Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)
II. Paläographie und Diplomatik - 15. Hans Pirchegger (Graz): Über steirische Diplome
Über steirische Diplome. 259 gute ergänzen *). Das Diplom blieb im bischöflichen Archive Würzburg erhalten, denn Gottfrieds Bruder und Erbe Adalbero war dort Bischof. Aber Würzburg vermochte das Gut nicht zu halten, um 1138 erscheint ein Hochfreier Suitger von Gösting, der sich auch nach dem benachbarten Waldsdorf in der Gemeinde Tal nannte * 2). Im folgenden Jahrhundert war Gösting bereits Besitz des Landesfürsten als eine der Hauptfesten der Mittelsteiermark. Das Herrschaftsgebiet erstreckte sich nur über die gleichnamige Gemeinde und das scheint für zwei Königshuben zuwenig zu sein 3). Aber der Landesfürst besaß auch das nördlich benachbarte Weier und Hundsdorf — beide vertauschte er 1138 dem Erzbischof von Salzburg —, ferner Straßengel (860 zum Teil Salzburger Besitz: duo loca ad Strazinolun), Rötz und Judendorf, die 1147 (1189) an das Kloster Reun kamen, und in Gratwein einige Äcker 4). Das alles könnte das Königsgut von 1042 ausgemacht haben. Aber in Gratwein war auch die Edle Benedikta von Sindelburg (Oberösterreich) begütert, sie schenkte dem Kloster Reun zwei freieigene Güter daselbst und ihre Erben, die Hochfreien von Plankenberg-Kindberg vertauschten ihm noch ihr benachbartes Eigengut Stallhofen (1154 ?), daher Reun schließlich die ganze Gemeinde Grat wein besaß 5). Daß aber in diesem Dorfe nebeneinander der Markgraf und ein hochfreies Geschlecht gleichzeitig begütert waren, ist doch recht bezeichnend. Kaiser Heinrich III. schenkte dem Bistum Brixen am 20. Februar 1056 das Gut Odelis- nitz und allen anderen Besitz, der dem Ebbo wegen Hochverrates abgesprochen worden war, gelegen in der Mark und Grafschaft des Markgrafen Otahar 6). Zahn deutete Odelisnitz als Oisnitz bei Preding sowohl in seinem Urkundenbuch wie im Ortsnamenbuch. Ich konnte dagegen nachweisen, daß es Schwanberg sein müsse 7). Ebbo ist jener Kärntner Eppo, der wenige Jahre zuvor dem Erzbischof von Salzburg ein Gut bei Chapellun an der Sulm im Tausch hingab, ebenso wie der Edle Waltfried, daher beide irgendwie verwandt oder verschwägert waren 8). Ebbo war wohl der Bruder des 1035 gestürzten Herzogs Adalbero von Kärnten, Waltfried der Vater oder Großvater des Grafen Waldo von Runa, der 1103 genannt wird 9). Chapellun ist nicht Kappel bei Arnfels, wie bisher angenommen wurde — denn das liegt gar nicht an der Sulm —, sondern St. Martin unter Schwanberg, dessen Patronatsrecht dieser Herrschaft zustand. Ihr verlieh auch der Erzbischof später dort einen Hof als Lehen, wohl das Gut ,,ad Chapellun“ 10). 1048 bestätigte Kaiser Heinrich III. dem Bischof von Bamberg den Besitz des Gütleins (prediolum) Rotenmann oder Cirminah, ein Geschenk Kaiser Heinrichs II. n). In den vielen Diplomen, die dieser für sein neugeschaffenes Bistum von 1107 an ausgestellt hatte, wird Rottenmann nicht genannt, ebensowenig der andere Besitz des Bistums in Steiermark und *) MG. Dipl. V, Nr. 98 = StUB. 1, Nr. 52, S. 60. 2) StUB., Register. — H. Pirchegger, Beiträge zur steirischen Orts- und Familiengeschichte (Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark, 35. Jg., 1942, S. 48 f.). s) Stockurbare Herrschaft Gösting im Archive der steirischen Landesregierung. 4) StUB. 1, Nr. 174, S. 174; Nr. 261, S. 271, und Nr. 698, S. 684. 6) Ebenda, Nr. 172, S. 171. Über diese Urkunde: O. Wonisch, Über das Urkundenwesen der Traun- gauer (Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark, 22. Jg., 1926, S. 77); H. Pirchegger, Beiträge zur älteren Besitz- und Rechtsgeschichte steirischer Klöster (ebenda, 38. Jg., 1947, S. 21 ff.). *) MG. Dipl. V, Nr. 367 = StUB. 1, Nr. 62, S. 70. 7) Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark, 29. Jg., 1935. —Übrigens war, wie ich später sah, auch Zahn auf der richtigen Spur in seinen „Archivalischen Reisen“ (Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen, 6. Jg., 1869, S. 17). 8) SUB. 1, Nr. 11 und 12, S. 236 = StUB. 1, Nr. 58, S. 66. 8) H. Pirchegger, Beiträge zur älteren Besitz- und Reohtsgeschichte steirischer Klöster (Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark, 38. Jg., 1947, S. 15 ff.). 10) A. Lang, Die Salzburger Lehen in Steiermark bis 1520, Nr. 106/2, S. 127. — Vgl. Nr. 173/7: Hof zu St. Martin und Perglein; das wäre Stoding (Beiträge zur Forschung steirischer Geschichtsquellen, 43. und 44. Jg.). u) MG. Dipl. V, Nr. 224 = StUB. 1, Nr. 56.