Az Egri Ho Si Minh Tanárképző Főiskola Tud. Közleményei. 1972. (Acta Academiae Paedagogicae Agriensis : Nova series ; Tom. 10)
Schließlich basiert — wie Max Steenbeck einmal formulierte — — Gesetzmäßigkeit „immer auf Erfahrung; aber Wissenschaft ist mehr als geordnete Empirie . . . Unter Einzelerscheinungen eine gemeinsame Ursache zu erkennen . . . , also das Vordringen von der Einzelerscheinung zum anwendbar formulierten Wissensextrakt, dem .Gesetz', das ist das Wesen wissenschaftlicher Erkenntnissuche" [1]. Diesen Schritt gilt es zu vollziehen. Wollen wir also die Praxis verändern, müssen wir „theoriebildend" tätig sein, anwendbar formulierte Wissensextrakte herausarbeiten; dürfen wir nicht bei Erfahrungen und daraus abgeleiteten Regeln und Hinweisen stehenbleiben — so wichtig sie zunächst auch sein mögen. Das aber ist heute noch unter pädagogischen Wissenschaftlern verbreitet, wobei der Ruf vieler Lehrerstudenten und auch mancher Lehrer nach „praktischen Hinweisen", die dem Praktiker „unmittelbar etwas geben sollen", ein solches Vorgehen fördert. Die Klassiker des Marxismus-Leninismus wandten sich wiederholt mit aller Entschiedenheit gegen die Geringschätzung der Theorie. Eine solche Vernachlässigung der Theorie ist nach Friedrich Engels „selbstredend der sicherste Weg, naturalistisch und damit falsch zu denken. Falsches Denken, zur vollen Konsequenz durchgeführt, kommt aber nach einem altbekannten dialektischen Gesetz regelmäßig an beim Gegenteil seines Ausgangspunktes" [2]. Entscheidend ist einerseits der gedankliche Ausdruck für das Wesentliche einer Erscheinung, indem von Äußerlichem abgesehen wird. Dadurch ist es möglich, auch pädagogische Sachverhalte „tiefer, richtiger, vollständiger" widerzuspiegeln, wie das Lenin für das Naturgesetz formulierte [3]. Andererseits ist eine gute Theorie verständlich, anwendbar und dadurch wirksam. Es muß deshalb Front gemacht werden gegen solche Tendenzen, in der bloßen Abstraktion und in ihrer womöglich recht verklausulierten Darlegung bereits ein hohes Maß an Wissenschaflichkeit zu sehen, alles übrige jedoch dem Praktiker zu überlassen. Ist es nicht bedenklich, wenn mancher Wissenschaftler auch unseres Faches als „Nur-Theoretiker" bezeichnet wird? Dagegen sollte gerade der pädagogische Wissenschaftler nicht nur an der pädagogischen Praxis interessiert, sondern auch an der Umsetzung theretischer Erkenntnisse unmittelbar beteiligt sein. Im Prozeß der Praxisveränderung wurde schon manche Theorie modifiziert, bereichert, manchmal auch verworfen. Aber selbst die Formulierung der besten, vom Konkreten abgeleiteten pädagogischen Erkenntnisse ist unwirksam, wenn sie derjenige nicht versteht, der sie umsetzen soll, wenn der Wissenschaftler die Dialektik von Konkretem und Abstraktem, die Einheit von Theorie und Praxis nicht zum Grundsatz seiner gesamten Tätigkeit erhebt. Dann nämlich wird der Widerspruch zwischen Abstraktem und Konkretem nicht dialektisch gelöst. 48