Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

I. Archiv-Wissenschaften - 9. Eduard Straßmayr (Linz): Das Schloßarchiv Weinberg (Oberösterreich)

150 Straßmayr, körper aufzeigt. Die Handhabung der Gerichtsbarkeit — die Landesgerichts-, Kriminal- und Zivilprozeßakten sowie die Brief- und Inventurprotokolle umfassen 73 Schuberbände und 60 Handschriften — und des Steuerwesens läßt sich seit dem Beginn des 16. Jahrhunderts genau verfolgen. Vom Bauernaufstand 1595/97 bis zum österreichisch-preußischen Krieg 1866 lernen wir die Kriegsheimsuchungen unserer Vorfahren durch Landesaufgebot, Konskription, Einquartierung und Durchmärsche kennen. Den Herren auf Weinberg waren die Märkte und Aigen Kefermarkt, Lasberg, St. Oswald und St. Thomas am Blasenstein untertänig. Sie übten die Vogtei über eine Reihe von Mühl­viertler Pfarreien aus und nahmen auf das religiöse Leben (Reformation und Gegenreforma­tion, Geheimprotestantismus) und Schulwesen nachhaltigen Einfluß. Wer der Vergangenheit dieser bürgerlichen Gemeinwesen und Pfarrorte nachforscht, wird im Schloßarchiv viel Quellenmaterial bis zum 15. Jahrhundert zurück vorfinden. Hier harrt der Heimatforschung lohnende Arbeit. Ein umfassendes Bild gewinnen wir aus der Aktenfülle über die Herrschaft Weinberg als Wirtschaftseinheit. Vom 16. Jahrhundert angefangen bis zur Auflösung der alten Grund­obrigkeit im Jahre 1848 können die Untertanen Verhältnisse und an der Hand zahlreicher Urbare und Zehent-, Getreide- und Leinwandregister die grundherrlichen Abgaben unter­sucht werden. Über die bedeutenden Ausgaben der Herrschaftsverwaltung und den Besitz an Meier­höfen, Fischwassern, Jagd und Wald, Weingärten und Brauhaus legten Pfleger, Hof- und Kanzleischreiber und die verschiedenen Wirtschaftsämter Rechnung. Unter einer straffen Leitung kamen auch Handel und Gewerbe zur Entfaltung. Das Weinberger Archiv birgt reichhaltigen Stoff über die Entwicklung des Handwerks, dem die Thürheimer im beständigen Kampfe mit den bevorrechteten Zunftverbänden in den Städten und Märkten eine möglichst selbständige Stellung innerhalb ihres Herrschaftsbereiches geben wollten. Über die einst in Blüte gestandene Leinenweberei und den für den Export wichtigen Zwirnhandel im unteren Mühlviertel ist noch gänzlich unbekanntes Material vorhanden. In den Rahmen eines durch Jahrhunderte sorgfältig betreuten Schloßarchivs fügt sich gut die Sammlung von Patenten, Zirkularen und Verordnungen, welche in 157 Schuberbänden die Jahre 1516—1846 betrifft. Ein Teil von ihnen, die kaiserlichen und landeshauptmann­schaftlichen Patente 1566—1772, wurde vom Archivar Johann Adam Trauner in einem Reper­torium verzeichnetx). 1 1) Schloßarchiv Weinberg, Akten Bd. 313, Nr. 2.

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