Oskar Regele: Ergänzungsband 1. Der österreichische Hofkriegsrat 1556-1848 (1949)
IV. Das Werk des österreichischen Hofkriegsrates 1556-1848
71 zitieren, der von der Reform der Militärverpflegung im Jahre 1697 behauptet, sie hätte gesamtstaatliche Maßnahmen (Kriegssteuer, Winterquartier-Ordnung) zur Folge gehabt und die Einrichtung von Organen der Zentralregierung gefördert. Ende des 17. Jahrhunderts habe es an Zentralorganen bloß gegeben: den Geheimen Rat, das Präsidialbüro des österreichischen Hofkanzlers, die Hofkammer und den Hofkriegsrat. Die den Gesamtstaat erfassende Tätigkeit dieser vier Stellen war aber zum größten Teile auf militärischem Gebiete gelegen „und darin lag eigentlich die große staatsrechtliche Bedeutung des Wiener Hofkriegsrats.“ Man muß nur alles in allem nehmen und die Früchte am Baume sehen, nicht aber den einen oder anderen welken Ast. In den 292 Jahren des Hofkriegsrates gab es neben 98 Friedensjahren nicht weniger als 194 Kriegsjahre, rund doppelt so viel Krieg als Frieden. Unter ständigen Rüstungskrisen mußte Österreich zahlreiche Mehrfronten- und Bündniskriege durchfechten. Der Dreißigjährige Krieg tobte vom Bodensee bis nach Dänemark und von Westfalen bis nach Ungarn, das Habsburgerreich mit Vernichtung bedrohend; die Türkenkriege, mit dem Traum eines Kalifen von Rom, brachten immer gefährliche Gegner im Westen auf den Plan; im Spanischen Erbfolgekrieg wurde in den Niederlanden, in Deutschland, Italien, Spanien, Tirol, am Rhein, in Ungarn und in Siebenbürgen gerungen; im Österreichischen Erbfolgekrieg sollten Kämpfe in Österreich, Deutschland, am Rhein, in den Niederlanden und in Italien die Aufteilung Österreichs herbeiführen und schon triumphierte Fl eury, es gäbe kein Haus Habsburg mehr; die Franzosenkriege weiteten sich zu einem die Freiheit Europas bedrohenden Welt krieg aus und brachten auch Österreich an den Rand des Abgrundes. Von den gigantischen Aufgaben, die in solchen Stürmen der Geschichte vom Hofkriegsrat zu bewältigen waren, um Österreich immer wieder machtvoll zu erhalten, möge die Anlage 17 einen Begriff geben. Niemals ist es zu Zeiten des Hofkriegsrates zu einem Zusammenbruch wie etwa 1918 gekommen, niemals zu einer Katastrophe, wie vergleichsweise 1806—1807 in Preußen oder 1945 im Deutschen Reich. In der Zeit von 1495—1870 * 2) haben die österreichischen Waffen in 1720 größeren Schlachten 896 mal gesiegt und 824 mal verloren und die Verluste zeigen folgendes Bild: Verluste Österreich seine Gegner Generale 261 (233 tot und verwundet) 305 (279) Offiziere 17.096 (12.875) 10.099 (5.499) Mann 1,168.574 1,227.656 (773.981) (760.177) 56 Generale 159 Kriegsgefangene 4.174 Offiziere 8.044 289.041 Mann 359.079 Kanonen verloren 1.805 4.101 Feldzeichen verloren 969 2.033 Wenn sich dieser Zeitraum auch nicht vollkommen mit der Amtszeit des Hofkriegsrates deckt, so ist doch das Bild von der Bewährung der vom Hofkriegsrat geschaffenen österreichischen Armee erschöpfend und bedarf keinerlei Kommentars. Von 1564 bis 1835 vergrößerte sich das Gebiet Österreichs von 7347,40 um 5516,26 auf 12863,66 Quadratmeilen, d. h. um 43%, eine Ziffer, die ebenfalls beweist, daß die Gesamtkriegführung Altösterreichs positiv abschloß. Die Zeit des Hofkriegsrates war es, in der >) Kralik, S. 186 f. 2) „Österreichs Kriege seit 1495.“ 71