Szladits Károly (szerk.): Magyar Jogászegyleti értekezések 8. kötet (72-82. füzet) - Magyar Jogászegyleti értekezések 8. (Budapest, 1893)
Liszt Ferencz: A jövő büntetőjoga [76., 1892]
34 chen hat, es gebe ein Budget, das mit unweigerlicher Regelmässigkeit bezahlt werden müsse, ein Budget, an dem kein Parlament etwas herabmindern kann, das Budget des Verbrechens, des Schaffots, des Kerkers, so sehen wir in dieser Wendung nichts als ein unglückliches, weil unzutreffendes Bild. Wenn wir, meine Herren, uns diesen Gesichtspunkt klar machen, so ziehen wir zugleich die Grenze für die Thätigkeit der Kriminalpolitik. Wenn wir die Arbeiterwohnungen umgestalten, eine gerechte Vertheilnng der Steuerlasten einführen, den Arbeitstag nach Stunden bemessen, wenn wir für die Bildung der Arbeiterklasse sorgen und die staatsbürgerliche Gesinnung des Einzelnen entwickeln und so auf die Verminderung der Verbrechen einzuwirken trachten, so haben wir Sozialpolitik getrieben, aber als /mmmalpolitiker sind wir über die Grenze des uns zugewiesenen engeren Gebietes hinausgegangen. Wir glauben, meine Herren, an die Möglichkeit einer Verbesserung unserer gesellschaftlichen Zustände, und wir glauben durch sozialpolitische Massregeln auch die Kriminalität günstig beeinflussen zu können. Das ist unser Gegensatz zu den Pessimisten der sozial-physikalischen Schule. Aber ein anderer Gegensatz ist nicht minder scharf und dessen Betonung nicht minder nothwendig: das ist der Gegensatz, in dem wir uns gegenüber den Anhängern der sogenannten anthropologischen Schule befinden, die in Italien durch Lom- broso, Ferri, Garofalo begründet und zahlreiche andre Männer, insbesondere in den romanischen Ländern entwickelt worden ist. Wir stehen in Gegensatz zu denjenigen, welche das Verbrechen auffassen als das nothwendige Ergebniss der angeborenen Anlagen des Thäters und welche behaupten, jede verbrecherische Handlung sei bestimmt durch die Eigenart des Thäters, durch seine physische und psychische Individualität. Dieser Satz, meine Herren, ist sehr alt. In den Dichtungen und Sprichwörtern aller Völker kehrt immer derselbe Gedanke wieder, dass sich die Hoheit der Gesinnung in der den Typus zur Vollendung bringenden äusseren Erscheinung, wie die Niedrigkeit und Gemeinheit der Seele in der atpyischen Hässlichkeit wiederspiegelt. Wir können diesen Gedanken verfolgen von 168