Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

II. Paläographie und Diplomatik - 15. Hans Pirchegger (Graz): Über steirische Diplome

Über steirische Diplome. 249 des Herzogs Kozil frei geworden war; aber nach dem Pseudo Arnulf erhielt Salzburg daselbst nur die Abtei des hl. Adrian mit Zoll- und Steuereinkünften sowie Fischereirechten — die Stadt blieb ja in der Hand des Königs Ludwig d. D., Karlmann verlieh sie seinem Sohne Arnulf zugleich mit der Leitung Karantaniens wohl schon 876, was König Ludwig 880 bestätigte. 896 übergab Arnulf Unter-Pannonien und die Moosburg dem Herzog Brazlawo 1). Arnulf schenkte angeblich weiters an der Sulm die civitas Ziup (Flavia Solva) mit Zugehör: den Eichenwäldern und Feldern bis zum Graben, der von der Mur zur Laßnitz zieht, ferner das Königsgut zwischen Laßnitz und Sulm vom Ursprünge an und den Forst Sausal mit der Jagd auf Bären und Eber in den Süßentälern (St. Andrä). Nun hatte bereits König Ludwig d. D. am 20. November 860 dem Erzstifte Besitz ad Sulpam geschenkt, kaum etwas anderes als die Römerstadt, denn die Kirche trachtete ja überall darnach, solche zu erwerben. Arnulf hätte demnach den Besitz nur umschrieben und erweitert. Doch diese Erweiterung erfolgte wirklich erst am 7. März 970: Kaiser Otto schenkte den Niederhof mit 50 Königshuben, den angrenzenden Wald Sausal und bei der Stadt Zuib, ,,die nur von den Holden Salzburgs bewohnt wird“, ebenfalls das Königsgut und neben der Stadt den Ort Leib- nitz (Altenmarkt). Als Zugehör werden nicht bloß wie üblich Wälder, Wiesen und Weiden, sondern auch Weingärten, Almen und Kirchen genannt 2). Solche gab es demnach bereits vor 970; vielleicht hatten sie sogar die Ungarneinfälle überdauert. Wie dem nun auch war, der Fälscher des Arnulfinums datierte die Verleihung von 970 auf Arnulf zurück. So scheint es. Aber Erben meinte, es sei nicht ausgeschlossen, daß Otto eigentlich nur bestätigte, was Salzburg bereits vorher besessen hatte 3). F. Tremel hat jüngst die Lage des Niederhofes richtig bestimmt — wie ich glaube — und damit die Königsschenkung ins rechte Licht gestellt 4). Noch interessanter ist die Erwerbung Pettaus durch das Erzstift. Nach dem Arnulfinum hatten bereits die Vorgänger Arnulfs — also Karlmann und Ludwig d. D. — die Kirche mit dem Zehenten und zwei Teile der civitas mit Gerichtsbarkeit, Zoll und Brücke geschenkt. Arnulf gibt nur den dritten Teil dazu, der Eigentum des „Karantaners“ gewesen, ihm aber wegen Hochverrates abgesprochen worden war; doch blieben seiner Frau im oberen östlichen Teile der Stadt eine Hofstatt, „wo der neue Bau der Kirche angefangen wurde“, und im unteren westlichen Teile ihr Besitz an Hofstätten mit hundert Huben und zehn Weingärten. Für Pettau fehlt eine entsprechende jüngere Königsurkunde, wie sie für Leibnitz erhalten ist. An einen Verlust in späterer Zeit wird man nicht leicht denken dürfen, denn eine Spur hätte sich doch erhalten. 860 wurde Pettau nicht geschenkt. Kurz vorher hatte Herzog Priwina von Unter-Pannonien hier eine Kirche erbaut, wie die, .Bekehrungsgeschichte“ berichtet. Merkwürdig ist nun, daß die Salzburger Annalen zum Jahre 874 erwähnen, Erz­bischof Theotmar habe in Pettau eine Kirche eingeweiht, die Graf Gozwin erbaut hatte 5). Was für ein Interesse besaß Salzburg, gerade diese Weihe und nur sie zu verzeichnen ? Die Antwort auf diese Frage gibt die politische Lage dieser Zeit. Die Kurie hatte wenige Jahre zuvor den byzantinischen „Philosophen“ Methodius zum Erzbischof von Sirmium ernannt und ihm damit Pannonien unterstellt. Das rief den heftigsten Widerstand der bairischen Bischöfe hervor, Methodius wurde eingekerkert und erst durch den Macht­spruch des Papstes befreit, sein Amt wiederhergestellt. Einer seiner eifrigsten Anhänger war der Sohn und Nachfolger des Herzogs Priwina gewesen, Kozil, der ihn bei seiner Durch­x) H. Pirchegger, Karantanien und Unter-Pannonien zur Karolingerzeit (MIÖG., 32. Bd., S. 298 ff.). 2) MG. Dipl. I, Nr. 389, S. 530 = StUB. 1, Nr. 25, S. 29. 3) Karolingische und ottonische Besitzbestätigungen für das Erzstift Salzburg (Innsbrucker Festgruß, dargebracht der 50. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner in Graz), S. 58 ff. 4) Udulenidvor. Ein Beitrag zur Geschichte Deutschlandsberg (Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark, 35. Jg., 1942); ich habe bereits 1912 den gleichen Schluß gezogen (MIÖG., 32. Bd., S. 316). 5) MG. SS. IX, S. 770 und 865.

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