Szladits Károly (szerk.): Magyar Jogászegyleti értekezések 8. kötet (72-82. füzet) - Magyar Jogászegyleti értekezések 8. (Budapest, 1893)
Liszt Ferencz: A jövő büntetőjoga [76., 1892]
31 brechen nicht möglich sei, weil entweder die gegebenen gesellschaftlichen Verhältnisse nicht geändert werden können, oder weil die angeborene Eigenart des Verbrechers unabänderlich ist. Die Möglichkeit einer kräftigen Kriminalpolitik diesen Ansichten gegenüber zu zeigen, ist die Aufgabe des ersten Theiles meines heutigen Vortrages. Es ist, meine Herren, das Verdienst Quetelets, des belgischen Astronomen, gezeigt zu haben, dass die Kriminalität ihre Wurzel in den gesellschaftlichen Verhältnissen hat, dass jeder Zusammensetzung der Gesellschaft eine bestimmte Zusammensetzung des Verbrecherthums entspricht und dass diesen Verhältnissen angemessen die Kurve der Kriminalität sich ändert, steigert oder sinkt, bald in paralleler, bald in entgegengesetzter Pachtung. Es ist ein bleibendes Verdienst Quetelets und seiner Anhänger, auf diese Umstände hingewiesen zu haben und wir brauchen für die Richtigkeit dieser Anschauung keinen besseren Beweis, als die statistischen Daten der einzelnen Länder. Wenn wir uns die geografische Vertheilung der Verbrechen im deutschen Reich ansehen, werden wir uns überzeugen, dass vom Nordosten an die ganze Ostseite das Gebiet der grössten Kriminalität ist und wir werden auf den ersten Blick sehen, dass dies dieselben Gebiete sind, die vom Hungertyphus heimgesucht werden und wo das Massenelend seine Verheerungen anrichtet. Wenn wir in den letzten Monaten uns wunderten über die stets zunehmende Zahl der in Strafanstalten eingelieferten Personen, sowie darüber, dass die Diebstahlsziffer, deren Abnahme bis zum Jahre 1888 unseren Trost bildete, ebenso wie die der übrigen Verbrechen im lebhaften Steigen begriffen ist, dann müssen wir einsehen, dass die wirthschaftliche Depression es ist, die die Zahl der Verbrechen überhaupt, der Diebstähle insbesondere erhöht. Die Bedeutung der gesellschaftlichen, vor allen der wirthschaftlichen Faktoren der Kriminalität in Abrede zu stellen, kann uns nicht in den Sinn kommen. Ich möchte es noch ganz besonders betonen, dass die Bedeutung dieser Faktoren sich nicht beschränkt auf eine, sondern dass sie sich erstreckt auf mehrere Generationen. Das Elend, das den Vater und die Mutter gebeugt und gebrochen hat, das den Vater dem 165 *