen König Philipps des Schönen, aber auch einen mit allen seinen eigenen Wappen und Titeln verwahrt* 2). Wie lange diese Wappenbücher dort schon lagen, ist nicht gesagt. Da sie zu dem erwähnten Zeitpunkt wieder in die Truhe verschlossen und nicht dem König zugeschickt wurden, können sie kaum Vorlagen für die Wappenmalerei, die nun gerade in diesem Jahre einsetzte, gewesen sein. Im Gedenkbuch Maximilians aus den Jahren 1506 — 1508 ist nämlich vermerkt: „Mayster Jorg maler soll kn. Mt. alle Wappen niederländisch und teutsch noch ainmal förmlich und recht abmalen“ 3). Es ist sicher der Hofmaler Maximilians, der eben genannte Jörg Kölderer gemeint. Gerade im Jahre 1507 war er mit verschiedenen heraldischen Aufträgen für den König beschäftigt, so mit der Wappenmalerei zur Totenfeier für den im Vorjahr verstorbenen Philipp den Schönen 4), die in Konstanz stattfand, und mit Verbesserungen am Innsbrucker „Wappenhaus“ (Wappenturm)5). Zugleich heißt es aber auch in Kölderers Abrechnung: „Ich soll kn. mjt. auf pergamen malen alle landt, die ir. mjt. zuegehoren, schilt und heim und helmklainat“6). Über die künstlerische Ausführung dieses Auftrages durch den Maler ist weiter nichts bekannt, doch kann wohl kaum ein Zweifel bestehen, daß unser,, Wappenbuch“, das aus demselben Jahre stammt, die dazugehörigen historischen Unterlagen, bzw. Legenden enthält und daß auch die ebenfalls gleichzeitige Notiz im Gedenkbuch sich darauf bezieht7). War also kein Geringerer als der Hofmaler Kölderer ausersehen, das Wappenbuch zu malen, so haben wir den Autor des Textes wohl unter den Historikern und Chronikschreibern Maximilians oder unter deren Mitarbeitern zu suchen. Auf keinen allerdings weist der Text eindeutig hin. Da kommen vor allem jene Männer in Betracht, die damals mit den Vorarbeiten zu seinen historischen Werken, der Chronik und der Genealogie betraut waren, vor allem Ladislaus Sunthaym, der jahrelang in ständiger Verbindung mit König Max Material zur Habsburgergeschichte gesammelt hatte, zu diesem Zeitpunkt aber schon mehr mit der „Austria“ als mit der Stammchronik beschäftigt war; auch an Stabius, der oftmals in histoHS. 2900, fol. 2, gedruckt bei Chmel, Die Handschriften der k.k. Hofbibliothek in Wien, Bd. II (Wien 1841), S. 458; und im Gedenkbuch 1508—1515 in der Ambraser Sammlung, fol. 126, Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen des a. h. Kaiserhauses (im folgenden = Jb.), Bd. V, Reg.Nr. 4023. Vgl. Simon Laschitzer, Die Genealogie des Kaisers Maximilian I., Jb. VII, S. 2, Anm. 1. Diesen Hinweis verdanke ich Herrn Hofrat Dr. Karl Äusserer. *) Vgl. Oswald Redlich, Der alte Wappenturm zu Innsbruck. 26. Jahresbericht des Innsbrucker Verschönerungs Vereins, 1907; Nachdruck in Ausgewählte Schriften, 1928, S. 235. *) Jb. 5, Reg. 4493 (Fol. 29, 30). ») Jb. 5, Reg. 4021. 4) Jb. 2, Reg. 829; 1507 März 29, Straßburg. 6) Jb. 2, Reg. 831; 1507 März 30, Straßburg. ®) Ebenda. 7) Die obenerwähnten Verzeichnisse der von Maximilian geplanten Bücher, von denen das wichtigste (Nat.-Bibl. HS. 2835, fol. 355) 1512, die übrigen wahrscheinlich nicht früher zu datieren sind, geben keine Angaben über den Fortschritt der Arbeiten, lassen jedoch eher darauf schließen, daß diese noch nicht beendet bzw. erst geplant sind. Vgl. oben S. 291, Anm. 1; Laschitzer, a. a. O.