Szladits Károly (szerk.): Magyar Jogászegyleti értekezések 8. kötet (72-82. füzet) - Magyar Jogászegyleti értekezések 8. (Budapest, 1893)

Liszt Ferencz: A jövő büntetőjoga [76., 1892]

33 geworden, den Verhältnissen, aus denen es entstanden ist, ver­dankt, aber wir übersehen auch nicht, dass der Einzelne auch selbst einwirkt auf die Verhältnisse und um so kräftiger, je be­deutender seine Persönlichkeit ist. Ein Beispiel liegt mir als Beichsdeutschem nahe. Wohl war der erste Kanzler des deut­schen Keiches ein Kind seiner Zeit und er wäre ein anderer geworden im 16. oder im 12. Jahrhundert. Aber wer möchte leugnen, dass dieser Mann auch bestimmend eingewirkt hat auf seine Zeit, dass die Spur von seinen Erdentagen auch in Aeonen nicht verschwinden wird; dass er etwas anderes, als eine «causeperturbatrice» gewesen ist, so ein kleiner Bechnungs- fehler, der die Gesetzmässigkeit in der Entwicklung der Ereig­nisse störte. Ein anderer Fehler Quetelets ist es, an unabänderliche Gesetze zu glauben, die die gesellschaftlichen Verhältnisse vorherbestimmen und gegen die anzukämpfen so vergeblich wäre, wie wenn wir den Gang der Gestirne hemmen und leiten und eingreifen wollten in die ewigen unabänderlichen Natur­gesetze. Was soll von diesem Standpunkte aus die Strafe, wenn das Verbrechen das nothwendige Produkt der gegebenen gesell­schaftlichen Verhältnisse ist? — Das ist der Quietismus, der Fatalismus, der Standpunkt laisser faire laisser aller auf kriminalistischem, wie auf volkswirthschaftlichem Gebiete. Und dieser Standpunkt ist heute überwunden. Keiner von unse­ren sozialdemokratischen Arbeitern schreckt heute vor dem «ehernen Lohngesetze» zurück, keiner von ihnen glaubt, dass er für alle Ewigkeit verurtheilt sei, am Hungertuche zu nagen. Jeder will seine Stellung verbessern und glaubt, dass sie ver­bessert werden kann ; und wir anderen, wir glauben es mit ihm, wir sind überzeugt, dass wir den Schwachen stützen und den Uebermüthigen beugen, dass wir eingreifen können in die gesell­schaftlichen Verhältnisse. Gerade weil diese Verhältnisse durch Gesetze bestimmt sind, glauben wir auf sie einwirken zu kön­nen. So wie wir dem Fluss sein Bett weisen und die Dampf­kraft unsern Zwecken dienstbar machen, so glauben wir — vielleicht täuschen wir uns, aber wir glauben es, — dass wir die gesellschaftlichen Verhältnisse bestimmen können und mit ihnen den Gang der Kriminalität. Wenn Quetelet davon gespro­3 167

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