Oskar Regele: Ergänzungsband 1. Der österreichische Hofkriegsrat 1556-1848 (1949)

III. Der Einfluß des Hofkriegsrates auf die militärische Führung. - b) Beispiele aus der Kriegsgeschichte - 8. Der Seekrieg

67 8. Der Seekrieg. Die Anfänge österreichischer Streitkräfte zu Wasser reichen in das Jahr 1542, als Ferdinand I. in Triest drei Kriegsschiffe ausrüsten ließ. In der Eugen’schen Epoche erhielt in der Adria 1726 unter Kaiser Karl VI. Triest neuerlich eine kleine Kriegsflotte und auch am Gardasee und auf der Donau wurden Flottillen geschaffen. Die Donauflottillen nahmen rühmenswerten Anteil an den Feldzügen gegen die Türkei, indem sie die Landstreit­kräfte sehr wirksam unterstützten. Die adriatischen Seestreitkräfte machten wechselvolle Wandlungen durch, erst 1786 konnten sie unter Josef II. und Hadik als Hofkriegsratspräsident als ständige Kriegsmarine organisiert werden. Erzherzog Karl war seit 1801 der erste Marineminister, dem viele Reformen auf maritimem Gebiet zu verdanken sind. Für die Angelegenheiten der Kriegsmarine wurde im Rahmen des Hofkriegsrates eine eigene Marineabteilung eingerichtet. Bis zum Jahre 1848 konnte die österreichische Kriegsmarine bereits auf mehrere achtunggebietende Leistungen hinweisen: die ersten Ozean-Überquerungen, ebenso die ersten Ostasienfahrten waren vollzogen; bis 1822 betrieb die Kriegsmarine die Adria-Post­linie und in diesen Jahren wurde auch die adriatische Seekartographie begründet. Neben diesen Friedensleistungen hatte die österreichische Marine Gelegenheit, auch am Feinde ihre Tüchtigkeit zu beweisen. Im Jahre 1821 waren mehrere kriegerische Aktionen in der Adria durchzuführen, 1821—1829 mußte die Kriegsmarine in der Levante eingreifen und sie hatte dort die unbedingte Vorherrschaft der österreichischen Flagge, wie es später nie mehr der Fall war. 1829 war die Marine an den kriegerischen Ereignissen in Marokko beteiligt und 1840 löste sie mit größtem Erfolg und in großen Ehren die ihr in Syrien gestellten Aufgaben. Alles das konnte geleistet werden, trotzdem bei den stets angespanntesten finan­ziellen Forderungen für die ausgedehnte Landkriegführung der Marine nie nennenswerte Mittel gewährt werden konnten, trotzdem infolge der territorialen Kriegsfolgen zeitweise fast das ganze österreichische Küstengebiet verlorengegangen war. Aus den gewiß nur bescheidenen Anfängen der österreichischen Kriegsmarine von 1726 bis 1848 sollte sich doch aus dieser Schöpfung des Hofkriegsrates jene Kriegsflotte entwickeln, die sich dann 1866 durch den Seesieg bei Lissa in die erste Reihe aller Kriegsflotten der Weltgeschichte stellte. Der Sieger von Lissa Admiral von Tegetthoff war noch 1845 in die österreichische Marine aufgenommen worden. 67

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