Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

I. Archiv-Wissenschaften - 9. Eduard Straßmayr (Linz): Das Schloßarchiv Weinberg (Oberösterreich)

Schloßarchiv Weinberg. 149 von 1632 und über die Gegenreformation. Zwei Bände betreffen die Internierung des Prinzen Ruprecht von der Pfalz (1639—1641) 1), und des Kurfürsten von Trier, Erzbischof Philipp Christoph Soeter (1635—1637) im Schlosse zu Linz, weiters den Briefwechsel mit Wallenstein. In die Familienverhältnisse der Kuefsteiner und ihre engen Beziehungen zu Standes­angehörigen geben für die Zeit von 1603 bis 1642 Privatbriefe, HeiratsVerträge, Ladschreiben, Testamente und Inventare Einblick. Der vielbeschäftigte Landeshauptmann hat nicht bloß die eingelaufene Korrespondenz mit Fleiß gesammelt, sondern ihr auch die Erledigung in eigenhändigen Konzepten und viele Abschriften von wichtigen Aktenstücken angefügt. Kommt der eben kurz gekennzeichneten Quellensammlung ein weit über den Rahmen Oberösterreichs hinausreichender geschichtlicher Wert zu, so bergen das Familien- und Wirt­schaftsarchiv zahlreiche Bausteine zur Landeskunde. Die sechs Jahrhunderte (1311—1910) umfassende Urkundenreihe beleuchtet den Aufstieg der Thürheimer zu einem der angesehensten österreichischen Adelsgeschlechter. Sie gibt Aufschluß über die rechtlichen Grundlagen des Herrschaftsbesitzes, den Güterzuwachs und über die Rechtsverhältnisse der Untertanen. Einen Bestandteil des Familienarchivs bilden die Zelkinger Akten, die bis in das 14. Jahr­hundert zurückreichen, Erbverträge, Stift- und Kaufbriefe und die Streitschriften bezüglich des Zelkinger Erbes von 1629 angefangen enthalten. Eine genaue Durchsicht dieser und der Kefermarkter Archivalien hat die schon vor langer Zeit aufgerollte und oft diskutierte Frage nach dem Meister des berühmten Flügelaltars einer Lösung nicht nähergebracht. Eine reiche Ausbeute für die Erforschung der österreichischen Adelsgeschichte bieten die über 200 Schuberbände füllenden Familienakten der Thürheimer, die bis in den Beginn des 16. Jahrhunderts zurückreichen. Da mehrere von ihnen im Staat und in der Landesverwal- tung wichtige Stellen bekleideten, kommt den mit ihrer Amtstätigkeit zusammenhängenden Schriften erhöhte Bedeutung zu. Ihr Wirken in der Landeshauptmannschaft, auf den Land­tagen und im Verordneten- und Raitrat-Kollegium findet durch kaiserliche und landeshaupt­mannschaftliche Reskripte, Berichte und Instruktionen, durch die Erbhuldigungsakten und landständischen Sitzungsprotokolle vielseitige Beleuchtung. Sie alle machen einen Bestand von mehr als 100 Schuberbänden aus. Für die Geschichte des 18. Jahrhunderts enthält das Weinberger Archiv ein reiches, bisher noch sehr wenig benütztes Quellenmaterial. Es kann den Aktensammlungen zur Zeit­geschichte, die unter dem hervorragenden Prälaten Johann Georg Wiesmayr (1732—1755) im Stiftsarchiv St. Florian entstanden, würdig angereiht werden. In den ereignisreichen Regierungsjahren Karls VI., in den Jahrzehnten der tiefgreifenden theresianischen und josefinischen Reformen auf politischem, wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet leiteten Christoph Wilhelm von Thürheim (1713—1738) und 25 Jahre später sein Enkel Christoph Wilhelm (1763—1786) als Landeshauptleute die Geschicke Oberösterreichs. Was sie dank ihrem Verwaltungstalent und rastlosen Eifer für das Land geleistet haben, tritt in den Akten des Familienarchivs deutlich zutage. Interesse beanspruchen die Tagebücher, welche Familienangehörige auf ihren weiten Reisen durch die Welt führten. Sie stammen aus dem 17. bis 19. Jahrhundert. Es war bei den Thürheimern alte Tradition, Familienbriefe und die weitreichende Korrespondenz mit dem Adel und mit angesehenen Persönlichkeiten sorgsam aufzubewahren. Die aus dem 17. bis 20. Jahrhundert erhaltenen Schreiben umfassen 116 Schuberbände. Am stärksten sind die in- und ausländischen Adelsgeschlechter, von Prinz Eugen angefangen, vertreten. Staatsmänner, Hof kreise, hohe kirchliche Würdenträger und Militärs, Männer der Wissenschaft und Kunst standen mit den Thürheimern in einem regen Briefwechsel. Der große geschichtliche Wert des Weinberger Archivs ist auch darin gelegen, daß es dank seiner fast lückenlosen Erhaltung das vielgestaltige Gefüge einer alten Grundherrschaft, den komplizierten Verwaltungsapparat, ihre Organisation als Obrigkeit und als Wirtschafts- l l) Landesarchiv Linz, Weinberger Archivalien, Handschrift Nr. 16.

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