Szladits Károly (szerk.): Magyar Jogászegyleti értekezések 8. kötet (72-82. füzet) - Magyar Jogászegyleti értekezések 8. (Budapest, 1893)

Liszt Ferencz: A jövő büntetőjoga [76., 1892]

36 Das ist in wesentlichen Zügen das Bild des Verbrechers, wie Lombroso es gezeichnet. Man hat die einzelnen Züge dieses Bildes vielfach, und zwar gerade in Gelehrtenkreisen zu ernst ge­nommen und darüber das eine Wesentliche übersehen, das in diesem Bilde enthalten ist. Möge man nachweisen, dass die Arme des Verbrechers nicht länger, sondern kürzer sind, als beim Nor­malmenschen, dass der Verbrecher nicht schwererund stärker ist als dieser, dass seine Sprache, seine Schrift, sein Gang nicht ab­weichen ; streiche man alle diese einzelnen Züge aus dem Bilde des Verbrechers, so hat man den Kern der Sache noch immer nicht getroffen. Dieser liegt in der Behauptung, es gebe geborene Ver­brecher, die sich durch ihre körperlicke und geistige Eigenart von den anderen Menschen unterscheiden; in der Auffassung, das Verbrechen sei ein von den Vätern vererbtes angeborenes Uebel. Damit gelangen wir zur Einsicht, dass die italienische kriminal-anthropologische Schule nur eine Abzweigung einer heute weit verbreiteten Lebensauffassung darstellt; wir sehen, dass das, was auf dem Gebiete der Kriminalanthropologie be­hauptet wird, nichts anderes ist, als was unsere modernen Dichter in ihren Dramen uns täglich vorführen, von Zola und Ibsen angefangen bis herab auf Bichard Voss und Gerhart Hauptmann; was ist es denn anderes, als das Gesetz der Ver­erbung, das im Mittelpunkte der ganzen Darstellung steht, die Durchführung des Gedankens, dass der Charakter des Menschen natur-gesetzmässig bestimmt ist, so dass sich dagegen nicht ankämpfen lässt? Wenn Doktor Banke im Pappenheim (Nora) sagt: «Mein armes unschuldiges Bückenmark muss für meines Vaters lustige Lieutnantstage büssen», so könnte dieser Satz eben so gut im Buche Lombroso’s stehen, der Grundgedanke ist der­selbe ; und wenn Alfred Loth in Gerhart Hauptmann’s «Vor Son­nenaufgang» das Mädchenseiner Wahl nicht heiraten will, und es in den Tod treibt, weil der Vater ein Säufer ist und bis in die dritte Generation den Hang zur Schnapsflasche fortgepflanzt hat — klingt, das nicht wie eine Folgerung aus Lombroso’s Lehren ? Die Sünden der Väter, die wir als Erbtheil mit auf den Lebensweg bekommen, die wir nicht los werden können, das sind die Gespenster — um mit Ibsen zusprechen — die uns auf Schritt und Tritt begleiten. Vergebens suchen wir sie 170

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