Szladits Károly (szerk.): Magyar Jogászegyleti értekezések 8. kötet (72-82. füzet) - Magyar Jogászegyleti értekezések 8. (Budapest, 1893)
Liszt Ferencz: A jövő büntetőjoga [76., 1892]
38 Kraft. Wir wissen dies längst aus eigener Erfahrung, wir sehen es bei den Kindern der höchsten und bei den Kindern der untersten Volksklassen, bei den Kindern des reichen Aristokraten oder des durch Ueberarbeitung erschöpften Gelehrten ebenso wie bei den Kindern des halbverhungerten Handarbeiters oder des verkommenen Landstreichers. Aber, meine Herren, dennoch leugnen wir den homo delinquens, dennoch bestreiten wir, dass es einen geborenen Verbrecher giebt. Die erbliche Belastung äussertihre Wirkung nach den verschiedensten Bichtungen; sie bedeutet nur den Keim, die Disposition, die sich anders entwickeln, die unterbrochen werden kann. Sie kann zum Selbstmorde, zum Wahnsinn, zu. Krankheiten und Nervenstörungen führen; sie kann den von ihr Betroffenen zu einem unstet dahinlebenden Abenteurer oder zu einem harmlosen Sonderling machen; sie kann ihn aber auch auf die Bahn des Verbrechens führen. Ob es nun zu dem einen oder dem anderen kommt, hängt ganz von dem Lebensschicksale,, von den äusseren Verhältnissen und gesellschaftlichen Faktoren ab, unter welchen der Betreffende sich entwickelt und lebt. Der Fehler Lombroso’sistesnun im Gegensätze zu Quetelet, dass er und seine Anhänger die Bedeutung der gesellschaftlichen Faktoren so gut, wie gänzlich übersehen haben. Allerdings weisen Lombroso und seine Anhänger auf die kriminalstatistischen Untersuchungen hin. die sie veröffentlicht haben ; sie betonen, dass auf den Kongressen der Kriminal-Anthropologen auch eine Abtheilung für Kriminal-Sozialogie eingerichtet war; dass sie also den gesellschaftlichen Faktoren der Kriminalität stets gebührende Beachtung gewidmet haben. Aber bei genauer Betrachtung sehen wir sofort, dass diese Behauptung nicht ernst zu nehmen ist. Das ist besonders von den französischen Schriftstellern wiederholt und mit aller Bestimmtheit hervorgehoben worden. Und dieser Fehler muss nach den verschiedensten Bichtungen hin verhängnissvoll werden. Ein Beispiel statt vieler. Lombroso und seine Anhänger pflegen die geringere Kriminalität des Weibes gegenüber der des Mannes zurückzuführen auf die psychologischen und physiologischen Unterschiede zwischen den beiden Geschlechtern. Sie übersehen dabei, dass wenn das richtig wäre, die Kriminalität des Weibes gegenüber der des Mannes unge172